Der globale Wettlauf um kritische Mineralien – Lithium, Seltene Erden, Kobalt und Graphit – ist 2026 in eine entscheidende Phase getreten. Mit der US-geführten FORGE-Initiative, Chinas 15. Fünfjahresplan und neuen staatlichen Akteuren wie Saudi-Arabien und den VAE verändert die Geopolitik der kritischen Mineralien Allianzen, Handelsströme und die Energiewendestrategie.
Was treibt den Wettlauf um kritische Mineralien 2026 an?
Kritische Mineralien sind Grundlage moderner Technologien – von E-Auto-Batterien bis zu Verteidigungssystemen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt, dass Konzentrationsrisiken Realität geworden sind: China kontrolliert rund 60 % der globalen Lithiumverarbeitung, über 70 % der Kobaltveredelung und 90 % der Seltenerdveredelung. Die Geopolitik kritischer Mineralien ist von einer Nischenpolitik zu einer zentralen Säule nationaler Sicherheit geworden. Im Februar 2026 veranstaltete das US-Außenministerium das erste Ministertreffen zu kritischen Mineralien mit 54 Ländern. Dabei wurde FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) als Nachfolger der Minerals Security Partnership ins Leben gerufen – eine plurilaterale Koalition mit koordinierten Preisuntergrenzen.
FORGE: Amerikas 30-Milliarden-Dollar-Antwort auf Chinas Dominanz
FORGE wird von Südkorea geleitet und basiert auf einem „Mitgliedschaft durch Handel“-Modell. Die US-Regierung hat über 30 Milliarden Dollar für Projekte der Lieferkette für kritische Mineralien mobilisiert, darunter Project Vault – eine öffentlich-private Partnerschaft mit 10 Milliarden Dollar von der Export-Import-Bank und fast 2 Milliarden Dollar privatem Kapital. Project Vault schafft eine physische strategische Reserve für zivile Nutzung. Bisher hat die USA 21 bilaterale Rahmenabkommen mit Ländern wie Argentinien, Marokko, Peru, Philippinen, VAE und Großbritannien unterzeichnet. Die US-Strategie für kritische Mineralien zielt darauf ab, diese Abkommen zu einem funktionierenden plurilateralen System zu verbinden.
Chinas 15. Fünfjahresplan: Verarbeitungsdominanz verstärken
Chinas 15. Fünfjahresplan (2026–2030) betont die globale Führung bei Seltenen Erden und stärkt Exportkontrollen. China kontrolliert 60–70 % der weltweiten Produktion Seltener Erden und über 90 % der Veredelungskapazität für Magnet-Seltene Erden. Seit 2023 hat China über 120 Milliarden Dollar in Bergbau und Verarbeitung im Ausland investiert, so ein Bericht von Climate Energy Finance. Im April 2025 verhängte China Exportkontrollen auf sieben schwere Seltene Erden, was zu Versorgungsengpässen bei globalen Autoherstellern führte. Die IEA warnt, dass diese Maßnahmen die Lieferketten für Energie, Automobil, Verteidigung und KI gefährden.
Neue Akteure: Saudi-Arabien und VAE steigen ein
Saudi-Arabien behauptet, Mineralienreserven im Wert von 2,5 Billionen Dollar zu haben, darunter kritische und Seltene Erden. Das staatliche Bergbauunternehmen Maaden plant Investitionen von 110 Milliarden Dollar im nächsten Jahrzehnt. Der saudische PIF spinnt seine Bergbaufirma Manara aus, die sich von Minderheitsbeteiligungen hin zu strukturierten Deals mit Joint Ventures und Liefervereinbarungen entwickelt. Die VAE unterzeichneten im Februar 2026 ein Rahmenabkommen mit den USA. Die Strategie des Nahen Ostens für kritische Mineralien steht vor Herausforderungen wie technischen Wissenslücken und Umweltbedenken.
Auswirkungen auf globalen Handel und Energiewende
FORGEs koordinierte Preisuntergrenzen sollen Investitionen in neue Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas stabilisieren. China kontrolliert etwa 90 % der globalen Seltenerdveredelung, 60 % der Lithiumverarbeitung und über 70 % der Kobaltveredelung. Die IEA prognostiziert, dass die Nachfrage nach Lithium bis 2040 um das 40-fache steigen könnte. Die Nachfrage nach Mineralien für die Energiewende treibt beispiellose Investitionen an, aber Engpässe bleiben ein Risiko.
Expertenmeinungen
„FORGE bedeutet einen grundlegenden Wandel – von bilateralen Deals zu einem plurilateralen System mit durchsetzbaren Regeln“, so ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums. Analysten des CSIS warnen jedoch: „Ein funktionierendes System aus 21 bilateralen Abkommen zu schaffen, ist eine monumentale Aufgabe.“ Chinesische Staatsmedien bezeichnen FORGE als Versuch, Chinas legitime Entwicklung einzudämmen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist FORGE?
FORGE ist eine plurilaterale Koalition, die im Februar 2026 von den USA als Nachfolger der Minerals Security Partnership gestartet wurde. Sie schafft eine Präferenzhandels- und Investitionszone für kritische Mineralien mit koordinierten Preisuntergrenzen.
Wie wirkt sich Chinas 15. Fünfjahresplan auf Lieferketten aus?
Der Plan verstärkt Chinas Dominanz bei der Verarbeitung durch Exportkontrollen und Ausbau des heimischen Bergbaus. China kontrolliert über 60 % der Lithiumverarbeitung und 90 % der Seltenerdveredelung.
Was ist Project Vault?
Eine 12-Milliarden-Dollar öffentlich-private Partnerschaft zur Schaffung einer US-Strategischen Reserve für kritische Mineralien, um Hersteller vor Versorgungsschocks zu schützen.
Warum steigen Saudi-Arabien und die VAE ein?
Zur Diversifizierung weg vom Öl. Saudi-Arabien hat die Explorationsausgaben um 595 % erhöht, Maaden plant 110 Milliarden Dollar Investitionen.
Was sind die Hauptrisiken für Lieferketten 2026?
Chinas Exportkontrollen, lange Vorlaufzeiten für Bergbauprojekte (bis zu 29 Jahre in den USA), Preisvolatilität, ESG-Herausforderungen und technische Hürden für Neueinsteiger.
Fazit: Ein entscheidender Moment für die Mineralsicherheit
Das Ministertreffen im Februar 2026, FORGE und Chinas Fünfjahresplan markieren einen Wendepunkt. Der Erfolg der USA hängt davon ab, bilaterale Abkommen in ein funktionierendes System zu übersetzen und Verarbeitungskapazitäten außerhalb Chinas aufzubauen. Chinas Herausforderung ist es, seine Dominanz zu halten, während Saudi-Arabien die Chance hat, ein Verarbeitungszentrum zu werden. Die Sicherheit der Lieferketten für kritische Mineralien bleibt im Zentrum der geopolitischen Konkurrenz. Die Entscheidungen von 2026 werden bestimmen, ob die Energiewende reibungslos verläuft.
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