Mehr als 1.000 Menschen in Europa haben sich während der Mückensaison 2026 mit dem West-Nil-Virus infiziert, wie neue Überwachungsdaten des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) zeigen. Im Bericht der Behörde für Woche 36 vom 4. September 2026 wurden 1.086 lokal erworbene Fälle in 15 europäischen Ländern bestätigt – eine deutliche Beschleunigung einer Krankheit, die einst auf den Mittelmeerraum beschränkt war.
Was ist das West-Nil-Virus?
Das West-Nil-Virus (WNV) ist ein durch Mücken übertragenes Flavivirus, das hauptsächlich unter Wildvögeln zirkuliert. Es wird auf Menschen und andere Säugetiere übertragen, wenn eine gewöhnliche Hausmücke (Culex pipiens) zuerst einen infizierten Vogel sticht und dann einen Menschen beißt. Menschen gelten als Fehlwirte, das Virus wird also nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die klimabedingte Ausbreitung von durch Mücken übertragenen Krankheiten hat WNV zu einem zunehmend bekannten Problem der öffentlichen Gesundheit in Europa gemacht.
Ausbruch in Europa 2026 in Zahlen
Das neueste Wochenbulletin des ECDC zeigt die höchste Fallbelastung in Südeuropa; auf Italien entfallen fast die Hälfte aller Infektionen.
- Italien: 516 Fälle
- Griechenland: 284 Fälle
- Spanien: 88 Fälle
- Rumänien: 56 Fälle
Frankreich hat 13 betroffene Gebiete gemeldet; das Virus wurde auch in Nordmazedonien und mehreren anderen Ländern nachgewiesen. Seit Beginn der Übertragungssaison wurden in den 15 Ländern 144 betroffene Gebiete identifiziert, 20 neue allein in der ersten Septemberwoche.
Niederlande melden lokale Infektionen und Todesfall
Das niederländische Gesundheitsinstitut RIVM bestätigte, dass sich in diesem Jahr mindestens neun Menschen im Inland mit dem Virus angesteckt haben. Einer von ihnen, ein 75-jähriger Einwohner Utrechts mit Vorerkrankung, starb. Eine Frau aus Drenthe starb ebenfalls nach einer Infektion in Südosteuropa, zählt aber nicht zu den neun Inlandsfällen, da ihre Exposition im Ausland erfolgte. Im August 2026 wurde das Virus in den Niederlanden erstmals seit 2020 bei einer Studie des Blutspendedienstes Sanquin unter Blutspendern nachgewiesen. Das hat eine genauere Überwachung der Blutvorräte gemäß den EU-Sicherheitsvorschriften angestoßen.
Symptome und Risikogruppen
Gesundheitsbehörden – auch die Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation zur Mückenüberwachung – betonen, dass die meisten Infektionen mild oder unentdeckt bleiben. Nach Angaben von RIVM und WHO:
- 80 % der Infizierten entwickeln keine Symptome.
- Etwa 19 % haben eine leichte, grippeähnliche Erkrankung mit Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen.
- Rund 1 % entwickeln schwere neurologische Erkrankungen wie Enzephalitis oder Meningitis.
Ältere Erwachsene und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder Vorerkrankungen haben das höchste Risiko für schwere Verläufe. Das Virus ist in Europa zwischen Juli und September am aktivsten.
So schützen Sie sich vor dem West-Nil-Virus
Da es weder einen Impfstoff für Menschen noch eine spezifische antivirale Therapie gegen das West-Nil-Virus gibt, konzentriert sich die Prävention auf das Vermeiden von Mückenstichen.
- Tragen Sie langärmelige Kleidung und lange Hosen, besonders in der Dämmerung.
- Verwenden Sie Insektenschutzmittel mit DEET oder einem anderen zugelassenen Wirkstoff.
- Bringen Sie Fliegengitter an Fenstern an und nutzen Sie Moskitonetze.
- Entfernen Sie stehendes Wasser rund um das Haus, in dem Mücken brüten.
- Vermeiden Sie Aktivitäten im Freien während der Hauptmückenzeit.
Warum steigen die Fallzahlen in Europa?
Wärmere Temperaturen und längere Sommer erweitern das Verbreitungsgebiet und die Aktivität der Culex-Mücken auf dem Kontinent. Die europäische Mückensaison 2026 hat früher begonnen und sich in Regionen ausgebreitet, in denen WNV früher selten war. Das verstärkt die Forderungen von ECDC und WHO nach besserer Überwachung und öffentlicher Aufklärung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele West-Nil-Virus-Fälle gab es 2026 in Europa?
Laut ECDC wurden bis zum 4. September 2026 1.086 lokal erworbene Fälle in 15 europäischen Ländern gemeldet.
Welches Land hat die meisten West-Nil-Virus-Fälle?
Italien führt mit 516 bestätigten Fällen, gefolgt von Griechenland mit 284 und Spanien mit 88.
Kann das West-Nil-Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden?
Nein. Das Virus wird nur durch den Stich einer infizierten Mücke übertragen; der Mensch ist ein Fehlwirt.
Welche Symptome verursacht das West-Nil-Virus?
Etwa 80 % der Infizierten haben keine Symptome. Andere können Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen entwickeln; rund 1 % können schwer neurologisch erkranken.
Gibt es einen Impfstoff gegen das West-Nil-Virus?
Es gibt weder einen Impfstoff für Menschen noch eine antivirale Behandlung; daher ist der Schutz vor Mückenstichen entscheidend.
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