Bar-Besitzer nach Neujahrsbrand in Crans-Montana festgenommen

Bar-Besitzer Jacques Moretti wurde nach einem tödlichen Neujahrsbrand in Crans-Montana verhaftet, bei dem 40 Menschen starben. Das Ehepaar steht unter Anklage wegen Fahrlässigkeit, während die Schweiz der Opfer gedenkt und Sicherheitskontrollen in Frage stellt.

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Bar-Besitzer in Untersuchungshaft, während Schweiz Opfer gedenkt

Jacques Moretti, der Besitzer der Bar "Le Constellation" im luxuriösen Schweizer Skigebiet Crans-Montana, wurde verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Dies folgt auf einen verheerenden Neujahrsbrand, bei dem 40 Menschen starben und mehr als 100 weitere verletzt wurden. Der 49-jährige französische Staatsangehörige wurde am 9. Januar 2026 festgenommen, nachdem die Staatsanwaltschaft befürchtete, er könnte das Land verlassen.

Strafrechtliche Ermittlungen und Anklagen

Moretti und seine Frau Jessica, die gemeinsam den Betrieb führten, stehen unter schweren strafrechtlichen Anklagen, darunter "fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und fahrlässige Brandstiftung", so die Schweizer Behörden. Das Ehepaar steht nun im Mittelpunkt einer umfassenden strafrechtlichen Untersuchung zu einer der schlimmsten Tragödien der Schweiz in den letzten Jahren.

Der Schweizer Präsident Guy Parmelin bezeichnete den Vorfall während eines nationalen Trauertags am 9. Januar als "eine der schlimmsten Tragödien, die unser Land je erlebt hat". Die Entscheidung, Moretti in Haft zu behalten, traf ein Richter im Schweizer Kanton Wallis, in dem sich das Skigebiet befindet.

Wie das Feuer ausbrach

Das Feuer brach gegen 01:30 Uhr am Neujahrstag im Keller der Bar "Le Constellation" aus, die voller Feiernder war, die den Beginn des Jahres 2026 feierten. Ermittler vermuten, dass das Feuer wahrscheinlich entstand, als „Eisfontänen“ an Champagnerflaschen zu nah an schalldämmendem Material an der Decke kamen und dieses Feuer fingen. Das Feuer breitete sich rasend schnell in dem Lokal aus, wobei viele Gäste darin eingeschlossen wurden.

Aufnahmen zeigen den mutmaßlichen Entstehungsmoment, bei dem Gäste Flaschen mit „Eisfontänen“ oder Wunderkerzen halten, die offenbar mit brennbarem Deckenmaterial in Berührung kamen. Das daraus resultierende Inferno forderte 40 Todesopfer, hauptsächlich Teenager und junge Erwachsene, und hinterließ 116 Menschen mit schweren Verletzungen. Viele der Verletzten befinden sich noch in kritischem Zustand, mit der Befürchtung, dass die Zahl der Toten noch steigen könnte.

Sicherheitsversagen und mangelnde Kontrollen

Bürgermeister Féraud von Crans-Montana gab diese Woche bekannt, dass die Bar seit 2019 nicht mehr auf Brandschutz kontrolliert worden war. Die an der Decke angebrachten schalldämmenden Matten waren laut offiziellen Angaben nie auf Brandsicherheit getestet worden. Diese Enthüllung hat in der ganzen Schweiz Empörung ausgelöst und ernste Fragen zur Regulierungsaufsicht an dem beliebten Touristenziel aufgeworfen.

"Die Bar war seit 2019 nicht mehr jährlich auf Sicherheit kontrolliert worden", bestätigten lokale Behörden und deuteten damit auf ein systemisches Versagen bei der Sicherheitsdurchsetzung hin. Die Tragödie hat Forderungen nach strengeren Bauvorschriften und häufigeren Kontrollen von Vergnügungsstätten in der gesamten Schweiz ausgelöst.

Nationaler Trauertag

Die Schweiz hielt am 9. Januar einen nationalen Trauertag ab, bei dem um 14:00 Uhr im ganzen Land Kirchenglocken läuteten, gefolgt von einer Schweigeminute. Eine Gedenkzeremonie in Martigny wurde von 700 Gästen besucht, darunter 150 Angehörige der Opfer, Rettungskräfte und politische Führungspersönlichkeiten aus 37 Ländern.

Der französische Präsident Emmanuel Macron und der belgische Premierminister De Wever gehörten zu den internationalen Würdenträgern, die Gedenkgottesdienste besuchten. Die Opfer waren Bürger mehrerer Länder, darunter französische, belgische und italienische Staatsangehörige.

Schweizer Präsident Parmelin erklärte, die Schweiz bilde während der emotionalen Zeremonien "eine einzige Gemeinschaft von Trauernden". Der Walliser Präsident Mathias Reynard betonte die besondere Wirkung der Tragödie auf die jungen Opfer und forderte kollektive Verantwortung bei der Verhinderung solcher Katastrophen.

Laufende Ermittlungen und rechtliche Schritte

Die strafrechtliche Untersuchung prüft weiterhin, ob angemessene Sicherheitsvorkehrungen bestanden und ob die Besitzer ausreichende Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten. Während Jacques Moretti in Haft bleibt, wird auch seine Frau Jessica Moretti untersucht, ist aber nicht inhaftiert.

Die Tragödie hat weit verbreitete Forderungen nach Rechenschaft und Reformen ausgelöst. Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni forderte strenge Strafen und erklärte, die Tragödie sei das Ergebnis von "Menschen, die ihre Arbeit nicht richtig machen".

Während die Schweiz weiterhin ihrer Toten gedenkt, stellen die rechtlichen Schritte gegen die Barbesitzer die ersten Schritte zur Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien dar. Der Fall wird voraussichtlich weitreichende Auswirkungen auf Sicherheitsvorschriften für Vergnügungsstätten in ganz Europa haben.

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