Jugendhilfe-Skandal in Spanien: Huize Soria erklärt

Misshandlung in der niederländischen Jugendhilfe in Spanien: Huize Soria betreute 265 Minderjährige unter Missbrauchsbedingungen und erhielt Millionen. 16 Betroffene berichten.

Jugendhilfe-Skandal in Spanien: Huize Soria erklärt
Teilen
Artikel teilen Wähle ein Netzwerk oder eine App auf deinem Gerät.
E-Mail

Ausgabe: DE

Misshandlungsvorwürfe in der niederländischen Jugendhilfe in Spanien sind durch eine monatelange Recherche von Nieuwsuur ans Licht gekommen: Das niederländisch geführte Jugendheim Huize Soria soll problembelastete Jugendliche zwei Jahrzehnte lang extremen Behandlungsmethoden ausgesetzt haben. Die Einrichtung bei Aspe in Alicante erhielt zweistellige Millionensummen aus niederländischen Jugendhilfemitteln, während Fachleute von „struktureller Misshandlung und Kindesfolter“ sprechen. Sechzehn ehemalige Bewohner äußern sich erstmals öffentlich und beschreiben Strafmethoden, die nach niederländischem Recht verboten sind.

Was geschah in Huize Soria in Spanien?

Huize Soria bestand rund 20 Jahre als familienähnliche Wohngruppe für etwa zehn Jugendliche gleichzeitig, vermittelt durch niederländische Jugendhilfeträger und Bewährungshilfen. Viele der 265 durchlaufenen Minderjährigen hatten lange Heimkarrieren hinter sich. Statt Therapie beschreiben Betroffene ein repressives Regime: eingesperrt hinter einem Elektrozaun, tagelang ohne Essen, im Winter im Unterhemd nach draußen geschickt, in der Sonne stehend bis zur Blasenbildung.

Die Behandlungsmethoden aus Sicht von 16 Betroffenen

Laut Nieuwsuur nutzte das niederländische Betreiberpaar verbotene freiheitsbeschränkende Maßnahmen. Kontakte zur Außenwelt wurden streng kontrolliert: Videocalls mit Eltern fielen monatelang aus oder waren nur in Anwesenheit der Hauseltern erlaubt, die auch alle E-Mails lasen. In Gemeinschaftsräumen und auf dem gesamten Gelände lief eine permanente Kameraüberwachung. Unterricht gab es nur, wenn die Hauseltern es für passend hielten.

Alle Betroffenen berichten von Sündenböcken, auf die die Gruppe zur Demütigung eingeschworen wurde. Ein Bewohner schildert, wie einem jüngeren Jungen Pferdemist übergestreut wurde. „Du hast keine Wahl. Wenn du nicht mitmachst, wirst du selbst zum Sündenbock“, sagte ein ehemaliger Bewohner. Die Traumafachfrau Leony Coppens sieht viele Merkmale dessen, was die internationale Literatur „Kindesfolter“ nennt.

Wie viel niederländisches Jugendhilfegeld floss nach Huize Soria?

Über zwanzig Jahre erhielt Huize Soria zweistellige Millionenbeträge aus niederländischen Pflegebudgets – obwohl freiheitsbeschränkende Maßnahmen nur in dafür zugelassenen geschlossenen Einrichtungen in den Niederlanden und unter strengen rechtlichen Bedingungen erlaubt sind, nie im Ausland. Der Jugendrechtler und Familienrichter Bart Tromp von der Universität Groningen sagte: „Es kann nie sein, dass man unter dem Deckmantel des Jugendschutzes oder durch das Wort ‚pädagogisch‘ systematisch alle jungen Menschen filmt.“

Warum wurden weiterhin Kinder dorthin vermittelt?

Ab 2016 erhielt die niederländische Gesundheits- und Jugendaufsicht IGJ Meldungen über die Einrichtung. 2019 erstattete ein Betroffener Anzeige wegen Misshandlung, der Amsterdamer Kinderombudsmann ermittelte. Dennoch vermittelten Träger wie Driestroom und Levvel sowie Jugendschutzbehörden in den Niederlanden weiterhin Minderjährige nach Huize Soria. Driestroom sprach von einer „Herausforderung“, die rechtlichen Rahmen sorgfältig auszubalancieren, und verwies auf die Komplexität der Fälle. Tromp wies das zurück: „Im Rechtsstaat sind alle gleich. Auch als schwieriger Jugendlicher hat man Anspruch auf denselben Schutz.“

Folgen und nächste Schritte

Die spanische Aufsicht ordnete nach der Berichterstattung Ende September 2026 die sofortige Schließung an, da die Genehmigungen nicht in Ordnung waren. Huize Soria bestreitet die Vorwürfe kategorisch und beruft sich auf Vertraulichkeit. Sieben Minderjährige waren zuletzt noch vor Ort und wurden in die Niederlande zurückgebracht. Die niederländische Aufsicht erklärt, Einrichtungen im Ausland nicht kontrollieren zu können – eine Lücke, die laut Kampagnen für internationale Aufsicht in der Jugendhilfe geschlossen werden muss.

Der Fall lenkt den Blick erneut auf die Verantwortung im niederländischen Jugendhilfesystem und die Frage, ob Millionen öffentlicher Gelder an eine nicht registrierte Auslandseinrichtung hätten fließen dürfen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Huize Soria?

Ein niederländisch geführtes Jugendheim in Aspe, Alicante, das rund 20 Jahre lang niederländische Minderjährige mit Verhaltensproblemen betreute. Im September 2026 von spanischen Behörden geschlossen.

Welche Misshandlungen werden vorgeworfen?

Sechzehn Betroffene beschreiben Elektrozäune, Essensentzug, Aufenthalte im Winter in Unterwäsche, Sonnenstrafen bis zur Blasenbildung, Isolation, Dauerüberwachung und Druck, Sündenböcke zu misshandeln.

Wie viel Geld erhielt die Einrichtung?

Zweistellige Millionensummen aus niederländischen Jugendhilfemitteln über zwei Jahrzehnte, ohne Berechtigung für freiheitsbeschränkende Maßnahmen im Ausland.

Wer vermittelte die Kinder?

Träger wie Driestroom und Levvel, Jugendschutzstellen und Bewährungshilfen – auch nach vorliegenden Missbrauchsmeldungen.

Wie geht es weiter?

Die Einrichtung ist geschlossen, sieben Minderjährige wurden zurückgebracht. Initiativen fordern strengere Aufsicht über aus dem Ausland finanzierte niederländische Jugendhilfe.

Eng verwandt