Frankreich eröffnet Ermittlungen zu viralen Vinted-Kinderhandelsvorwürfen
Die französischen Behörden haben eine Voruntersuchung zu alarmierenden Behauptungen eingeleitet, dass der Second-Hand-Marktplatz Vinted für Kinderhandel genutzt werde. Die von der Staatsanwaltschaft Nanterre bei Paris eröffnete Untersuchung folgt auf eine Welle viraler Social-Media-Beiträge, die verdächtige Angebote zeigen, die von manchen Nutzern als verschlüsselte Anzeigen für Kinder interpretiert werden. Mehrere Recherchen – darunter Faktenchecks von Snopes und der deutschen Polizei – fanden jedoch keine glaubwürdigen Belege, die reale Angebote mit Menschenhandel in Verbindung bringen.
Vinted, die in Litauen ansässige Resale-Plattform mit über 1,1 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2025, hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Das Unternehmen erklärte, es habe nach einer internen Untersuchung 'keine glaubwürdigen Fälle gefunden, die Angebote mit Kinderhandel in Verbindung bringen', und wies darauf hin, dass viele der gemeldeten Beiträge absichtlich gefälscht oder von Trollen erstellt wurden, die versuchten, Täter zu fangen.
Wie sich die Vorwürfe verbreiteten
Die Kontroverse entbrannte Ende Juni 2026, als Social-Media-Influencer und Nutzer Screenshots von Vinted-Angeboten teilten, die verdächtig erschienen. Typische Beispiele umfassten ein Stofftier, das für Tausende Euro angeboten wurde, mit der Beschreibung 'Junge, 10 Monate, 70 cm'. Andere Angebote zeigten billige Gegenstände wie Fernbedienungen oder Plüschtiere mit ungewöhnlich hohen Preisen – manchmal über 30.000 Euro – gepaart mit Beschreibungen, die Alter, Größe oder Kleidungsgröße eines Kindes nannten.
Diese Angebote verbreiteten sich schnell auf Plattformen wie TikTok und X (ehemals Twitter). Nutzer behaupteten, Händler würden verschlüsselte Sprache verwenden, um Kinder über die Plattform zu verkaufen. Die französische Hochkommissarin für Kinderschutz, Sarah El Haïry, bezeichnete die Vorwürfe als 'erschütternd', falls sie sich bestätigten, und leitete verdächtige Konten an die Justiz weiter.
Faktenchecker finden keine Beweise
Trotz der weit verbreiteten Panik fanden unabhängige Faktenchecker keine Belege, dass tatsächlich Kinder zum Verkauf angeboten wurden. Snopes, die amerikanische Faktencheck-Website, untersuchte die Behauptungen und berichtete, keine derartigen Angebote auf Vinted gefunden zu haben. Auch die deutsche Polizei aus Dortmund ermittelte, fand aber 'starke Anzeichen', dass die Beiträge gefälscht waren.
In einem bemerkenswerten Fall kontaktierten französische Journalisten einen Verkäufer, der ein junges Mädchen anzubieten schien. Es stellte sich heraus, dass es sich um einen 17-jährigen Schüler handelte, der das Angebot gepostet hatte, um Pädophile zu überführen. Diese Enthüllung untergrub viele der viralsten Beispiele.
Vinteds eigene Untersuchung, unterstützt von der deutschen Faktencheck-Organisation Mimikama, kam zu dem Schluss, dass viele Beiträge entweder Trollaktionen – die die Öffentlichkeit täuschen sollten – oder legitime Angebote für Sammlerstücke waren, deren hohe Preise den tatsächlichen Marktwert widerspiegelten. Das Unternehmen erklärte: 'Wir verstehen die Besorgnis dahinter, aber ein solches Verhalten kommt einer Belästigung unschuldiger Verkäufer gleich.'
Vinteds Reaktion und Plattformsicherheit
Vinted hat mehrere Schritte als Reaktion auf die Vorwürfe unternommen: Entfernung von Konten, die gefälschte Angebote posteten, Sperrung von Nutzern, die Belästigung oder 'Fang'-Operationen betrieben, und volle Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden in Frankreich und Deutschland. Das Unternehmen bekräftigte, dass seine Nutzungsbedingungen den Verkauf von Menschen oder illegalen Gegenständen verbieten.
Vinted verzeichnete zudem eine Zunahme von beleidigenden Äußerungen gegenüber Verkäufern höherpreisiger Artikel und warnte, dass Bürgerwehrakte legitime Ermittlungen beeinträchtigen. Das Unternehmen betonte, dass seine automatisierten Systeme und menschlichen Moderatoren aktiv auf verdächtige Inhalte überwachen.
Frühere Überprüfungen von Vinted
Dies ist nicht das erste Mal, dass Vinted in Frankreich rechtlich geprüft wird. Zuvor wurde das Unternehmen nach Beschwerden untersucht, dass Verkäufer Käufer auf pornografische Websites verwiesen. Die Herausforderungen der Vinted-Plattformmoderation sind ein wiederkehrendes Problem, da das Unternehmen schnell wächst.
Vinteds explosives Wachstum – mit einem Bruttowarenwert von 10,8 Milliarden Euro im Jahr 2025 und der Expansion in die USA Anfang 2026 – hat die Aufmerksamkeit auf seine Sicherheitsmaßnahmen gelenkt. Das Unternehmen hat stark in Vertrauens- und Sicherheitsfunktionen investiert, darunter Vinted Pay und Vinted Go-Versand, aber die schiere Menge an Angeboten macht eine manuelle Überprüfung schwierig.
Auswirkungen auf Nutzer und den Second-Hand-Markt
Die falschen Vorwürfe hatten reale Konsequenzen. Unschuldige Verkäufer von Sammlerstücken oder Babyartikeln berichteten von hasserfüllten Nachrichten und Drohungen. Einige Nutzer haben aus Angst ihre Konten gelöscht. Die Sicherheitsbedenken auf Second-Hand-Marktplätzen sind bei europäischen Regulierungsbehörden in den Fokus gerückt.
Vinted verurteilte die Belästigung und erklärte: 'Diese Art von Verhalten kommt Einschüchterung gleich und schadet der Gemeinschaft.' Das Unternehmen forderte die Nutzer auf, verdächtige Angebote über offizielle Kanäle zu melden, anstatt selbst zu handeln.
Trotz fehlender Beweise bleibt die französische Untersuchung offen. Die Staatsanwaltschaft Nanterre wird weiterhin alle glaubwürdigen Hinweise prüfen. Experten raten derzeit zur Vorsicht bei der Interpretation viraler Behauptungen und empfehlen, sich für die Meldung von Verdachtsfällen auf offizielle Strafverfolgungsbehörden zu verlassen.
Häufig gestellte Fragen
Wird Vinted für Kinderhandel genutzt?
Es wurden keine glaubwürdigen Beweise gefunden, die Behauptungen stützen, dass Vinted für Kinderhandel genutzt wird. Mehrere Untersuchungen von Faktencheckern, der deutschen Polizei und Vinted selbst kamen zu dem Schluss, dass die viralen Angebote entweder gefälscht, Trollaktionen oder legitime Sammlerstücke waren.
Warum dachten Menschen, Vinted-Angebote seien für Kinder?
Einige Angebote für Spielzeug oder Babyartikel enthielten Beschreibungen mit Alter, Größe oder Gewicht – die manche Nutzer als verschlüsselte Referenzen auf Kinder interpretierten. Diese Angaben bezogen sich jedoch in der Regel auf die empfohlene Altersspanne des Spielzeugs oder die Größe der verkauften Babykleidung.
Was unternimmt Vinted gegen die Vorwürfe?
Vinted hat gefälschte Konten entfernt, Nutzer, die Hoax-Angebote posteten, gesperrt und arbeitet mit den französischen und deutschen Behörden zusammen. Das Unternehmen erklärte zudem, es habe keine Beweise für Menschenhandel auf seiner Plattform gefunden.
Was soll ich tun, wenn ich ein verdächtiges Angebot sehe?
Melden Sie das Angebot dem Vinted-Support und, falls Sie einen Straftatbestand vermuten, der örtlichen Polizei. Gehen Sie nicht auf den Verkäufer ein und belästigen Sie ihn nicht, da dies offizielle Ermittlungen beeinträchtigen kann.
Wurde Vinted schon früher untersucht?
Ja, Vinted war bereits früher in Frankreich Gegenstand von Untersuchungen, darunter eine Prüfung von Beschwerden, dass Verkäufer Nutzer auf pornografische Websites verwiesen. Das Unternehmen hat seitdem seine Inhaltsmoderationsrichtlinien verschärft.
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