Newsom begnadigt 548 Todesurteile: Der Überblick

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat 548 Todesurteile in lebenslange Haft umgewandelt – die größte Massenbegnadigung der US-Geschichte. Was das bedeutet.

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Ausgabe: DE

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom hat am Donnerstag die Todesurteile aller 548 Insassen im Todestrakt des Bundesstaates in lebenslange Haft ohne Möglichkeit der Bewährung umgewandelt. Der historische Schritt ist die größte Massenbegnadigung der modernen US-Geschichte. Der Demokrat verlässt im Januar 2027 nach zwei Amtszeiten sein Amt und prüft eine Präsidentschaftskandidatur 2028.

Hintergrund: Kaliforniens langes Moratorium

Seit 2006 wurde in Kalifornien niemand mehr hingerichtet – damals war der Republikaner Arnold Schwarzenegger Gouverneur. 2019 verhängte Newsom ein Vollstreckungsmoratorium und ließ später die Hinrichtungskammer von San Quentin demontieren. Seit der Wiedereinführung der Todesstrafe durch die Wähler 1978 wurden nur 13 Menschen hingerichtet; Volksabstimmungen zu ihrer Abschaffung scheiterten 2012 und 2016. Die Geschichte der Todesstrafe in Kalifornien zeigt ein teures, selten genutztes System.

Was Newsoms Entscheidung bedeutet

Die Anordnung betrifft 529 Männer und 19 Frauen. Newsom erklärte, Hinrichtungen seien „mit den Werten Kaliforniens unvereinbar, untergraben die Grundlagen unseres Rechtssystems und schaden uns als Gesellschaft“. Die Verurteilten würden „im Gefängnis sterben, aber nicht durch unsere Hand“.

Rechtliche Zustimmung weiterhin nötig

Nach der Verfassung des Bundesstaates kann der Gouverneur Strafen von Personen mit mehr als einem schweren Verbrechen nicht allein umwandeln. Rund 60 Prozent der Fälle – etwa 400 Insassen – benötigen die Zustimmung des Obersten Gerichts von Kalifornien, das Teile der Entscheidung kippen könnte. Bei rund 40 Prozent kann Newsom allein handeln.

Der Schritt folgt der misslungenen Hinrichtung in Tennessee an Christa Pike, die die Debatte über die Giftspritze neu entfacht hatte.

Reaktionen: ACLU lobt, Staatsanwälte kritisieren

Die American Civil Liberties Union begrüßte die Entscheidung: „Diese Umwandlungen spiegeln wider, was Gerechtigkeit verlangt: das Ende einer rassistischen, fehleranfälligen und unmenschlichen Strafe, die Kalifornien viel zu lange belastet hat.“ Opferverbände und Staatsanwälte verurteilten den Schritt. Todd Spitzer, Bezirksstaatsanwalt von Orange County, sagte, er überschreibe Juryurteile und ignoriere die Familien der Opfer. Die Criminal Justice Legal Foundation kündigte Klagen an. Newsom räumte ein, die Entscheidung könne bei Angehörigen schmerzhafte Erinnerungen wecken, und nannte sie eine der schwierigsten seines Lebens.

Wichtigste Fakten

  • 548 Todesurteile in lebenslange Haft ohne Bewährung umgewandelt
  • 529 Männer und 19 Frauen betroffen
  • Letzte Hinrichtung in Kalifornien: 2006
  • Nur 13 Hinrichtungen seit 1978
  • Rund 60 Prozent benötigen die Zustimmung des Obersten Gerichts
  • Geschätzte Einsparungen: über 200 Millionen Dollar jährlich

Politische und finanzielle Folgen

Schätzungen zufolge könnten mehr als 200 Millionen Dollar an Berufungskosten pro Jahr entfallen. Kaliforniens Todestrakt umfasste über ein Viertel aller zum Tode Verurteilten der USA. Die erstmalige Räumung seit dem späten 19. Jahrhundert markiert eine Wende in den Trends der US-Todesstrafe.

Die Entscheidung fällt zudem in eine Phase, in der sich Newsom für 2028 positioniert. Sie könnte liberale Wähler mobilisieren, in einem allgemeinen Wahlkampf aber schaden – rund zwei Drittel der Amerikaner befürworten die Todesstrafe.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Todesurteile hat Newsom umgewandelt?

548 – 529 Männer und 19 Frauen – in lebenslange Haft ohne Bewährung.

Endet damit die Todesstrafe in Kalifornien?

Nein. Sie bleibt legal, Staatsanwälte können sie weiterhin fordern. Newsom hat das Gesetz nicht aufgehoben.

Warum braucht es die Zustimmung des Obersten Gerichts?

Bei mehreren schweren Verbrechen darf der Gouverneur ohne Gerichtsbeschluss nicht umwandeln. Etwa 400 Fälle müssen geprüft werden.

Wann war die letzte Hinrichtung in Kalifornien?

2006 unter Arnold Schwarzenegger. Seit 1978 wurden 13 Menschen hingerichtet.

Was bedeutet lebenslange Haft ohne Bewährung?

Die Insassen bleiben lebenslang inhaftiert und kommen nicht für eine Entlassung infrage.

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