Kritische Mineralien: FORGE und 30 Mrd. $ formen Macht

USA starteten FORGE und 30 Mrd. $ gegen Chinas Seltene-Erden-Dominanz. Schaffen westliche Lieferketten den Sprung vor 2030? Die Energiewende hängt davon ab.

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Die 2026 Critical Minerals Ministerial: Ein Wendepunkt

Am 4. Februar 2026 beriefen US-Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance Vertreter aus 54 Nationen und der Europäischen Kommission nach Washington D.C. zur ersten Critical Minerals Ministerial ein. Dabei wurde das Forum for Resource Geostrategic Engagement (FORGE) als Nachfolger der Minerals Security Partnership (MSP) ins Leben gerufen, 11 neue bilaterale Rahmenabkommen für kritische Mineralien unterzeichnet und über 30 Milliarden Dollar an Finanzierungen mobilisiert. Diese Schritte stellen den ambitioniertesten westlichen Versuch dar, Chinas beherrschende Stellung bei der Verarbeitung von Seltenen Erden und Batteriemineralien zu brechen – eine Abhängigkeit, die der Global Risks Report 2026 des Weltwirtschaftsforums als das größte geopolitische Risiko der Welt einstuft.

Was ist FORGE und warum ist es wichtig?

FORGE – das Forum for Resource Geostrategic Engagement – ist eine plurilaterale Koalition, die eine präferenzielle Handels- und Investitionszone für kritische Mineralien schaffen soll. Anders als die MSP, die auf projektbezogene Zusammenarbeit unter 14 Mitgliedsländern setzte, basiert FORGE auf einem 'Membership by Trade'-Modell, das die Teilnahme an gemeinsame Handelsregeln knüpft. Den Vorsitz führt die Republik Korea. Vizepräsident Vance beschrieb einen Mechanismus mit 'Referenzpreisen', die durch anpassbare Zölle aufrechterhalten werden – ein koordinierter Preisboden, um Chinas Marktmanipulation entgegenzuwirken. Die Entwicklung der Minerals Security Partnership von einem kleinen Club zu einem breiten Handelsrahmen spiegelt einen strategischen Wandel wider: Die USA streben nun ein paralleles Ökosystem alliierter Lieferketten an.

Die 30-Milliarden-Mobilisierung: Project Vault und mehr

Kernstück des Finanzierungspakets ist Project Vault, eine 12 Milliarden Dollar schwere öffentlich-private Partnerschaft (10 Mrd. $ EXIM-Finanzierung plus fast 2 Mrd. $ Privatkapital) zur Einrichtung der US Strategic Critical Minerals Reserve. Diese Reserve lagert wichtige Rohstoffe – darunter Lithium, Kobalt, Seltene Erden und Graphit – in sicheren Einrichtungen und schützt US-Hersteller vor Versorgungsschocks. Boeing, GE Vernova und Clarios haben sich bereits als Partner verpflichtet. Die US-Strategie für kritische Mineralien umfasst nun Bergbau, Verarbeitung, Bevorratung und Recycling.

Können westliche Lieferketten vor 2030 skalieren?

Die zentrale Frage bleibt: Können diese Bemühungen die Abhängigkeit von China realistisch bis Ende des Jahrzehnts reduzieren? Die Zahlen sind ernüchternd. China kontrolliert etwa 90 % der Verarbeitungskapazität für Seltene Erden, 80 % der Wolframraffination und 60 % der Antimonproduktion. 2025 verhängte Peking Exportkontrollen für Samarium und Dysprosium, was Preissteigerungen um bis zu das Sechsfache und Genehmigungsraten unter 25 % für europäische Firmen auslöste. Eine Analyse von Anfang 2026 zeigt, dass der Aufbau unabhängiger westlicher Lieferketten unter aktuellen Bedingungen 20–30 Jahre dauern würde. Der IEA Global Critical Minerals Outlook 2025 warnt, dass selbst mit Rekordinvestitionen ein strukturelles Defizit bei Lithium und Kobalt bis 2030 droht.

Das Preisparadox

Ein kritisches Paradox erschwert die Lage: Kurzfristige Preisstürze bremsen neue Bergbauinvestitionen, während langfristige Nachfrageprognosen auf massive Versorgungslücken hinweisen. Lithiumpreise fielen bis 2025 um über 60 % von ihren Höchstständen, Kobalt um über 40 %. Diese Volatilität erschwert es neuen Projekten, Finanzierungen zu sichern. Die Auswirkungen der Preisvolatilität bei kritischen Mineralien auf Investitionsentscheidungen bereitet politischen Entscheidungsträgern wachsende Sorgen. FORGEs Preisboden soll hier Abhilfe schaffen, doch Kritiker befürchten Marktverzerrungen.

Neue Akteure: Saudi-Arabien und die VAE

Eine bedeutende Entwicklung ist das Aufkommen der Golfstaaten. Saudi-Arabiens Staatsbergbaukonzern Maaden kündigte im Januar 2026 einen 110-Milliarden-Dollar-Investitionsplan an und gründete ein Joint Venture mit MP Materials und dem US-Verteidigungsministerium zum Bau einer Seltene-Erden-Raffinerie in Saudi-Arabien. Die VAE unterzeichneten ein bilaterales Rahmenabkommen. Die Saudi-Arabiens Strategie für kritische Mineralien könnte eine alternative Verarbeitungsroute bieten.

Expertenmeinungen

'FORGE ist der ernsthafteste Versuch, eine regelbasierte Alternative zu Chinas Staatsmonopol zu schaffen', sagte ein Senior Fellow des Atlantic Council. 'Aber die Zeit läuft gegen uns. China plant seit 40 Jahren.' Skeptiker wie ein JPMorgan-Analyst warnen: 'Die Energiewende wird nicht einfach Ölabhängigkeit gegen Mineralabhängigkeit eintauschen, sondern eine komplexere multipolare Abhängigkeit schaffen.'

FAQ: Kritische Mineralien und FORGE

Was ist FORGE?

FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) ist eine plurilaterale Koalition, die im Februar 2026 als Nachfolger der Minerals Security Partnership gegründet wurde. Sie schafft eine präferenzielle Handels- und Investitionszone mit koordinierten Preisböden.

Wie viel Geld stellt die USA bereit?

Über 30 Milliarden Dollar an Finanzierungen, darunter 10 Milliarden für Project Vault.

Kann der Westen die Abhängigkeit von China bis 2030 reduzieren?

Experten verneinen dies mehrheitlich. China kontrolliert 90 % der Verarbeitung, und alternative Lieferketten brauchen 20–30 Jahre. FORGE könnte den Prozess beschleunigen.

Welche Rolle spielen die Golfstaaten?

Saudi-Arabien und die VAE investieren massiv in den Sektor und bieten alternative Verarbeitungswege.

Warum fallen die Mineralpreise trotz hoher Nachfrage?

Kurzfristiges Überangebot und Nachfragerückgang in China haben die Preise einbrechen lassen, was neue Investitionen hemmt.

Fazit: Ein Wettlauf gegen die Zeit

Der Start von FORGE und die Mobilisierung von 30 Milliarden Dollar markieren einen Wendepunkt. Erstmals haben die USA und ihre Verbündeten einen koordinierten Rahmen. Doch die strukturellen Herausforderungen sind immens: Chinas jahrzehntelanger Vorsprung, lange Vorlaufzeiten für Minen und das Preisparadox. Der Global Risks Report 2026 stuft geopolitische Konfrontation als größtes Risiko ein. Ob FORGE vor 2030 liefern kann, wird über die Zukunft der Energiewende und die globale Machtbalance entscheiden.

Quellen

  • U.S. Department of State, '2026 Critical Minerals Ministerial,' 4. Februar 2026
  • Atlantic Council, 'U.S. Critical Minerals Policy Goes Collaborative with FORGE,' Februar 2026
  • World Economic Forum, Global Risks Report 2026
  • IEA, Global Critical Minerals Outlook 2025
  • EXIM Bank, 'Project Vault Announcement,' Februar 2026
  • Rare Earth Exchanges, 'China's 2026 Export Controls Redraw the Global Supply Chain Map,' 2026
  • Fortune, 'China's Rare Earth Processing Dominance,' März 2026
  • Bipartisan Policy Center, 'Project Vault and FORGE,' Februar 2026

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