Spanien zahlt 20 Millionen Euro Entschädigung für Zugopfer

Spanien zahlt 20 Millionen Euro Entschädigung an Opfer tödlicher Zugunglücke mit 46 Toten. Familien erhalten 216.000 Euro, Verletzte 2.400-84.000 Euro. Untersuchungen deuten auf Schienenbruch als Ursache, was zu Sicherheitsbedenken und Streiks führt.

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Spanien kündigt 20 Millionen Euro Entschädigung für Zugunglücksopfer an

Die spanische Regierung hat ein umfassendes Entschädigungspaket in Höhe von 20 Millionen Euro für Opfer und Hinterbliebene zweier tödlicher Zugunglücke Anfang dieses Monats angekündigt, bei denen 46 Menschen ums Leben kamen und Hunderte verletzt wurden. Verkehrsminister Óscar Puente stellte den Plan vor, wonach Familien verstorbener Opfer jeweils 216.000 Euro erhalten und verletzte Passagiere je nach Schwere ihrer Verletzungen zwischen 2.400 und 84.000 Euro bekommen.

Details des Entschädigungspakets

Die Entschädigung für Familien der Verstorbenen setzt sich aus drei Komponenten zusammen: 72.000 Euro steuerfreie staatliche Unterstützung, 72.000 Euro Vorschuss aus der Haftpflichtversicherung und 72.000 Euro aus der obligatorischen Reiseversicherung, die Passagiere abgeschlossen hatten. 'Die Opfer können nicht jahrelang auf finanzielle Unterstützung warten, um medizinische Kosten, psychologische Behandlungen, Transport, laufende Pflege oder die völlige Neugestaltung ihres Alltags bezahlen zu können,' sagte Minister Puente. 'Wirtschaftliche Unsicherheit darf nicht noch zur emotionalen Belastung hinzukommen.'

Die Ankündigung folgt auf den tödlichsten Zugunfall in Spanien seit über zehn Jahren. Am 18. Januar 2026 entgleisten zwei Hochgeschwindigkeitszüge bei Adamuz in Südspanien, wobei 45 Menschen starben. Vorläufige Untersuchungen der unabhängigen spanischen Untersuchungsbehörde CIAF deuten auf einen Schienenbruch als Hauptursache hin. Laut Railway Gazette identifizierten Ermittler eine defekte aluminothermische Schweißnaht zwischen Schienensegmenten als wahrscheinliche Ursache für den Bruch.

Sicherheitsbedenken und Gewerkschaftsreaktion

Die Unfälle haben weit verbreitete Sicherheitsbedenken im spanischen Schienennetz ausgelöst. Nur zwei Tage nach dem Unglück in Adamuz ereignete sich ein weiterer Zugunfall auf der Strecke zwischen Gelida und Sant Sadurní, bei dem ein Zug auf Trümmer einer eingestürzten Stützmauer fuhr. Dabei kam der 28-jährige Lokführer ums Leben und Dutzende Menschen wurden verletzt.

Die größte spanische Lokführergewerkschaft, SEMAF, hat zu einem dreitägigen landesweiten Streik vom 9. bis 11. Februar aufgerufen, bei dem verbesserte Sicherheitsstandards gefordert werden. 'Wir haben monatelang Schienenschäden gemeldet, ohne angemessene Reaktion,' sagte ein Gewerkschaftsvertreter. Die Gewerkschaft hatte zuvor vor schlechten Gleiszuständen gewarnt und Geschwindigkeitsreduzierungen auf Hochgeschwindigkeitsstrecken gefordert.

Als Reaktion auf die Sicherheitsbedenken hat der spanische Infrastrukturbetreiber ADIF vorsorglich die Höchstgeschwindigkeit auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Barcelona vorübergehend auf 80 Kilometer pro Stunde gesenkt. Dies folgt auf Meldungen von Lokführern über mögliche Gleisschäden.

Untersuchungsergebnisse und politische Folgen

Ermittler haben festgestellt, dass der Schienenbruch bei Adamuz wahrscheinlich auftrat, bevor der Zug darüber fuhr, was auf Infrastrukturprobleme und nicht auf betriebliche Fehler hindeutet. Reuters berichtete, dass Beweise beschädigte Radsätze an mehreren Zügen zeigen, die vor dem Unfall über das defekte Gleis fuhren.

Die betroffene Schiene wurde 2023 produziert und Mitte 2025 installiert, was Fragen zur Qualitätskontrolle und Inspektionsregimen aufwirft. Minister Puente steht unter politischem Druck und Rücktrittsforderungen von Oppositionsparteien, obwohl er frühere Inspektionen zwischen Oktober und Januar verteidigt hat.

Das spanische Hochgeschwindigkeitsnetz ist das längste in Europa mit fast 4.000 Kilometern Strecke. Das Land ist seit dem Start seines ersten AVE-Dienstes 1992 ein Vorreiter in der Hochgeschwindigkeitszugentwicklung. Diese jüngsten Unfälle stellen die bedeutendste Sicherheitskrise in der spanischen Eisenbahngeschichte seit der Entgleisung in Santiago de Compostela 2013 dar, bei der 79 Menschen starben.

Das Entschädigungspaket soll unmittelbare finanzielle Entlastung bieten, während die Untersuchungen fortgesetzt und Sicherheitsverbesserungen in der spanischen Schieneninfrastruktur umgesetzt werden.

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