Einleitung: Eine neue Ära für die Sicherheit kritischer Mineralien
Im Februar 2026 versammelte das US-Außenministerium Vertreter aus 54 Nationen und der Europäischen Kommission zum ersten Critical Minerals Ministerial in Washington, D.C. Kernstück war der Start des Forum on Resource Geostrategic Engagement (FORGE), einer plurilateralen Koalition, die die Minerals Security Partnership mit schärferen Zähnen ersetzen soll. FORGE mobilisiert über 30 Milliarden Dollar an staatlich gestützten Finanzierungen – darunter 10 Milliarden Dollar durch Project Vault –, um Lieferketten für Lithium, Kobalt, Seltene Erden und andere Mineralien zu sichern, die für KI, Verteidigung und Batterieproduktion unverzichtbar sind.
Hintergrund: Die strategische Notwendigkeit
Kritische Mineralien sind die Bausteine moderner Technologie, doch ihre Lieferketten bleiben gefährlich konzentriert. China kontrolliert rund 90% der weltweiten Verarbeitung Seltener Erden, 60% der Lithiumverarbeitung und über 70% der Kobaltverarbeitung. Die Minerals Security Partnership legte 2022 den Grundstein, hatte aber keine Durchsetzungsmechanismen. FORGE schafft eine bevorzugte Handels- und Investitionszone mit koordinierten Mindestpreisen und anpassbaren Zöllen nach Abschnitt 232 des Trade Expansion Act.
Struktur und Mechanismen von FORGE
Governance und Mitgliedschaft
Südkorea hat den Vorsitz bis Juni 2026. 54 Nationen, darunter alle G7-Staaten, rohstoffreiche Länder wie Argentinien, Marokko, die Philippinen und die VAE, sowie große Verbraucher wie Japan und die EU sind Mitglieder. Nichtmitglieder haben höhere Barrieren.
Finanzierung: Project Vault und mehr
Die US-Regierung mobilisierte über 30 Milliarden Dollar, darunter 10 Milliarden Dollar durch Project Vault für eine strategische Reserve. Die US-Strategie für kritische Mineralien behandelt diese Ressourcen jetzt als nationale Sicherheitsgüter.
Handelsmechanismen: Mindestpreise und Abschnitt 232
Am 14. Januar 2026 erließ Präsident Trump eine Proklamation nach Abschnitt 232, die Importe verarbeiteter kritischer Mineralien regelt. Die USA suchen Referenzpreise, Mindestimportpreise und Quoten, um faire Bedingungen zu schaffen und Chinas Marktflutung entgegenzuwirken.
Chinas Dominanz und die Herausforderung des De-Risking
China wird bis 2030 über 80% der Verarbeitung von synthetischem Graphit und Seltener Erden behalten und hat 2025 Exporte von Seltenen Erden, Germanium und Gallium eingeschränkt. China gab schätzungsweise 120 Milliarden Dollar für den Erwerb von Bergbauanlagen im Ausland aus. Die Chinas Dominanz bei kritischen Mineralien bleibt eine strukturelle Herausforderung.
Das parallele Rennen der EU
Die EU verfolgt ihre eigene Strategie mit dem Critical Raw Materials Act (CRMA), der ehrgeizige Ziele für 2030 setzt: 10% inländische Gewinnung, 40% inländische Verarbeitung, 25% Recycling und eine Obergrenze von 65% für die Abhängigkeit von einem einzigen Land. Allerdings sind Genehmigungen für neue Minen langwierig und die Finanzierung fragmentiert. Die EU-Ziele des Critical Raw Materials Act sind noch in Arbeit.
Neue Akteure: Saudi-Arabiens Ambitionen
Saudi-Arabien positioniert sich unter Vision 2030 als Drehkreuz für kritische Mineralien, mit Reserven im Wert von 2,5 Billionen Dollar. Maaden will 110 Milliarden Dollar investieren, und das Königreich baute mit MP Materials und dem Pentagon eine Raffinerie für Seltene Erden auf. Saudi-Arabien könnte eine wichtige Rolle bei der Diversifizierung der Lieferketten für kritische Mineralien spielen.
Auswirkungen und Implikationen
Der Start von FORGE und die Mobilisierung von 30 Milliarden Dollar markieren einen Wendepunkt. 11 neue bilaterale Rahmenabkommen wurden unterzeichnet, insgesamt 21 Deals in fünf Monaten. Doch Analysten warnen, dass China bis 2035 über 60% des raffinierten Lithiums und Kobalts liefern wird – das Zeitfenster für De-Risking schrumpft.
Expertenmeinungen
Ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums sagte, FORGE stelle einen Wandel von 'America First' zu breiterer internationaler Koordination dar. Der Atlantic Council beschrieb FORGE als Mechanismus, um bilaterale Deals zu einem funktionierenden plurilateralen System zu verbinden. Kritiker warnen vor Vergeltung Chinas und höheren Kosten für nachgelagerte Industrien.
FAQ
Was ist FORGE?
FORGE ist eine plurilaterale Koalition, die die Minerals Security Partnership ablöst und eine bevorzugte Handelszone mit Mindestpreisen und Zöllen schafft.
Wie viel Geld wurde mobilisiert?
Über 30 Milliarden Dollar, darunter 10 Milliarden Dollar durch Project Vault für eine strategische Reserve.
Welche Länder nehmen teil?
54 Länder und die EU-Kommission. Südkorea hat den Vorsitz.
Wie wirkt sich Chinas Dominanz aus?
China kontrolliert über 60% der Verarbeitungskapazitäten und nutzt Exportbeschränkungen als Druckmittel.
Was sind die EU-Ziele?
10% inländische Gewinnung, 40% Verarbeitung, 25% Recycling bis 2030, mit einer Obergrenze von 65% pro Land.
Fazit: Der Weg nach vorn
Das Treffen im Februar 2026 und der Start von FORGE sind ein Wendepunkt. Mit 30 Milliarden Dollar und 54 Nationen entsteht eine neue Architektur, doch Chinas Vorsprung und lange Vorlaufzeiten bedeuten, dass konkrete Ergebnisse Jahre dauern werden. Die strategische Frage für 2026 ist, ob die De-Risking-Bemühungen vor der nächsten Krise kritische Masse erreichen.
Quellen
- US-Außenministerium – Critical Minerals Ministerial 2026
- Atlantic Council – US-Politik für kritische Mineralien wird mit FORGE kooperativ
- Europäische Kommission – Critical Raw Materials Act
- EXIM – Project Vault Fact Sheet
- ODI – Geopolitik kritischer Mineralien 2026
- CNN – Saudi-Arabiens Mineralreserven im Wert von 2,5 Billionen Dollar
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