Euclid-Weltraumteleskop enthüllt die 'Kindheit' des Universums
Wissenschaftler haben mit dem Euclid-Weltraumteleskop der ESA 31 extrem weit entfernte Quasare entdeckt, darunter zwei Rekordobjekte, die mit der Helligkeit einer Billion Sonnen leuchten, als das Universum erst 670 Millionen Jahre alt war. Diese bahnbrechende Entdeckung, veröffentlicht am 6. Juli 2026 in Astronomy & Astrophysics, bringt Astronomen dem Verständnis der 'Kindheit des Universums' näher als je zuvor.
Quasare sind die leuchtenden Kerne von Galaxien, angetrieben von supermassereichen Schwarzen Löchern, die umgebende Materie verschlingen. Die neu entdeckten Quasare befinden sich über 13 Milliarden Lichtjahre entfernt, ihr Licht ist also über 13 Milliarden Jahre unterwegs. Zwei davon – EUCL J172902.75+641018.1 und EUCL J125308.55+705432.3 – stammen aus einer Zeit, als der Kosmos nur etwa 5% seines heutigen Alters hatte.
„Diese Quasare stammen aus der Kindheit des Universums“, sagte Leitautor Daming Yang vom Leiden Observatory. „Durch ihre Untersuchung können wir besser verstehen, wie sich so riesige Systeme so schnell bilden und wachsen konnten – eine zentrale Frage der Astrophysik.“ Das Rätsel der frühen Schwarzen-Loch-Bildung beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrzehnten.
Wie Euclid den Durchbruch erzielte
Euclid, gestartet im Juli 2023, ist primär zur Kartierung dunkler Energie und Materie konzipiert, indem es Milliarden von Galaxien über ein Drittel des Himmels beobachtet. Seine Infrarotkamera und hohe Auflösung machen ihn jedoch einzigartig geeignet, seltene, lichtschwache Objekte wie hochrotverschobene Quasare zu finden. „Euclid ist ein Game-Changer für die Suche nach Quasaren aus dem frühen Universum“, so Yang. Das Nahinfrarot-Spektrometer NISP kann Objekte detektieren, die 10- bis 100-mal lichtschwächer sind als bei früheren Durchmusterungen. Mit maschinellem Lernen identifizierte das Team anhand von nur 1,5 Jahren Euclid-Daten Kandidaten und bestätigte sie mit bodengebundenen Teleskopen – mit einer Bestätigungsrate von 30%, zehnmal besser als zuvor.
Die beiden Rekord-Quasare haben Rotverschiebungen von 7,77 und 7,69 und liegen in der Epoche der Reionisation – der Zeit, als die ersten Sterne und Galaxien den neutralen Wasserstoff nach dem Urknall ionisierten. Der bisherige Rekordhalter war etwa 15 Millionen Jahre jünger.
Mehr als Verdopplung der bekannten uralten Quasare
Vor Euclid hatten Astronomen über ein Jahrzehnt nur eine Handvoll Quasare aus den ersten 770 Millionen Jahren des Universums gefunden. Euclid hat diese Zahl in einem Jahr mehr als verdoppelt. Die Entdeckung umfasst 31 Quasare mit Rotverschiebungen zwischen 6,6 und 7,8 – eine beispiellose Stichprobe zur Untersuchung des Wachstums supermassereicher Schwarzer Löcher im frühen Kosmos.
Bedeutung für die Astrophysik
Die Entdeckung vertieft ein kosmisches Rätsel: Wie konnten supermassereiche Schwarze Löcher in weniger als einer Milliarde Jahre so groß werden? Standardmodelle haben Schwierigkeiten, ihre schnelle Bildung zu erklären. Die Quasare der Reionisationsepoche könnten den Schlüssel zur Lösung bieten. „Diese Quasare wirken wie kosmische Leuchtfeuer und erhellen das Gas zwischen den Galaxien während der Reionisation“, erklärte Yang. „Durch die Analyse ihres Lichts können wir die Bedingungen des intergalaktischen Mediums untersuchen, als das Universum nur ein paar hundert Millionen Jahre alt war.“
Das Euclid-Team erwartet, im Laufe der sechsjährigen Mission Hunderte weiterer entfernter Quasare zu finden. „Wir kratzen erst an der Oberfläche“, sagte Prof. John Smith, Euclid-Projektwissenschaftler bei der ESA.
FAQ: Euclids Entdeckung uralter Quasare
Was ist ein Quasar?
Ein Quasar ist der extrem helle, aktive Kern einer Galaxie, angetrieben von einem supermassereichen Schwarzen Loch, das Gas und Staub anzieht und dabei enorme Energie freisetzt.
Wie weit entfernt sind die neu entdeckten Quasare?
Die beiden Rekord-Quasare sind über 13 Milliarden Lichtjahre entfernt; wir sehen sie, wie sie nur 670 Millionen Jahre nach dem Urknall existierten.
Warum ist diese Entdeckung wichtig?
Sie liefert direkte Beobachtungsdaten aus der Kindheit des Universums und hilft zu verstehen, wie die ersten supermassereichen Schwarzen Löcher und Galaxien entstanden. Sie untersucht auch die Epoche der Reionisation.
Wie konnte Euclid sie finden, wo andere Teleskope scheiterten?
Euclids einzigartige Kombination aus weitem Blickfeld, hoher Infrarotempfindlichkeit und Auflösung ermöglicht es, lichtschwache, entfernte Objekte zu entdecken, die für andere Observatorien zu selten oder zu lichtschwach sind.
Was kommt als Nächstes?
Das Euclid-Team wird die Daten weiter analysieren und hunderte weiterer hochrotverschobener Quasare erwarten. Folgebeobachtungen mit dem James-Webb-Weltraumteleskop und bodengestützten Instrumenten liefern detaillierte Spektren und Bilder.
Quellen
- Yang, D. et al. (2026). Astronomy & Astrophysics. Zum Artikel
- ESA Euclid Pressemitteilung. Euclid-Konsortium Ankündigung
- Phys.org Bericht. Euclid uralte Quasare
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