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Genua: Ex-CEO zu 12 Jahren Haft verurteilt

Italienisches Gericht verurteilt Ex-Autostrade-CEO zu 12 Jahren für Morandi-Brückeneinsturz 2018 mit 43 Toten. 32 Verurteilte in bahnbrechendem Urteil 2026.

Genua: Ex-CEO zu 12 Jahren Haft verurteilt
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Urteil im schlimmsten Infrastrukturunglück Italiens

Fast acht Jahre nach dem katastrophalen Einsturz der Morandi-Brücke in Genua mit 43 Toten hat ein italienisches Gericht sein Urteil gefällt: Der ehemalige Autostrade-CEO Giovanni Castellucci wurde am 16. Juli 2026 wegen mehrfachen Totschlags und krimineller Fahrlässigkeit zu 12 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist der Höhepunkt eines der größten Strafprozesse Italiens: 32 von 57 Angeklagten wurden verurteilt, die Gesamthaftstrafen übersteigen 190 Jahre.

Der Einsturz am 14. August 2018 erschütterte die Welt, als ein 210 Meter langer Abschnitt der Schrägseilbrücke während eines Starkregens nachgab und Dutzende Fahrzeuge 45 Meter in die Tiefe riss. Die Tragödie offenbarte systemische Versäumnisse bei der Infrastrukturwartung und führte zu einer nationalen Debatte über die Sicherheit alternder Brücken und Autobahnen.

Was verursachte den Einsturz der Morandi-Brücke?

Ermittler stellten fest, dass der Einsturz durch eine Kombination aus Konstruktionsfehlern, jahrelanger Vernachlässigung der Wartung und gefälschten Sicherheitsinspektionen verursacht wurde. Korrosion hatte die tragenden Kabel im Pfeiler 9 der 1967 eröffneten Brücke stark geschwächt. Sensoren, die die strukturelle Integrität hätten überwachen sollen, funktionierten seit 2015 nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass Autostrade wichtige Wartungsarbeiten wiederholt verschob, um Gewinne zu maximieren. Das Gericht entschied, der Einsturz sei 'vorhersehbar und vermeidbar' gewesen. Der Prozess untersuchte auch die Rolle des italienischen Verkehrsministeriums: Mauro Coletta, ehemaliger Aufsichtsdirektor, wurde zu fünf Jahren verurteilt, weil er die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften nicht durchgesetzt hatte.

Wichtige Urteile und Verurteilungen

Das Gericht verhängte folgende Strafen:

  • Giovanni Castellucci (Ex-CEO Autostrade): 12 Jahre – das härteste Urteil, wegen Beihilfe zum mehrfachen Totschlag durch Fahrlässigkeit. Castellucci verbüßt bereits eine sechsjährige Haftstrafe wegen eines Busunfalls 2013 mit 40 Toten.
  • Michele Donferri (Ex-Wartungschef Autostrade): 11 Jahre.
  • Antonino Galatà (Ex-CEO SPEA): 5,5 Jahre.
  • Paolo Berti (Ex-SPEA-Mitarbeiter): 5,5 Jahre.
  • Mauro Coletta (Ex-MIT-Aufsichtsdirektor): 5 Jahre.
  • 25 weitere Angeklagte erhielten Strafen zwischen 1 Jahr 11 Monaten und 8 Jahren.

25 Angeklagte wurden freigesprochen. Castelluccis Anwälte kündigten Berufung an und nannten das Urteil eine 'Niederlage für die Wahrheit'.

Unternehmensverantwortung und öffentliche Entschuldigung

Autostrade per l'Italia – heute unter neuer Führung und verstärkter staatlicher Kontrolle – erzielte eine Unternehmensvereinbarung über rund 30 Millionen Euro mit dem Gericht. Der derzeitige CEO Arrigo Giana entschuldigte sich öffentlich bei den Opferfamilien. Die Benetton-Familie Atlantia, die Autostrade zum Zeitpunkt des Unglücks kontrollierte, musste die Kontrolle abgeben. Der Fall wurde zum Symbol für Debatten über Unternehmensverantwortung und die Sicherheit alternder Infrastruktur in Europa.

Auswirkungen auf die italienische Infrastrukturpolitik

Der Einsturz löste landesweite Inspektionen aus. Etwa 60% der italienischen Brücken stammen aus den 1950er-1970er Jahren und wurden oft nur minimal gewartet. ANAS führte Notreparaturen durch, betonte jedoch, dass keine Brücke unmittelbar einzustürzen drohe. Der gesamte Vorstand von Autostrade musste zurücktreten, und gesetzliche Reformen wurden eingeleitet, um die Aufsicht zu verschärfen. Schätzungen zufolge sind 100 Milliarden Euro nötig, um Italiens Straßen, Brücken und Schienen zu modernisieren. Die italienische Infrastrukturkrise nach Genua bleibt ein drängendes nationales Problem. Die Ersatzbrücke, die Genua San Giorgio Brücke, wurde im August 2020 eröffnet.

Reaktionen der Opferfamilien

Angehörige der Opfer füllten den Gerichtssaal. Viele zeigten sich erleichtert, dass der Rechtsprozess endlich Rechenschaft gebracht habe, betonten aber, dass kein Urteil die Verstorbenen zurückbringen könne. Egle Possetti, Vorsitzende der Opferfamilienvereinigung, sagte: 'Dieses Urteil ist ein kleines Maß an Gerechtigkeit. Die eigentliche Lehre muss sein, dass sich eine solche Tragödie nie wiederholen darf. Wir hoffen, Italien hat gelernt, dass Wartung keine Option ist.'

Häufig gestellte Fragen

Was war der Einsturz der Morandi-Brücke?

Am 14. August 2018 stürzte ein 210 Meter langer Abschnitt der Morandi-Brücke in Genua während eines Unwetters ein, tötete 43 Menschen und verletzte 16. Die Brücke war ein Autobahnviadukt der A10, erbaut 1967.

Wer wurde im Genua-Brückenprozess verurteilt?

Ex-Autostrade-CEO Giovanni Castellucci erhielt 12 Jahre. Weitere Verurteilungen: Michele Donferri (11 Jahre), Mauro Coletta (5 Jahre) und Antonino Galatà (5,5 Jahre). Insgesamt wurden 32 von 57 Angeklagten verurteilt.

Was verursachte den Einsturz?

Korrodierte Tragseile, jahrelang vernachlässigte Wartung, gefälschte Sicherheitsinspektionen und ein Konstruktionsfehler. Das Gericht entschied, der Einsturz sei 'vorhersehbar und vermeidbar' gewesen.

Kann das Urteil angefochten werden?

Ja. Nach italienischem Recht kann das erstinstanzliche Urteil mindestens zweimal angefochten werden: vor dem Berufungsgericht und dann vor dem Obersten Kassationsgerichtshof. Der Prozess könnte mehrere Jahre dauern.

Was geschah mit Autostrade nach dem Einsturz?

Der gesamte Vorstand trat zurück. Autostrade zahlte einen Vergleich von 30 Millionen Euro, entschuldigte sich öffentlich und steht nun unter verstärkter staatlicher Kontrolle. Die Benetton-Familie musste die Kontrolle über den Autobahnbetreiber abgeben.

Quellen

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