Der niederländische Großhandelsstrompreis ist am Dienstag auf 143 €/MWh gestiegen, ein Anstieg von 140 % im Vergleich zum Vorjahr (ca. 40 €/MWh). Grund ist eine Kombination aus extremer Hitze und Dürre in Europa, die die Stromerzeugung lähmt und die Kühlnachfrage hochtreibt. Haushalte mit dynamischen Tarifen sind besonders betroffen – die Abendspitzen erreichten am Montag über 200 €/MWh.
Ursachen des Preisanstiegs
Angebot und Nachfrage erleben einen Schock. Die Dürre hat die Wasserstände von Rhein, Donau und Rhône stark gesenkt, was die europäische Wasserkraftproduktion einbrechen ließ und Kernkraftwerke zur Drosselung zwang. Frankreich, Deutschland, Rumänien und Ungarn kämpfen mit reduzierter Kernkraftleistung; Ungarn nahm sein einziges AKW komplett vom Netz. In Frankreich musste EDF Reaktoren wegen zu warmer Flüsse drosseln.
Hitzewelle treibt Kühlbedarf
Gleichzeitig sorgt die Hitze dafür, dass Klimaanlagen und Kühlsysteme auf Hochtouren laufen und die Nachfrage selbst in den Morgen- und Abendstunden nahe der Maximalkapazität der Netze liegt.
Niederlande nicht immun
Obwohl die Niederlande nur 5 % ihres Stroms aus Kernkraft (Borssele) beziehen, sind sie eng mit dem europäischen Markt verflochten. „Wir sind stark mit den Nachbarmärkten verbunden“, erklärt Rene Peters von TNO. „Probleme in Frankreich oder Deutschland erhöhen auch unsere Preise.“
Die Integration des europäischen Energiemarktes bringt zwar Diversifizierung, aber auch Preisschocks. Bei schwacher Solar- und Windleistung müssen Gaskraftwerke einspringen, und die Gaspreise sind wegen der Nahost-Spannungen stark gestiegen. „In den Niederlanden bestimmt der Gaspreis den Strompreis, weil Gas Lücken füllen muss“, so Peters.
Folgen für Haushalte und Industrie
Für Haushalte mit festen oder variablen Verträgen ändert sich kurzfristig wenig, doch dynamische Verträge setzen sie voll dem Großhandelsmarkt aus. Mittags sind die Preise oft niedrig oder negativ, aber die Abendspitze (17–21 Uhr) ist extrem teuer. Energieintensive Industrien leiden ebenfalls, auch wenn in den Niederlanden keine Produktionsausfälle wie in Rumänien oder Ungarn drohen.
Ausblick: Preise bleiben hoch
Die Aussichten sind düster: Wenig Regen und hohe Gaspreise lassen keine schnelle Entspannung erwarten. Peters: „Die hohen Preise werden noch eine Weile bleiben.“ Die Krise mahnt zu mehr Diversifizierung und flexibleren Netzen. Angesichts von Klimawandel und Energiesicherheit könnte der Sommer 2026 als Wendepunkt für Europas Stromnetze in Erinnerung bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Wie stark sind die Preise gestiegen?
143 €/MWh am Dienstag, +140 % gegenüber ca. 40 €/MWh vor einem Jahr. Montag Abendspitzen über 200 €/MWh.
Warum sind die Preise so hoch?
Extreme Hitze und Dürre drosseln Wasserkraft und Kernkraft, während die Kühlnachfrage steigt. Der vernetzte Markt überträgt die Schocks.
Was ist ein dynamischer Tarif und warum riskant?
Er richtet sich nach stündlichen Großhandelspreisen. Nutzer profitieren von niedrigen Mittagspreisen, zahlen aber extreme Abendspitzen.
Wie lange bleiben die Preise hoch?
Laut Peters wegen anhaltender Dürre, wenig Regen und hoher Gaspreise noch längere Zeit.
Welche europäischen Länder sind am stärksten betroffen?
Frankreich, Deutschland, Rumänien, Ungarn mit gedrosselten Kernkraftwerken und reduzierter Wasserkraft.
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