Belgischer Serienmörder Freddy Horion nach 46 Jahren unter elektronischer Überwachung entlassen
Ein Gericht in Gent hat entschieden, dass der verurteilte Serienmörder Freddy Horion, der 46 Jahre für sechs Morde verbüßt hat, das Gefängnis mit einer elektronischen Fußfessel verlassen darf. Der 78-Jährige wird in ein forensisch-psychiatrisches Pflegezentrum verlegt - eine dramatische Wende in einem der längsten Strafverfahren Belgiens. Die Entscheidung vom 1. Juni 2026 erfolgte, nachdem mehrere frühere Anträge auf bedingte Entlassung abgelehnt worden waren.
Hintergrund: Das Massaker von 1979
Am 23. Juni 1979 überfielen Horion und sein Komplize Roland Feneulle das Haus des Autohändlers Roland Steyaert in Sint-Amandsberg bei Gent. Sie ermordeten Steyaert in seiner Garage, dann seine Frau Leona Van Lancker, die 13-jährige Tochter Hilde, die 22-jährige Tochter Anne-Marie und deren 24-jährigen Verlobten Marc De Croock, der ahnungslos nach Hause kam. Nur Monate zuvor, am 9. Februar 1979, hatte Horion auch Hélène Lichachevski, eine polnische Ladenbesitzerin im Hafen von Gent, mit derselben Waffe getötet. Der Ansatz des belgischen Justizsystems bei lebenslangen Haftstrafen wird im Zusammenhang mit diesem Fall diskutiert.
Horion und Feneulle wurden 1980 zum Tode verurteilt, aber das Urteil wurde nach der Abschaffung der Todesstrafe in Belgien automatisch in lebenslange Haft umgewandelt. Feneulle starb 2013 im Alter von 60 Jahren im Gefängnis. Horion wurde einer der am längsten inhaftierten Gefangenen Belgiens und verbrachte Jahrzehnte in den Gefängnissen von Leuven, Brügge und Hasselt. Er floh kurzzeitig im Oktober 1982, versteckte sich sechs Wochen in den Niederlanden und wurde wieder gefasst.
Rechtliche Auseinandersetzungen und Intervention des EGMR
In den letzten 20 Jahren beantragte Horion wiederholt Entlassung auf Bewährung oder bedingte Freilassung, alle Anträge wurden abgelehnt. 2018 kam eine Expertenkommission zu dem Schluss, dass Horion das Gefängnis verlassen könnte, aber nicht direkt in die Gesellschaft zurückkehren sollte; sie empfahlen die Unterbringung in einer forensisch-psychiatrischen Klinik. Im Mai 2023 entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, dass Belgien die Rechte Horions verletzt habe, indem es 'keine realistische Aussicht auf Entlassung' gab, unter Berufung auf Artikel 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention. Dieses wegweisende Urteil setzte die belgischen Behörden unter Druck, seine Haftbedingungen zu überdenken. Der Fall verdeutlicht europäische Menschenrechtsurteile zu Gefangenenrechten.
Sterbehilfeantrag aus Verzweiflung
Im Mai 2025 machte Horion Schlagzeilen, indem er Sterbehilfe beantragte, mit der Begründung 'unerträgliches psychisches Leiden', verursacht durch Jahrzehnte der Inhaftierung und wiederholte Ablehnungen der Entlassung. Sein Anwalt erklärte, dass sich Horions psychische Gesundheit stark verschlechtert habe. Der Sterbehilfeantrag wurde letztlich nicht gewährt, unterstrich aber die extreme psychische Belastung seiner langen Haft. Die Kontroverse um Sterbehilfe für Gefangene in Belgien bleibt ein Thema der öffentlichen Debatte.
Gerichtsentscheidung und strenge Auflagen
Am 1. Juni 2026 gewährte das Strafvollstreckungsgericht in Gent Horions Antrag auf elektronische Überwachung. Er wird in ein forensisch-psychiatrisches Zentrum aufgenommen und muss ständig eine Fußfessel tragen. Das Gericht verhängte strenge Auflagen:
- Verpflichtende Teilnahme am Behandlungsprogramm der Klinik
- Einhaltung aller internen Regeln der Einrichtung
- Kontaktverbot zu den Familien der Opfer
- Regelmäßige Meldung bei der Bewährungsbehörde
Horions Anwalt Jürgen Millen erklärte: 'Mein Mandant hat alle seine Verpflichtungen erfüllt und wird dies auch weiterhin tun. Er ist nicht mehr gefährlich.' Die Staatsanwaltschaft hatte die Entlassung abgelehnt, mit Hinweis auf anhaltende Risiken, aber das Gericht akzeptierte die Einschätzung der forensischen Experten, dass Horion ein geringes Rückfallrisiko darstelle.
Auswirkungen und öffentliche Reaktion
Die Entscheidung hat in Belgien gemischte Reaktionen hervorgerufen. Angehörige der Opfer zeigten sich empört; ein Verwandter sagte: 'Nach dem, was er getan hat, sollte er nie wieder Tageslicht sehen.' Menschenrechtsaktivisten argumentieren jedoch, dass selbst die schlimmsten Verbrecher eine Perspektive auf Resozialisierung verdienen. Der Fall hat die Debatte über Belgiens Umgang mit lebenslangen Haftstrafen und die Rolle der elektronischen Überwachung im Justizsystem neu entfacht. Horions Verlegung in das forensische Zentrum wird in den nächsten Tagen erwartet, wo er seine beaufsichtigte Behandlung unter elektronischer Überwachung beginnen wird.
Häufig gestellte Fragen
Wer ist Freddy Horion?
Freddy Horion ist ein belgischer verurteilter Serienmörder, der 1979 sechs Menschen tötete, darunter fünf Mitglieder der Familie Steyaert. Er wurde zum Tode verurteilt, die Strafe wurde in lebenslange Haft umgewandelt, und er verbüßte 46 Jahre.
Welche Verbrechen hat Freddy Horion begangen?
Am 9. Februar 1979 tötete er die Ladenbesitzerin Hélène Lichachevski in Gent. Am 23. Juni 1979 ermordete er zusammen mit einem Komplizen fünf Mitglieder der Familie Steyaert bei einem Raubüberfall in Sint-Amandsberg.
Warum wurde Horion mit einer Fußfessel entlassen?
Das Gericht entschied, dass Horion nach 46 Jahren und positiven psychiatrischen Gutachten unter elektronischer Überwachung in ein forensisches Pflegezentrum verlegt werden könne. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte zuvor entschieden, dass Belgien seine Rechte verletzt habe, indem es ihm jede Aussicht auf Entlassung verwehrte.
Welche Auflagen muss Horion befolgen?
Er muss eine Fußfessel tragen, an der Behandlung teilnehmen, die Klinikregeln befolgen und den Kontakt zu den Opferfamilien vermeiden. Bei Verstößen droht die Rückkehr ins Gefängnis.
Hat Horion Sterbehilfe beantragt?
Ja, im Mai 2025 beantragte er Sterbehilfe aufgrund unerträglichen psychischen Leidens. Der Antrag wurde nicht gewährt, unterstrich aber die Schwere seiner psychischen Probleme.
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