Deutsche Behörden haben 410 Personen als islamistische „Gefährder“ eingestuft – Menschen, die als fähig erachtet werden, schwere Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zu begehen. Das geht aus neuen Daten des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, die dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vorliegen. Die Zahlen, Stand 1. Juli 2026, kommen nur Tage nach dem tödlichen islamistischen Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day (CSD), der die Debatte über den Umgang mit Extremisten neu entfacht hat.
Deutschlands Bedrohungslandschaft: 410 islamistische, 65 rechtsextreme, 17 linksextreme Gefährder
Die BKA-Daten zeigen eine deutliche Asymmetrie. Neben den 410 islamistischen Gefährdern gibt es 65 rechtsextreme und 17 linksextreme. Ein „Gefährder“ ist jemand, dem schwerwiegende politisch motivierte Gewalttaten wie Attentate oder Bombenanschläge zugetraut werden. Die Einstufung erfolgt durch die Landespolizeien, daher schwanken die Zahlen. Ein BKA-Sprecher betonte, die Rohzahlen allein sagten nichts über die Gesamtbedrohungslage aus. Die Veröffentlichung folgt auf intensive Prüfung der Deradikalisierungs- und Überwachungsprogramme nach dem Berlin-Pride-Angriff 2026.
Der Berlin-Pride-Anschlag, der die Nation erschütterte
Am Abend des 25. Juli 2026 fuhr der 21-jährige Abdul Ballout mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge auf dem CSD im Tiergarten. Anschließend griff er Menschen mit einer Machete an, tötete eine 65-jährige Polin und verletzte 29 Menschen, einige schwer. Ballout floh, wurde aber am nächsten Tag in Spandau von der Polizei erschossen, als er sie mit einer Stichwaffe angriff. Innenminister Alexander Dobrindt bezeichnete die Tat als islamistischen Terrorakt. Ballout, ein deutscher Staatsbürger libanesischer Abstammung, war bekannt und nahm an einem Deradikalisierungsprogramm teil, nachdem er im Mai 2026 eine Bewährungsstrafe wegen eines geplanten Anschlags erhalten hatte. Berichten zufolge wurde seine Mitarbeit als „vorgetäuscht“ eingestuft, dennoch blieb er frei – ein Entscheid, der Empörung und Reformforderungen auslöst.
Von der Bewährungsstrafe zum tödlichen Angriff
Ballouts Fall verdeutlicht die Herausforderungen bei der Überwachung von Gefährdern. Trotz Meldung aus dem Deradikalisierungsprogramm wurde er nicht eng überwacht. Politiker fordern nun strengere Maßnahmen wie eine elektronische Fußfessel für Gefährder und niedrigere Hürden für die Sicherungshaft. Die Mängel des deutschen Deradikalisierungsprogramms stehen im Fokus.
Wie Deutschland Extremisten einstuft und überwacht
Das System beruht auf dezentralen Entscheidungen der 16 Bundesländer. Kriterien sind Hinweise auf Gewaltbereitschaft, Mitgliedschaft in extremistischen Organisationen oder Waffenbesitz. Das BKA koordiniert bundesweit, kann aber Länderentscheidungen nicht aufheben. Aktuelle BKA-Zahlen (Stand 1. Juli 2026):
- Islamistische Gefährder: 410
- Rechtsextreme Gefährder: 65
- Linksextreme Gefährder: 17
Die Zahl der islamistischen Gefährder schwankte zuletzt, nach einem Höchststand von über 700 im Jahr 2017.
Vergleich mit den Niederlanden
In den Niederlanden gehören laut AIVD rund 500 Menschen zur jihadistischen Bewegung. Anders als das deutsche Gefährder-System veröffentlicht die AIVD keine individuellen Einstufungen, sondern überwacht Netzwerke. Beide Länder verzeichnen eine Zunahme der Online-Radikalisierung, besonders bei Minderjährigen.
Politische und sicherheitspolitische Folgen
Der Anschlag hat eine heftige politische Debatte ausgelöst. Kanzler Friedrich Merz verurteilte die Tat, Innenminister Dobrindt forderte eine umfassende Überprüfung der Deradikalisierungsprogramme. Die Opposition verlangt einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Sicherheitsexperten kritisieren Ressourcenmangel und uneinheitliche Anwendung in den Ländern. „Das System ist nur so stark wie das schwächste Glied“, sagt Terrorismusforscherin Dr. Anja Schiller. Auch die Wirksamkeit von Deradikalisierungsprogrammen in Europa wird diskutiert.
FAQ: Das deutsche Gefährder-System verstehen
Was ist ein „Gefährder“ im deutschen Recht?
Eine Person, der die Polizei die Begehung schwerer politisch motivierter Gewalttaten zutraut, basierend auf individuellen Einschätzungen, nicht auf einer Verurteilung.
Wie viele islamistische Gefährder gibt es 2026 in Deutschland?
Stand 1. Juli 2026 meldet das BKA 410 Personen. Die Zahl schwankt je nach Bewertungen der Länder.
Was war der Berlin-Pride-Anschlag?
Am 25. Juli 2026 fuhr Abdul Ballout mit einem Van in eine Menschenmenge auf dem CSD im Tiergarten und griff Menschen mit einer Machete an. Eine Frau starb, 29 wurden verletzt. Die Tat gilt als islamistischer Terrorakt.
Wie schneiden die Niederlande im Vergleich zu Deutschland ab?
Die AIVD schätzt rund 500 Personen in der jihadistischen Bewegung. Beide Länder haben ähnliche Herausforderungen durch Online-Radikalisierung.
Welche Änderungen werden nach dem Anschlag gefordert?
Politiker verlangen eine elektronische Fußfessel für Gefährder, niedrigere Hürden für Sicherungshaft, einheitliche Bewertungskriterien und strengere Kontrollen der Deradikalisierungsprogramme.
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