Spaniens Zugunglücke: Zwei Katastrophen in drei Tagen lösen Streik aus

Zwei tödliche Zugunglücke innerhalb von drei Tagen legen massive Sicherheitsprobleme im spanischen Schienennetz offen. Gewerkschaften hatten zuvor vor Infrastrukturmängeln gewarnt und rufen nun zu landesweiten Streiks auf, während die Politik unter Druck gerät.

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Spaniens Zugunglücke legen massive Sicherheitsprobleme offen

Spanien steht vor der schwersten Eisenbahnsicherheitskrise seit über einem Jahrzehnt, nachdem zwei katastrophale Zugunglücke innerhalb von nur drei Tagen mindestens 43 Menschenleben gefordert und Hunderte verletzt haben. Die Vorfälle haben tiefgreifende Bedenken hinsichtlich der Wartung der Infrastruktur und der Sicherheitsprotokolle in dem einst als bestes Hochgeschwindigkeitsnetz Europas geltenden System aufgedeckt.

Die tragischen Ereignisse

Der erste und verheerendste Unfall ereignete sich am 18. Januar 2026 beim Bahnhof Adamuz in der Provinz Córdoba. Ein Iryo-Hochgeschwindigkeitszug von Málaga nach Madrid entgleiste in einer Weiche, wobei die letzten drei Wagen auf das Gegengleis gerieten. Sekunden später kollidierte ein südwärts fahrender Renfe-Zug mit Geschwindigkeiten von über 200 km/h mit dem entgleisten Zug. Der Aufprall war katastrophal, die ersten beiden Wagen des Renfe-Zugs stürzten vier Meter in die Tiefe. Mindestens 42 Menschen starben und 292 wurden verletzt – es ist der tödlichste Eisenbahnunfall in Spanien seit 2013.

Nur zwei Tage später, am 20. Januar, entgleiste eine Regionalbahn bei Barcelona, nachdem eine Stützmauer bei starkem Regen eingestürzt war. Dabei kam der Lokführer ums Leben und vier Passagiere wurden verletzt. Die zeitliche Nähe dieser Tragödien wirft dringende Fragen auf, ob es sich um isolierte Vorfälle oder Symptome eines Systemversagens handelt.

Ignorierte Warnungen der Gewerkschaft

Die größte spanische Lokführergewerkschaft, SEMAF, hatte bereits Monate vor diesen Tragödien Alarm geschlagen. Im August 2025 schickte die Gewerkschaft einen detaillierten Brief an den Infrastrukturbetreiber Adif mit Warnungen vor schwerwiegendem Verschleiß auf entscheidenden Hochgeschwindigkeitsstrecken. 'Wir sehen uns täglich mit zahlreichen Schienenlöchern, losen Schienen und Unebenheiten in der Oberleitung konfrontiert,' erklärten Gewerkschaftsvertreter in ihrer Warnung.

Die Gewerkschaft hob insbesondere den Korridor Madrid-Andalusien hervor, wo die Kollision von Adamuz stattfand. Lokführer hatten dort von abnormalen Vibrationen berichtet und vorübergehende Geschwindigkeitsreduzierungen von 300 km/h auf 250 km/h gefordert, bis Infrastrukturverbesserungen umgesetzt werden könnten. 'Diese Maßnahmen müssen in Kraft bleiben, bis das Schienennetz in einem Zustand ist, der höhere Geschwindigkeiten sicher ermöglicht,' schrieb SEMAF in ihrer August-Mitteilung.

Infrastruktur unter genauer Prüfung

Das spanische Eisenbahnsystem arbeitet nach einem geteilten Managementmodell, das 2005 eingerichtet wurde, um EU-Vorschriften zu entsprechen. Adif, ein staatliches Unternehmen, verwaltet die Infrastruktur inklusive Gleise, Signale und Bahnhöfe, während Renfe die Zugdienste betreibt. Diese Trennung sollte den Wettbewerb fördern, hat aber Koordinationsprobleme verursacht.

Ermittler konzentrieren sich nun auf mögliche Infrastrukturversagen, insbesondere auf Spaniens älteste Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Madrid und Sevilla, die immer noch veraltete deutsche LZB-Signalsysteme anstelle des modernen europäischen Zugbeeinflussungssystems ERTMS nutzt. Die Strecke hatte im Mai 2025 eine Renovierung im Wert von 700 Millionen Euro durchlaufen, was Fragen zur Qualität der jüngsten Wartungsarbeiten aufwirft.

Politische Folgen und Streikaktion

Die Unfälle haben einen politischen Sturm ausgelöst. Verkehrsminister Óscar Puente erhielt Kritik, nachdem er angedeutet hatte, der Streikaufruf sei durch 'den emotionalen Zustand der Lokführer' nach dem Tod ihrer Kollegen motiviert. Die Oppositionspartei Partido Popular nannte seine Äußerungen 'moralisch verwerflich.'

Als Reaktion auf die Tragödien hat SEMAF zu einem landesweiten Streik aufgerufen und dringende Sicherheitsgarantien sowie die Haftung von Adif gefordert. Die Gewerkschaft drängt auf strafrechtliche Verantwortung für Verantwortliche der Infrastruktursicherheit. 'Wir können nicht weiterleben riskieren auf Gleisen, vor denen wir wiederholt gewarnt haben,' erklärte ein Gewerkschaftssprecher.

Passagiersorgen und systemweite Auswirkungen

Die Unfälle haben zu weitreichenden Reisestörungen in ganz Spanien geführt. Adif hat vorübergehende Geschwindigkeitsbeschränkungen auf der Strecke Madrid-Barcelona eingeführt und Regionalzüge in Katalonien für Inspektionen ausgesetzt. Passagiere haben in sozialen Medien Videos geteilt, die schwere Vibrationen während ihrer Fahrten zeigen. Eine Passagierin, María Urbaneja, hatte 24 Stunden vor dem Adamuz-Unglück ein TikTok-Video mit heftigem Rütteln in ihrem Zug gepostet und die Erfahrung als 'eine Schande' bezeichnet.

Spanien verfügt über fast 4.000 Kilometer Hochgeschwindigkeitsstrecke, weltweit nur übertroffen von China. Die jüngsten Tragödien haben jedoch Schwachstellen in dem einst als nationaler Stolz geltenden System offengelegt. Während die Ermittlungen weitergehen, stehen Reisende vor anhaltenden Unterbrechungen, Verspätungen und Unsicherheit darüber, wann der normale Betrieb wieder aufgenommen wird.

Die kommenden Wochen müssen zeigen, ob diese Unfälle tragische Zufälle waren oder Beweise für eine systemische Vernachlässigung der Infrastruktur, die grundlegende Reformen des spanischen Eisenbahnmanagements und der Wartungssysteme erfordert.

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