AliExpress mit Rekordstrafe von 550 Millionen Euro belegt
Die Europäische Kommission hat gegen den chinesischen E-Commerce-Riesen AliExpress eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro verhängt, weil es systematisch den Verkauf illegaler, gefälschter und unsicherer Produkte nicht verhindert hat. Dies ist die höchste jemals nach dem Digital Services Act (DSA) verhängte Strafe und übertrifft frühere Geldbußen gegen X (120 Mio. €) und Temu (200 Mio. €). Die Durchsetzung des EU-Digital Services Act markiert eine deutliche Verschärfung der Regulierung großer Online-Marktplätze.
Hintergrund: Die DSA-Untersuchung
Die EU-Kommission leitete im März 2024 eine Untersuchung gegen AliExpress ein, das als 'Very Large Online Platform' (VLOP) mit über 45 Millionen monatlichen Nutzern in der EU eingestuft wurde. Die bis Juni 2025 laufende Untersuchung deckte Verstöße in den Jahren 2023–2025 auf. Millionen zuvor von AliExpress selbst als illegal gekennzeichneter Produkte – darunter gefährliche Spielzeuge, gefälschte Kleidung und bedenkliche Kosmetika – wurden wiederholt eingestellt. Moderatoren hatten oft nur Sekunden zur Prüfung, weit unter der erforderlichen Zeit. Die Kommission stellte unzureichendes Personal fest.
Rekordstrafe nach dem DSA
Die Geldbuße von 550 Mio. € ist die bisher höchste DSA-Strafe, bleibt aber unter der maximal möglichen Sanktion von 6 % des globalen Jahresumsatzes. Der Mutterkonzern Alibaba erzielte rund 130 Mrd. € Umsatz, sodass die Höchststrafe fast 8 Mrd. € hätte betragen können. EU-Kommissarin Henna Virkkunen erklärte: 'Die Verbreitung von gefälschter Kleidung, unsicheren Spielzeugen und gefährlichen Kosmetika ist keine unvermeidliche Folge des Online-Shoppings. Es ist ein Versagen von AliExpress, die europäischen Regeln einzuhalten.' Sie fügte hinzu: 'Größe ist keine Ausrede.'
Vergleich mit früheren DSA-Strafen
| Plattform | Strafe | Jahr | Hauptverstoß |
|---|---|---|---|
| AliExpress | 550 Mio. € | 2026 | Illegale/gefälschte Produkte |
| Temu | 200 Mio. € | 2025 | Illegale Produkte |
| X (Twitter) | 120 Mio. € | 2025 | Irreführende blaue Haken |
Systemische Mängel und Durchsetzung
Die Moderations- und Compliance-Systeme von AliExpress waren grundlegend unzureichend. Verkäufer umgingen Schutzmaßnahmen durch falsche Kategorisierung, und Empfehlungsalgorithmen bewarben illegale Waren. Trotz Aufforderung zur Einhaltung der DSA-Regeln bis Juni 2025 unterließ AliExpress die nötigen Änderungen. Das Unternehmen muss bis Oktober 2026 einen Aktionsplan vorlegen, andernfalls drohen weitere Strafen oder Dienstsperren in der EU. Die regulatorische Verschärfung der EU gegenüber großen Tech-Unternehmen nimmt zu.
Reaktion von AliExpress
AliExpress bezeichnete die Strafe als 'unverhältnismäßig' und verwies auf bereits umgesetzte Verbesserungen. Das Unternehmen prüft die Entscheidung und erwägt Berufung. Die Strafe fällt in eine Zeit verstärkter Prüfung chinesischer Plattformen; Shein und Temu stehen ähnlichen Untersuchungen gegenüber.
Auswirkungen auf E-Commerce und Verbrauchersicherheit
Die Rekordstrafe sendet ein starkes Signal an alle Online-Marktplätze in der EU. Nach dem DSA tragen Plattformen erhebliche Verantwortung für Produkte Dritter. Die aggressive Durchsetzung wird Änderungen in der Moderation und Verkäuferprüfung erzwingen. Verbraucher profitieren von besserem Schutz gegen gefälschte und gefährliche Waren.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Digital Services Act (DSA)?
Der DSA ist eine EU-Verordnung, die digitalen Plattformen strenge Auflagen zur Bekämpfung illegaler Inhalte und zum Schutz der Nutzerrechte auferlegt. Sehr große Plattformen unterliegen der höchsten Prüfstufe.
Warum wurde AliExpress mit 550 Mio. € bestraft?
Wegen systemischer Versäumnisse bei der Verhinderung des Verkaufs illegaler, gefälschter und unsicherer Produkte, was gegen DSA-Pflichten zur Risikominderung verstieß. Die Strafe umfasst Verstöße von 2023 bis 2025.
Wie verhält sich dies zu anderen DSA-Strafen?
Die AliExpress-Strafe ist die höchste bisher, übertrifft Strafen gegen X (120 Mio. €) und Temu (200 Mio. €). Die maximal mögliche Strafe hätte 6 % des Alibaba-Umsatzes betragen können, rund 8 Mrd. €.
Was passiert als Nächstes?
AliExpress muss bis Oktober 2026 einen Compliance-Plan vorlegen. Eine Berufung ist möglich. Bei Nichteinhaltung drohen weitere Strafen oder Dienstbeschränkungen.
Wie wirkt sich dies auf Verbraucher aus?
Das Urteil stärkt den Verbraucherschutz, indem Plattformen für Produktsicherheit haftbar gemacht werden. Käufer können mit besserer Durchsetzung gegen Fälschungen rechnen.
Quellen
Informationen von der Europäischen Kommission, Reuters, Ars Technica, Euractiv und NOS.
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