In einem verzweifelten Versuch, eine nukleare Abschaltung zu verhindern, sprengten rumänische Behörden am Montag Felsvorsprünge in der von Dürre geplagten Donau. Ziel: Kühlwasser zum Kernkraftwerk Cernavodă umleiten, das etwa 20 % des rumänischen Stroms liefert und seit letzter Woche wegen Niedrigwasser mit reduzierter Leistung läuft.
Warum Rumänien zu Sprengstoff griff
Die Donau, Europas zweitlängster Fluss, führt derzeit nur ein Drittel ihrer normalen Wassermenge. Der Einlaufkanal des Kraftwerks ist gefährlich flach. Ingenieure entwickelten einen Notfallplan: Unterwasserfelsen sprengen und die Trümmer 50 Kilometer flussabwärts auf Frachtschiffen transportieren, um einen temporären Damm zu errichten. Die rumänische Marine führte die kontrollierte Sprengung am 3. August 2026 durch. Der Steindamm soll bis Mittwoch fertig sein. Falls die Wasserstände sich nicht erholen, droht am Donnerstag die vollständige Abschaltung – über 1.400 MW würden fehlen. Ähnliche extreme Dürremanagement-Techniken sind in Europa selten und unterstreichen die Schwere der Hitzewelle.
Das Kernkraftwerk Cernavodă: Eine kritische Energiequelle
Das einzige rumänische Kernkraftwerk besitzt zwei CANDU-6-Reaktoren (je 706 MW), die normalerweise 20 % des Stroms erzeugen und jährlich über 10 Millionen Tonnen Treibhausgase vermeiden. Block 1 wurde bereits letzte Woche abgeschaltet; Block 2 läuft mit reduzierter Leistung. Die Abhängigkeit vom Donauwasser zeigt die Anfälligkeit der europäische Nuklearinfrastruktur bei zunehmenden Dürren durch den Klimawandel.
Ungarns parallele Krise
Im ungarischen Kernkraftwerk Paks, das 40 % des Landesstroms liefert, läuft nur noch ein Block mit 10 % Kapazität. Ministerpräsident Magyar warnte erstmals seit 44 Jahren vor einer klimabedingten Abschaltung. In Budapest fiel der Pegel auf Rekord-23 cm. Die europäische Dürre-Notstand 2026 hat bereits über 9.800 Hitzetote gefordert; eine neue Hitzewelle baut sich auf.
Wirtschaftliche und ökologische Auswirkungen
Autobauer Dacia und Ford stoppten die Produktion, um 200 MW zu sparen. In Ungarn senkten Haushalte und Firmen freiwillig den Verbrauch um 700 MW, und Pharmakonzern Richter will seinen Stromverbrauch halbieren. Die Schifffahrt ist lahmgelegt; das Donaudelta leidet unter Süßwassermangel. Experten fordern dringend Klimaanpassungsstrategien für Flüsse, um Energiesicherheit und Ökosysteme zu schützen.
Häufig gestellte Fragen
Warum benötigt ein Kernkraftwerk Flusswasser?
Reaktoren erzeugen enorme Wärme, die über Flusswasser abgeführt wird. Bei Niedrigwasser reicht die Menge nicht, um die Temperatur sicher zu halten – die Leistung muss reduziert werden.
Wie niedrig ist die Donau derzeit?
Anfang August 2026 fließt die Donau mit einem Drittel des Normalvolumens. Budapest meldete mit 23 cm einen neuen Rekordtiefstand, der den bisherigen Rekord von 33 cm von 2018 übertrifft.
Was passiert bei einer Abschaltung Cernavodăs?
Rund 1.400 MW oder 20 % des rumänischen Stroms würden fehlen, was Notimporte oder Industriekürzungen erzwingen könnte.
Hängt das mit dem Klimawandel zusammen?
Ja. Der Klimawandel verstärkt Dürren in Südosteuropa und bedroht flussabhängige Infrastruktur wie Kernkraftwerke direkt.
Funktioniert die Felssprengung?
Der temporäre Damm staut lokal Wasser auf, um die Kühlung zu sichern. Er verbessert nicht den Gesamtdurchfluss. Bei anhaltender Dürre könnte er unzureichend sein.
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