Amerikas 30-Milliarden-Dollar-Wette: Neue Allianz gegen Chinas Rohstoff-Dominanz

Die USA starteten FORGE, eine 54-Nationen-Allianz mit 30 Mrd. $, um Chinas 60-80% Dominanz bei kritischen Mineralien zu brechen. Kann dieser Plan gelingen, ohne neue Spannungen?

forge-allianz-mineralien-2026
Facebook X LinkedIn Bluesky WhatsApp
de flag en flag es flag fr flag nl flag pt flag

Am 4. Februar 2026 berief das US-Außenministerium Vertreter aus 54 Nationen und der Europäischen Kommission zur ersten Ministerkonferenz für kritische Mineralien in Washington, D.C. ein. Dabei wurde das Forum on Resource Geostrategic Engagement (FORGE) ins Leben gerufen, eine plurilaterale Koalition als Nachfolger der Minerals Security Partnership (MSP), unterstützt durch über 30 Milliarden Dollar US-Regierungsfinanzierung. Diese umfasst eine 10-Milliarden-Dollar-Reserve für strategische Mineralien unter Project Vault, finanziert von der Export-Import Bank. Die Initiative ist der bislang ambitionierteste westliche Versuch, Chinas Dominanz bei Lieferketten für kritische Mineralien zu brechen – Peking kontrolliert schätzungsweise 60–80 % der weltweiten Verarbeitung von Lithium, Kobalt, Seltenen Erden und anderen strategischen Materialien.

Was ist FORGE und warum jetzt?

FORGE ist als bevorzugte Handels- und Investitionszone für kritische Mineralien mit koordinierten Preisuntergrenzen konzipiert, um Marktmanipulationen entgegenzuwirken. Unter südkoreanischem Vorsitz bis Juni 2026 sollen 21 bilaterale Rahmenabkommen – darunter 11 neue auf der Ministerkonferenz – in ein funktionierendes plurilaterales System eingebunden werden, das zwei Drittel der Weltwirtschaft abdeckt. Die Minerals Security Partnership Forum diente als Vorläufer, aber FORGE führt verbindliche Mechanismen ein. Außenminister Marco Rubio erklärte: 'Der Markt für kritische Mineralien war geprägt von undurchsichtiger Preisgestaltung, räuberischen Staatsbetrieben und erzwungenem Lieferketten-Druck. FORGE wird diesen Herausforderungen mit mutigen, gemeinsamen Aktionen begegnen.'

Das 30-Milliarden-Dollar-Arsenal: Project Vault und mehr

Kernstück der US-Finanzierungszusagen ist Project Vault, eine 10-Milliarden-Dollar-öffentlich-private Partnerschaft zur Einrichtung der Strategic Critical Minerals Reserve. Ähnlich der Strategic Petroleum Reserve wird Project Vault wesentliche Rohstoffe – darunter Seltene Erden, Kobalt, Graphit, Lithium, Nickel und Titan – in mehreren US-Einrichtungen lagern. Die Initiative soll einen positiven Nettogewinn für Steuerzahler erzielen und gleichzeitig inländischen Herstellern stabilen Zugang bei Marktstörungen sichern. Neben Project Vault mobilisieren die USA über 30 Milliarden Dollar Gesamtfinanzierung durch EXIM Bank, die Development Finance Corporation und private Partner. Unternehmen wie GM, Boeing und Google haben sich als Teilnehmer verpflichtet.

Bilaterale Rahmen: Ein Netz von 21 Abkommen

Die 11 neuen bilateralen Rahmenabkommen, die auf der Ministerkonferenz unterzeichnet wurden, umfassen Abkommen mit Argentinien, Marokko, den Philippinen, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Großbritannien, den Cookinseln, Ecuador, Guinea, Paraguay, Peru und Usbekistan. Zusammen mit 10 früheren Abkommen ergibt sich eine beispiellose diplomatische Dynamik. Das U.S.-Argentina critical minerals framework ist besonders bedeutend: Argentinien besitzt eine der größten Lithiumreserven der Welt. Das Abkommen optimiert Genehmigungen, mobilisiert Zuschüsse und Darlehen und etabliert Benchmark-Preise. Marokko entwickelt sich zu einem wichtigen Knotenpunkt für phosphatbasierte Batteriematerialien und Kobaltverarbeitung.

Kann die Abkopplung gelingen ohne neue Konfliktherde?

Chinas Dominanz ist tief verwurzelt. Laut IEA Global Critical Minerals Outlook 2025 ist China der führende Verarbeiter für 19 von 20 strategischen Mineralien mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 70 %. Peking kontrolliert rund 90 % der Verarbeitung Seltener Erden, 80 % der Wolframraffination und 60 % der Antimonproduktion. Exportgenehmigungsraten für ausländische Firmen sind unter 25 % gefallen, während Neodym-Praseodym-Oxid-Preise außerhalb Chinas 2025 bis zu sechsfach anstiegen. China hat bereits Vergeltungsmaßnahmen ergriffen: 2025 schränkte es Exporte Seltener Erden, Germanium, Wolfram und Antimon in die USA und nach Japan ein. Analysten warnen vor einem engen Zeitfenster von 12–18 Monaten für entschlossenes westliches Handeln. Die critical minerals supply chain risks bleiben akut: Über 80 % der europäischen Firmen sind von chinesischen Lieferketten abhängig.

Auswirkungen auf Energiewende und Verteidigung

Kritische Mineralien sind essenziell für E-Auto-Batterien, Windturbinen, Solarpaneele, Halbleiter, KI-Hardware und moderne Verteidigungssysteme. Das US-Verteidigungsministerium hat 12 kritische Mineralien identifiziert, bei denen die USA vollständig von Importen abhängig sind, und 29 weitere mit über 50 % Importabhängigkeit. Vizepräsident Vance betonte: 'Wir können nicht zulassen, dass unsere Verteidigungsindustrie von einem strategischen Konkurrenten als Geisel genommen wird. FORGE und Project Vault stellen sicher, dass amerikanische Soldaten niemals die benötigten Materialien vermissen.' Die globale Lithiumnachfrage könnte bis 2040 um das 40-fache steigen.

Expertenperspektiven

Indiens Außenminister S. Jaishankar forderte 'strukturierte internationale Zusammenarbeit zur Risikominimierung bei Lieferketten für kritische Mineralien'. Der Atlantic Council betont, dass FORGEs Erfolg davon abhängt, bilaterale Hebel in echte plurilaterale Koordination zu übersetzen. Die Foundation for Defense of Democracies warnt, dass FORGE scheitern wird, wenn es kein durchsetzbares Handelsregime wird.

Häufig gestellte Fragen

Was ist FORGE?

FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) ist eine plurilaterale Koalition, die im Februar 2026 als Nachfolger der Minerals Security Partnership gegründet wurde. Sie schafft eine bevorzugte Handels- und Investitionszone für kritische Mineralien mit koordinierten Preisuntergrenzen, an der 54 Partnerstaaten teilnehmen.

Wie hoch ist die US-Finanzierung?

Die USA mobilisierten über 30 Milliarden Dollar, darunter 10 Milliarden für Project Vault (Strategic Critical Minerals Reserve) plus weitere Kredite und Investitionen über EXIM Bank und die Development Finance Corporation.

Welche Länder unterzeichneten bilaterale Rahmenabkommen?

Elf neue Abkommen wurden im Februar 2026 mit Argentinien, Marokko, Philippinen, VAE, Großbritannien, Cookinseln, Ecuador, Guinea, Paraguay, Peru und Usbekistan unterzeichnet – insgesamt 21 bilaterale Abkommen in fünf Monaten.

Wie dominant ist China bei der Verarbeitung?

China kontrolliert 60–80 % der weltweiten Verarbeitung von Lithium, Kobalt und Seltenen Erden und ist der führende Verarbeiter für 19 von 20 strategischen Mineralien mit einem durchschnittlichen Marktanteil von 70 %.

Kann der Westen Chinas Griff realistisch brechen?

Analysten geben ein Zeitfenster von 12–18 Monaten für entschlossenes Handeln, aber der Wiederaufbau unabhängiger Lieferketten könnte 20–30 Jahre dauern. Erfolg hängt von durchsetzbaren Handelsmechanismen, nachhaltigen Investitionen und koordinierter plurilateraler Aktion ab.

Fazit: Ein riskantes Spiel

Der Start von FORGE und Project Vault markiert den ernsthaftesten westlichen Vorstoß zur Neuordnung der Lieferketten für kritische Mineralien. Mit 30 Milliarden Dollar und 54 verbündeten Nationen hat die Initiative Größe und diplomatischen Schwung. Doch Chinas 30-jähriger Vorsprung, seine Kontrolle über die Verarbeitungsinfrastruktur und seine Bereitschaft, Exportkontrollen als Waffe einzusetzen, bedeuten, dass der Erfolg keineswegs garantiert ist. Die nächsten 18 Monate werden entscheiden, ob FORGE eine echte Alternative zur chinesischen Dominanz wird – oder eine weitere gut finanzierte Initiative, die hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Quellen

Verwandt