Italien ruft Botschafter zurück nach Freilassung von Bar-Besitzer

Italien hat seinen Botschafter aus der Schweiz zurückgerufen, um gegen die Freilassung des Barbesitzers Jacques Moretti zu protestieren, dessen Nachtclubbrand an Neujahr 40 Menschenleben forderte. Italien bezeichnet die Freilassung als 'Beleidigung für die Opfer'.

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Diplomatische Krise nach Brandtragödie in Crans-Montana

Italien hat einen diplomatischen Konflikt mit der Schweiz eskaliert, indem es seinen Botschafter zurückgerufen und formellen Protest eingelegt hat. Dies erfolgte, nachdem Schweizer Behörden den Miteigentümer eines Nachtclubs freigelassen hatten, in dem an Neujahr ein verheerender Brand 40 Menschen das Leben kostete. Dieser Schritt stellt einen der schwerwiegendsten diplomatischen Brüche zwischen den Nachbarländern in den letzten Jahren dar.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Außenminister Antonio Tajani haben Botschafter Gian Lorenzo Cornado zur Beratung nach Rom zurückbeordert und formell gegen die Entscheidung protestiert, Jacques Moretti freizulassen. Moretti ist der französische Miteigentümer der Bar Le Constellation in Crans-Montana. Er wurde am Freitag gegen eine Kaution von 200.000 Schweizer Franken (ca. 215.000 Euro) freigelassen.

'Eine Beleidigung für das Andenken der Opfer'

Die italienische Regierung äußerte 'starke Empörung' über die Freilassung und bezeichnete sie als 'eine Beleidigung für das Andenken der Opfer und eine Demütigung für ihre Familien.' In einer offiziellen Erklärung betonten Meloni und Tajani, dass 'ganz Italien nach Wahrheit und Gerechtigkeit ruft und respektvolle Maßnahmen im Gefolge dieser Katastrophe fordert.'

Der Brand am 1. Januar 2026 in der Bar Le Constellation im Schweizer Skiort Crans-Montana forderte 40 Todesopfer und verletzte 116 weitere Personen, von denen 83 schwere Verbrennungen erlitten. Sechs der Opfer waren italienische Staatsbürger, und zehn weitere Italiener wurden bei der Tragödie verletzt.

Sicherheitsbedenken und Ermittlungen

Ermittler vermuten, dass das Feuer ausbrach, als pyrotechnische Funken an Sektflaschen brennbaren Akustikschaum an der Decke entzündeten. Dies verursachte einen schnellen Flashover, der die überfüllte Bar innerhalb von Sekunden in Flammen setzte. Der Ort war Berichten zufolge mit mehr als 100 Menschen überfüllt, als das Feuer gegen 01:26 Uhr während der Neujahrsfeiern ausbrach.

Schweizer Behörden hatten ein Strafverfahren gegen Moretti und seine Frau Jessica wegen fahrlässiger Tötung, schwerer Körperverletzung und Brandstiftung eingeleitet. Moretti war zunächst am 9. Januar festgenommen worden, wobei die Staatsanwaltschaft ein erhebliches Fluchtrisiko angab. Ein Schweizer Gericht genehmigte jedoch diese Woche seine Freilassung gegen Kaution.

Italienische Behörden äußerten Bedenken hinsichtlich möglicher Beweismittelvernichtung und des Risikos, dass Moretti fliehen könnte. 'Es besteht das Risiko, dass der Barbesitzer flieht und Beweismaterial gefährdet wird,' so die italienische Erklärung.

Reaktionen der Angehörigen

Familienangehörige der Opfer äußerten Verwirrung und Wut über die Freilassungsentscheidung. Viele teilen Italiens Bedenken hinsichtlich der Beweissicherung und Gerechtigkeit für ihre Lieben. Die Tragödie traf insbesondere junge Menschen; Berichten zufolge war die Hälfte der Opfer jünger als 18 Jahre.

Der Brand hat ernsthafte Fragen zu Sicherheitsvorschriften in Schweizer Vergnügungsstätten aufgeworfen. Der Brandschutz der Bar war laut dem Bürgermeister von Crans-Montana zuletzt vor mehr als sechs Jahren überprüft worden. Die Morettis hatten zuvor mit rechtlichen Problemen zu kämpfen, darunter eine Untersuchung im Jahr 2020 wegen Missbrauchs von COVID-19-Hilfsfonds und frühere Verurteilungen von Jacques Moretti in Frankreich wegen Betrugs und 'qualifizierten Zuhälterei'.

Die diplomatische Aktion Italiens stellt eine bedeutende Eskalation in einer internationalen Tragödie mit grenzüberschreitenden Implikationen dar. Das Zurückrufen eines Botschafters ist in der Regel schwerwiegenden Streitigkeiten zwischen Ländern vorbehalten und zeigt, dass Rom entschlossen ist, Gerechtigkeit für seine von der Katastrophe betroffenen Bürger zu verfolgen.

Quellen: Politico EU, Wikipedia, NBC News

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