9/11-Überlebende: Wunden 25 Jahre später noch frisch

9/11-Überlebende leiden 25 Jahre nach den Anschlägen unter körperlichen und seelischen Wunden. Krebs, PTSD und Verlust prägen ihren Alltag auch im Jahr 2026.

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Ausgabe: DE

25 Jahre nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 leben 9/11-Überlebende in den USA noch immer mit den körperlichen und seelischen Folgen. Von Einsatzkräften am Ground Zero, die an Krebs erkranken, bis zu Familien, die Angehörige in entführten Flugzeugen verloren: Die Wunden sind frisch geblieben.

Der Morgen, der alles veränderte

Am Morgen des 11. September 2001 eilten Pendler in New York zu den Zügen nach Manhattan – wie 25 Jahre später. Stanley Praimnath, bei der Fuji Bank im 81. Stock des Südturms, saß an seinem Schreibtisch, als das erste Flugzeug den Nordturm traf. „Ich sagte: Ich gehe jetzt nach Hause.“ Ein Sicherheitsbeamter versicherte ihm, das Gebäude sei sicher. Kurz darauf traf ein zweites Flugzeug seinen Turm. „Der ganze Stock war in Stücke gerissen, als hätte eine riesige Abrissbirne eingeschlagen.“ Die Zeitleiste der Anschläge vom 11. September zeigt, wie schnell der Alltag zur Katastrophe wurde.

Drei Geschichten von Überleben und Verlust

Stanley Praimnath: Flucht aus dem Südturm

Stanley gehörte zu den wenigen, die aus der Einschlagzone entkamen. Brian Clark, drei Stockwerke höher, hörte seine Hilferufe; gemeinsam stiegen sie 1.620 Stufen hinab, bevor der Südturm einstürzte. Danach kämpfte Stanley mit Überlebensschuld – warum lebte er, während so viele Kollegen starben? Er fand Antworten im Glauben, wurde Pastor und überstand Leukämie, diagnostiziert am 11. September 2020, sowie eine vierfache Bypass-Operation. „Meine Schwester sagte einmal: ‚Stan, du hast mehr Leben als eine Katze.‘ Ich sagte: ‚Katzen haben neun Leben und sterben irgendwann trotzdem.‘“

Gordon Felt: Ein Bruder an Bord von Flug 93

Gordon Felt erfuhr von den Anschlägen durch einen Kollegen und schaltete den Fernseher genau in dem Moment ein, als das zweite Flugzeug den Südturm traf. „Da wussten wir, dass es kein Unfall war und wir angegriffen wurden.“ Sein Bruder Edward saß in United-Flug 93, der in Pennsylvania abstürzte, nachdem Passagiere sich wehrten. Edwards Notruf aus der Flugzeugtoilette – „Es findet eine Entführung statt. Können Sie mich noch hören, Sir? Hallo?“ – gehört zu den letzten Lebenszeichen. „Wunden heilen nicht“, sagt Gordon. „Und vielleicht wollen wir das auch nicht. Wir wollen nicht vergessen, was wir verloren haben. Aber Flug 93 ist auch eine Geschichte von enormem Mut und Hoffnung.“

Bill Hayes: Drei Tage am Ground Zero

Feuerwehrmann Bill Hayes war bei einem Küchenbrand im Einsatz, als er erfuhr, dass das Pentagon getroffen wurde. Er nahm eine Nachricht für seine Frau auf, bevor er ausrückte. Drei Tage suchte er in den Trümmern der „Grube“ – Ground Zero – vergeblich nach Überlebenden. Später erkrankte er zweimal an Krebs, was er mit seiner Zeit am World Trade Center verbindet. „Ich halte mich nicht für einen Helden, aber ich habe mit Helden gearbeitet“, sagt er. „Ich wünschte, wir hätten mehr retten können. Aber wir haben alles Menschenmögliche getan.“

Die gesundheitlichen Langzeitfolgen

Neben den seelischen Narben ist die körperliche Belastung enorm: Laut dem World Trade Center Health Program haben Rettungs- und Bergungskräfte ein um 11 % höheres Krebsrisiko als die Allgemeinbevölkerung. Unter erkrankten WTC-Einsatzkräften leben 86 % fünf Jahre später noch, gegenüber 63 % nicht exponierter New Yorker. Bis 2024 waren über 132.000 Menschen registriert, 4.257 mit Krebsanerkennung. PTSD und Atemwegserkrankungen bleiben verbreitet.

Warum 9/11 eine offene Wunde bleibt

Für Gordon Felt darf die Geschichte nicht vergessen werden. „Es ist Geschichte, in deren Mitte wir heute noch stehen“, sagt er. „Wir tragen sie im Herzen und auf den Schultern, solange wir können – aber es kommt der Tag, an dem wir nicht mehr da sind. Dann müssen andere die Geschichte übernehmen.“ Das 9/11 Memorial und Museum in New York erinnert, doch die lebenden Zeugen werden weniger.

FAQ

Welche Langzeitfolgen treten bei 9/11-Überlebenden am häufigsten auf?

Am häufigsten sind Krebs, chronische Atemwegserkrankungen wie Asthma und GERD sowie psychische Erkrankungen wie PTSD und Depressionen.

Wie viele Menschen sind im 9/11-Gesundheitsprogramm registriert?

Im März 2024 lag die Zahl bei 132.530 Mitgliedern, darunter Einsatzkräfte, Bergungsarbeiter und Überlebende.

Haben 9/11-Einsatzkräfte ein höheres Krebsrisiko?

Ja, ihr Gesamtkrebsrisiko liegt um 11 % höher als in der Allgemeinbevölkerung.

Was geschah mit Flug 93?

United-Flug 93 stürzte bei Shanksville, Pennsylvania, in ein Feld, nachdem Passagiere und Besatzung die Entführer bekämpft hatten.

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