Der Wettlauf um kritische Mineralien – Lithium, Kobalt, Seltene Erden und Kupfer – hat sich 2026 zum bestimmenden geopolitischen Machtkampf entwickelt. Die USA, China und die EU setzen aggressive Industrie- und Diplomatiestrategien ein, und die globalen Lieferketten der Energiewende fragmentieren in rivalisierende Blöcke. Berichte von ODI, S&P Global und UNCTAD bestätigen, dass Lieferketten für kritische Mineralien zum Hauptschauplatz des strategischen Wettbewerbs geworden sind.
Die strategische Bedeutung kritischer Mineralien 2026
Kritische Mineralien sind die Bausteine moderner Technologie – von E-Auto-Batterien bis zu Verteidigungssystemen. Die Nachfrage nach Lithium, Kobalt und Seltenen Erden hat sich seit 2020 fast verdreifacht und wird sich bis 2050 vervierfachen. Die Lieferketten der Energiewende sind untrennbar mit Sicherheitsfragen verbunden. China dominiert die Verarbeitung: über 60% des raffinierten Lithiums und fast 80% der batteriegeeigneten Seltenen Erden. Die USA und die EU bauen alternative Netzwerke auf.
Chinas 15. Fünfjahresplan: Dominanz zementieren
Der 15. Fünfjahresplan (2026–2030) stellt Energie- und Ressourcensicherheit ins Zentrum. Premier Li Qiangs Arbeitsbericht betont die Erhöhung der Versorgungssicherheit. Ziel ist es, bis 2035 über 60% des Lithiums und 80% der Seltenen Erden zu liefern. China setzt auf Aufwertung traditioneller Industrien und hochwertige Verarbeitung. Die Exportkontrollen für Seltene Erden Chinas bleiben ein mächtiges geopolitischen Instrument.
Die US-Strategie: Bilaterale Abkommen und strategische Reserve
Unter der zweiten Trump-Regierung verfolgen die USA eine aggressive bilaterale Strategie. Beim Critical Minerals Ministerial 2026 unter Außenminister Rubio und Vizepräsident Vance kamen 54 Länder zusammen. Ergebnis: 11 neue bilaterale Rahmenabkommen mit Ländern wie Argentinien, Marokko und den Philippinen. Die USA starteten FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) als Nachfolger der Minerals Security Partnership und mobilisierten über 30 Mrd. US-Dollar für strategische Mineralienprojekte. Project Vault, eine 10-Mrd.-Initiative der Export-Import Bank, schafft eine strategische Reserve. Mit Australien und Japan wurden 1,4 Mrd. bzw. 2,2 Mrd. Dollar bereitgestellt.
US-Ukraine-Abkommen
Im April 2025 unterzeichneten die USA und die Ukraine ein Abkommen zur Gründung eines Wiederaufbaufonds. Das Dobra-Lithiumprojekt zeigt, wie die Investitionen in ukrainische kritische Mineralien zu einer strategischen Front werden.
EU-Gesetz über kritische Rohstoffe: 60 strategische Projekte
Die EU versucht aufzuholen. Das Gesetz über kritische Rohstoffe (CRMA) trat 2024 in Kraft. In der ersten Ausschreibung wählte die Kommission 60 Projekte aus fast 170 Vorschlägen aus – 47 innerhalb der EU, 13 in Drittländern. Die zweite Ausschreibung 2026 erhielt über 160 Anträge, davon 75 zur Batteriewertschöpfungskette. Die EU bleibt jedoch stark importabhängig: 100% der schweren Seltenen Erden kommen aus China. Die EU-Strategie für kritische Rohstoffe steht vor einem schwierigen Kampf gegen Chinas Verarbeitungsinfrastruktur.
Fragmentierung globaler Lieferketten
Die konkurrierenden Strategien fragmentieren die Lieferketten. UNCTAD prognostiziert ein Wachstum des Welthandels von nur 1,5–2,5% (2025: 4,7%), auch wegen der Spannungen. Entwicklungsländer sind besonders verwundbar. Der „Grüne Paradoxon“ entsteht: steigende Umweltkosten durch Abbau. Der UN-Panel für kritische Energieübergangsmineralien veröffentlichte einen Leitfaden für einen gerechten Übergang.
Expertenperspektiven
Der Wettlauf um kritische Mineralien formt Industriepolitik und Ressourcendiplomatie neu, wobei der Globale Süden eine Schlüsselrolle spielt, schreiben Hany Besada und Nancy Abdelhadi. Die wahre Macht liegt in der mittleren Verarbeitungsstufe, wo China strukturelle Vorteile hat. Die Verhandlungsmacht des Globalen Südens bleibt durch Infrastruktur- und Finanzierungslücken begrenzt.
Häufig gestellte Fragen
Was sind kritische Mineralien?
Nichtbrennstoff-Materialien, die für Energie, Verteidigung und Technologie essentiell sind und deren Versorgung aufgrund geopolitische Faktoren riskant ist – z.B. Lithium, Kobalt, Seltene Erden.
Warum ist China dominant?
China investierte früh in Verarbeitungsinfrastruktur und kontrolliert über 60% der Lithiumraffination und fast 80% der Seltene-Erden-Verarbeitung. Der 15. Fünfjahresplan sichert diese Stellung bis 2035.
Was tut die USA zur Reduzierung der Abhängigkeit von China?
Die USA schließen bilaterale Abkommen, starteten FORGE und eine 10-Mrd.-Reserve. Über 30 Mrd. an Finanzierung wurden mobilisiert.
Wie reagiert die EU?
Das CRMA wählte 60 strategische Projekte aus. Eine zweite Ausschreibung läuft. Die EU bleibt jedoch stark importabhängig.
Welche Risiken gibt es für Entwicklungsländer?
Chancen, aber auch Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und Abhängigkeit. Die UN fordert faire Governance.
Fazit: Eine neue geopolitische Landschaft
Der Wettlauf um kritische Mineralien zieht 2026 neue Machtlinien. China dominiert die Verarbeitung, die USA bauen eine allianzbasierte Alternative auf, die EU kämpft. Parallele Lieferketten entstehen. Die Entscheidungen über Lithium, Kobalt und Seltene Erden prägen das 21. Jahrhundert.
Quellen
- US-Außenministerium: Critical Minerals Ministerial 2026
- Australische Regierung: US-Australien Zusammenarbeit
- UNCTAD Trade and Development Foresights 2026
- Chinas 15. Fünfjahresplan: Sektor kritische Mineralien
- LSE Business Review: Der neue Wettlauf
- EU: Zweite Ausschreibung für strategische CRM-Projekte
Follow Discussion