Niederländischer Vater: 23 Jahre Haft für Tod des Sohnes

Niederländischer Vater zu 23 Jahren Haft verurteilt: Sohn (14) starb in Turnhout an COVID-19, Leichnam acht Wochen verborgen. Alle Hintergründe zum Fall.

Niederländischer Vater: 23 Jahre Haft für Tod des Sohnes
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Ausgabe: DE

Ein niederländischer Vater ist zu 23 Jahren Haft verurteilt worden, nachdem sein 14-jähriger Sohn in Turnhout in Belgien an unbehandeltem COVID-19 gestorben war. Am 21. September 2026 verurteilte der Schwurgerichtshof von Antwerpen Rennlhy M. wegen Mordes. Das Gericht befand, er habe seinen Sohn Jairon sterben lassen, statt wegen seiner radikalen religiösen Überzeugungen einen Arzt zu rufen. Das Urteil lag drei Jahre über der von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafe von 20 Jahren.

Was geschah mit Jairon in Turnhout?

Jairon lebte mit seinem Vater, zwei jüngeren Brüdern und mehreren anderen Erwachsenen in einer Villa in Turnhout. Sein Vater gehörte einer strengen pfingstlerischen Bewegung an und glaubte, Gebet, flüssige Nahrung, Paracetamol und Ruhe würden den Jungen von Corona heilen. Ende 2021 erkrankte Jairon schwer: Er konnte kaum essen oder trinken und wurde zunehmend schwächer. Als der geschwächte Teenager im Badezimmer zusammenbrach und mit dem Kopf hart aufschlug, rollten seine Augen nach hinten. Dennoch wurde nie ein Arzt gerufen.

Jairon starb in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2022. Sein Tod wurde vor der Außenwelt und selbst vor seinen Brüdern geheim gehalten, die sein Zimmer nicht betreten durften. Die Erwachsenen hofften offenbar, Gott werde den Jungen wieder zum Leben erwecken. Sein Körper blieb fast acht Wochen im Haus, bis die belgische Polizei am 25. Februar 2022 das Anwesen betrat und seine verwesten Überreste unter einer Decke fand. Ähnliche Fälle religiöser medizinischer Vernachlässigung in Europa werfen die Frage auf, wie solche Situationen so lange unbemerkt bleiben können.

Warum wurde der Vater wegen Mordes verurteilt?

Die Jury befand, Rennlhy M. habe das Leben seines Sohnes seinen radikalen religiösen Überzeugungen untergeordnet. Er habe unwiederbringliches Leid verursacht und durch das fast zwei Monate lange Verbergen des Leichnams der Mutter und den Brüdern einen würdigen Abschied verwehrt. Auch die antisoziale, manipulative Persönlichkeitsstörung des Vaters wertete das Gericht als Rückfallrisiko; er wurde unmittelbar nach dem Urteil in Haft genommen. Vier weitere Erwachsene aus der Villa erhielten Bewährungsstrafen zwischen einem und drei Jahren. Die Mutter des Jungen zeigte sich zufrieden: Der gesunde Menschenverstand der Jury und die Sachkenntnis des Vorsitzenden Richters haben für Gerechtigkeit gesorgt. Eine Last ist von unseren Schultern gefallen.

Welche Rolle spielte Ketamin?

Da Jairons Körper bereits stark verwest war, ließ sich die genaue Todesursache nicht bestimmen. Eine spätere Haaranalyse fand jedoch Spuren von Ketamin, einem starken Anästhetikum, das laut Experten in den Wochen vor seinem Tod mehrfach verabreicht wurde. Die Ermittlungen zu Ketamin-Missbrauch änderten den zentralen Befund nicht: Der Vater hatte medizinische Hilfe verweigert, als sein Sohn starb. Sechs Erwachsene waren angeklagt, verurteilt wurde letztlich nur der Vater wegen Mordes.

Auswirkungen und Reaktionen

Jairons Mutter war nach dem Kontaktverlust mehrfach zur Villa gefahren, wurde aber jedes Mal abgewiesen. Als sie schließlich die Schule in Tilburg anrief, erfuhr sie, dass der Junge Monate zuvor abgemeldet worden war. Daraufhin alarmierte sie die belgische Polizei, was zur Entdeckung des Leichnams führte. Der Fall hat die Debatte über religiöse Ausnahmen und Kinderschutz neu entfacht. Beobachter der niederländischen Kinderschutzreform sehen in dem Urteil ein klares Signal, dass Glaube nicht über das Recht eines Kindes auf dringende medizinische Versorgung stehen darf.

FAQ

Was war Jairons Todesursache?

Wegen der starken Verwesung konnte die genaue Ursache nicht bestimmt werden. Spuren von Ketamin deuten auf eine mehrfache Verabreichung hin.

Wie lange wurde der Leichnam verborgen?

Jairon starb in der Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2022; gefunden wurde er am 25. Februar 2022 – fast acht Wochen später.

Warum verweigerte der Vater medizinische Hilfe?

Er gehörte einer strengen pfingstlerischen Bewegung an und glaubte, Gebet, Ruhe, flüssige Nahrung und Paracetamol würden seinen Sohn heilen.

Welche Strafen erhielten die anderen Erwachsenen?

Vier weitere Erwachsene erhielten Bewährungsstrafen von einem bis drei Jahren.

War die Strafe höher als gefordert?

Ja. Die Staatsanwaltschaft forderte 20 Jahre, das Gericht verhängte 23 Jahre.

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