Ein ägyptisches Gericht hat die unabhängige Nachrichtenseite Mada Masr verboten und ihrer Chefredakteurin Lina Attalah die Höchststrafe von drei Millionen ägyptischen Pfund (rund 50.000 Euro) auferlegt – wegen des Betriebs einer nicht lizenzierten Website. Das Strafgericht in Neu-Kairo ordnete am 27. Oktober 2026 zudem die Schließung der Seite und die Beschlagnahmung ihrer Ausrüstung an. Menschenrechtsorganisationen werten das Urteil als verheerenden Schlag gegen die Pressefreiheit.
Was ist Mada Masr und wer ist Lina Attalah?
Mada Masr ist eine unabhängige Onlinezeitung, im Juni 2013 von ehemaligen Journalisten des Egypt Independent gegründet. Sie publiziert auf Arabisch und Englisch zu Politik, Wirtschaft, Umwelt und Kultur und galt als letzte Bastion kritischen Journalismus. Attalah wurde 2020 in die Time-Liste der 100 einflussreichsten Menschen aufgenommen. Die Seite ist seit Mai 2017 in Ägypten blockiert. Trotz Lizenzanträgen 2018 und 2020 gab es keine Antwort; 2022 lehnte die Aufsichtsbehörde den Antrag ohne Begründung ab. Der Fall ist Teil einer breiteren ägyptischen Medienrepression unter Sisi, Hunderte Websites wurden blockiert.
Wie das Gericht gegen Mada Masr entschied
Das Verfahren in einer einzigen Anhörung stützte sich auf Artikel 105 des Mediengesetzes von 2018. Laut Mada Masr räumte der Richter den Saal vor der Urteilsverkündung, weigerte sich, die Akte zu prüfen, Zeugen anzuhören oder Beweise zuzulassen, und ersetzte den Verteidiger gegen den Willen des Teams. Acht Anwälte waren anwesend, doch das Gericht bestellte einen unbekannten Juristen. Dies erinnert an das Urteil in Abwesenheit von 2024. Attalah wurde direkt nach dem Urteil festgenommen und Stunden später freigelassen, nachdem die Geldstrafe bezahlt war. Dabei erfuhr sie von einem Jahr Haft, das 2024 in Abwesenheit gegen sie verhängt worden war. Die Neuverhandlung ist für den 11. November angesetzt.
Wichtigste Fakten
- Geldstrafe: 3 Millionen EGP (rund 50.000 Euro) – das gesetzliche Maximum
- Anordnung: Schließung von Mada Masr und Beschlagnahmung der Ausrüstung
- Rechtsgrundlage: Artikel 105 des Mediengesetzes von 2018
- Früheres Urteil: ein Jahr Haft in Abwesenheit, Neuverhandlung am 11. November 2026
Reaktionen von Menschenrechtsgruppen
Yasmine Ahmed von Amnesty International nannte das Urteil „einen vernichtenden Schlag gegen die Pressefreiheit“ und äußerte Bedenken wegen des Verfahrensrechts. Das Committee to Protect Journalists (CPJ) verurteilte den Fall ebenfalls. Bassam Khawaja von Human Rights Watch sprach von einer „kompletten Farce der Justiz“ in einem „Scheinverfahren“ und warf der Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi vor, die letzten Reste unabhängiger Medien auslöschen zu wollen. Das Journalistensyndikat kündigte Berufung an.
Was das Verbot für die Pressefreiheit bedeutet
Im Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen belegt Ägypten Platz 169 von 180 Ländern. Mindestens 18 Journalisten sind inhaftiert, Hunderte Websites blockiert. Am selben Tag wurde die Haft von sechs Journalisten der Fact-Checking-Plattform Matsadaash verlängert; im Vormonat wurden sechs Journalisten einer Investigativplattform festgenommen. Die meisten ägyptischen Medien sind dem Staat eng verbunden.
FAQ: Ägypten verbietet Mada Masr
Warum verbot das Gericht Mada Masr?
Nach Auffassung des Gerichts betrieb die Seite ohne Lizenz nach Artikel 105 des Mediengesetzes von 2018 – obwohl Attalah einen Antrag gestellt hatte und keine Antwort erhielt.
Wer ist Lina Attalah?
Sie ist Chefredakteurin von Mada Masr und eine der bekanntesten unabhängigen Journalistinnen Ägyptens. 2020 stand sie auf der Time-Liste der 100 einflussreichsten Menschen.
Wie steht es um die Pressefreiheit in Ägypten?
Im Index von Reporter ohne Grenzen belegt das Land Platz 169 von 180.
Wie geht es für Attalah weiter?
Ihre Anwälte fechten die einjährige Haftstrafe von 2024 an; die Neuverhandlung ist für den 11. November 2026 angesetzt.
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