Am 4. Februar 2026 veranstalteten die USA das erste Critical Minerals Ministerial in Washington, D.C., mit Vertretern aus 54 Nationen und der Europäischen Kommission, um eine Offensive gegen Chinas Vormachtstellung in der globalen Lieferkette für kritische Mineralien zu starten. Unter der Leitung von Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance wurde FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) ins Leben gerufen, eine plurilaterale Koalition zur Schaffung einer präferenziellen Handels- und Investitionszone für kritische Mineralien. Zudem wurden 11 neue bilaterale Rahmenabkommen unterzeichnet und über 30 Milliarden Dollar für Projekte zugesagt, darunter Project Vault, eine strategische Reserve in Höhe von 10 Milliarden Dollar. Das Ereignis ist die bislang aggressivste Reaktion Washingtons auf eine Verwundbarkeit, die der Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums als die größte globale Bedrohung identifizierte: geopolitische Konfrontation.
Der strategische Kontext: Warum kritische Mineralien jetzt wichtig sind
Kritische Mineralien – darunter Seltene Erden, Lithium, Kobalt, Graphit und Wolfram – sind die Bausteine moderner Technologie. China kontrolliert rund 90 % der weltweiten Verarbeitungskapazität für Seltene Erden, 80 % der Wolframverarbeitung und 60 % der Antimonverarbeitung. Diese Dominanz erstreckt sich auf die wertschöpfungsintensiven Stufen des Schmelzens, Trennens und Raffinierens. Die geopolitische Konfrontation mit China hat sich verschärft: Exportkontrollen 2025–2026 führten zu Preissteigerungen um das Sechsfache für bestimmte Materialien außerhalb Chinas. Über 80 % der europäischen Unternehmen bleiben von chinesischen Lieferketten abhängig.
FORGE: Eine neue Architektur für mineralische Sicherheit
FORGE löst die Minerals Security Partnership (MSP) ab und zielt darauf ab, ein funktionierendes plurilaterales System zu schaffen, das etwa zwei Drittel der Weltwirtschaft abdeckt. Die Republik Korea wird den Vorsitz bis Juni 2026 führen.
Wie FORGE funktioniert
FORGE ist als präferenzielle Handels- und Investitionszone mit koordinierten Referenzpreisen und anpassbaren Zöllen konzipiert, um Marktmanipulationen entgegenzuwirken. Das Ministerium erzielte 11 neue bilaterale Rahmenabkommen mit Ländern wie Argentinien, Marokko, Peru, Philippinen, Vereinigten Arabischen Emiraten und Großbritannien, wodurch sich die Gesamtzahl auf 21 in fünf Monaten beläuft. Die Pax-Silica-Initiative, gestartet im Dezember 2025, ergänzt FORGE durch Fokussierung auf Halbleiter- und KI-Lieferketten.
Project Vault: Eine strategische Reserve für 10 Milliarden Dollar
Project Vault ist eine öffentlich-private Partnerschaft im Wert von 12 Milliarden Dollar (davon 10 Milliarden von der Export-Import-Bank) zur Einrichtung einer US-amerikanischen strategischen Reserve für kritische Mineralien. Partner sind unter anderem GE Vernova, Mercuria Energy Americas und Boeing. Die Reserve schließt eine kritische Lücke, da die USA derzeit über keine nennenswerten Bestände verarbeiteter kritischer Mineralien verfügen. Analysten warnen jedoch, dass Vorratshaltung allein das strukturelle Problem unzureichender heimischer Verarbeitungskapazitäten nicht löst.
Die 30-Milliarden-Mobilisierung: Umfang und Grenzen
Die US-Regierung hat in den sechs Monaten vor dem Ministerium über 30 Milliarden Dollar an Krediten und Investitionen für Projekte mobilisiert. Dennoch bleibt die Herausforderung gewaltig: Der Wiederaufbau unabhängiger westlicher Verarbeitungskapazitäten würde schätzungsweise 20–30 Jahre dauern. Hinzu kommt, dass die Öffnung einer neuen Mine in den USA durchschnittlich 29 Jahre dauert – die zweitlängste Genehmigungszeit weltweit.
Kann FORGE China realistisch herausfordern?
Argumente für Optimismus
Befürworter verweisen auf das beispiellose Tempo der diplomatischen Koordination. FORGEs plurilaterale Struktur mit koordinierten Preisuntergrenzen könnte einen parallelen Markt schaffen. Die 21 bilateralen Abkommen in fünf Monaten zeigen Dynamik. Project Vault bietet einen Puffer gegen Versorgungsunterbrechungen.
Argumente für Skepsis
Kritiker merken an, dass FORGEs operative Details unklar bleiben, etwa die Festlegung von Referenzpreisen und Durchsetzungsmechanismen. Chinas 90-prozentige Verarbeitungsdominanz bedeutet, dass die meisten Partnerländer noch Jahre von chinesischen Raffinerien abhängig sein werden. Die 29-jährige Genehmigungsdauer für Minen in den USA wurde nicht reformiert.
Expertenmeinungen
"FORGE repräsentiert einen echten Wandel vom bilateralen Deal zum systemischen Architekturdenken", sagte ein Senior Fellow des Atlantic Council. "Aber Architektur ohne Durchsetzung ist nur eine Zeichnung."
FAQ: Kritische Mineralien und das Ministerium 2026
Was ist FORGE?
FORGE ist eine plurilaterale Koalition, die im Februar 2026 als Nachfolger der MSP gestartet wurde, um eine präferenzielle Handelszone für kritische Mineralien zu schaffen.
Was ist Project Vault?
Eine 12-Milliarden-Dollar-Partnerschaft zur Einrichtung einer US-amerikanischen strategischen Reserve für kritische Mineralien.
Wie hoch ist Chinas Kontrolle über die Verarbeitung?
China kontrolliert rund 90 % der Verarbeitung Seltener Erden, 80 % von Wolfram und 60 % von Antimon, mit einer erwarteten Dominanz von über 80 % bis 2030.
Welche Länder haben Abkommen unterzeichnet?
Elf neue Rahmenabkommen wurden unterzeichnet, darunter mit Argentinien, Marokko, Peru, Philippinen, VAE und Großbritannien, insgesamt 21 in fünf Monaten.
Kann FORGE Chinas Dominanz realistisch herausfordern?
Analysten sind geteilter Meinung. FORGEs Architektur und die 30 Milliarden Dollar sind beispiellos, aber die strukturellen Hürden (20–30 Jahre für Alternativen, 29 Jahre für Minen) lassen Zweifel aufkommen.
Fazit: Eine neue Ära strategischer Interdependenz?
Das Ministerium 2026 markiert einen Wendepunkt. FORGE, Project Vault und die 30-Milliarden-Mobilisierung sind die ambitionierteste westliche Antwort auf Chinas Dominanz. Doch die strukturellen Realitäten deuten darauf hin, dass die Welt in eine Ära gemanagter strategischer Interdependenz eintritt. Die Zukunft der Lieferketten für kritische Mineralien wird von einem komplexen Netz konkurrierender Allianzen geprägt sein. Die nächsten 12–18 Monate werden zeigen, ob FORGE eine echte Alternative wird.
Quellen
- U.S. Außenministerium: Critical Minerals Ministerial 2026
- Atlantic Council: US-Politik wird mit FORGE kollaborativ
- EXIM Bank: Project Vault und die strategische Reserve
- Rare Earth Exchanges: Chinas Exportkontrollen 2026
- Weltwirtschaftsforum: Global Risks Report 2026
- Institute for Energy Research: China bleibt dominant bis 2030
Follow Discussion