Lina Attalah nach 50.000-Euro-Geldstrafe frei

Lina Attalah von Mada Masr ist nach einer Geldstrafe von 50.000 Euro frei. Ägyptens Pressefreiheit erleidet einen weiteren Schlag, das Portal soll schließen.

Lina Attalah nach 50.000-Euro-Geldstrafe frei
Teilen
Artikel teilen Wähle ein Netzwerk oder eine App auf deinem Gerät.
E-Mail

Ausgabe: DE

Die Pressefreiheit in Ägypten hat einen weiteren Rückschlag erlitten: Lina Attalah, Chefredakteurin des unabhängigen Nachrichtenportals Mada Masr, wurde am 27. Oktober 2026 freigelassen, nachdem sie eine Geldstrafe von rund 50.000 Euro (3 Millionen ägyptische Pfund, etwa 53.400 Dollar) gezahlt hatte. Ein Gericht in Neu-Kairo verurteilte sie wegen des Betriebs einer Website ohne Lizenz und ordnete die Schließung des Portals sowie die Beschlagnahme der Ausrüstung an. Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Urteil umgehend.

Wer ist Lina Attalah und was ist Mada Masr?

Attalah ist eine preisgekrönte ägyptische Journalistin und Mitgründerin von Mada Masr, das 2013 startete und als letzte Bastion kritischen Journalismus in Ägypten gilt. Das Time-Magazin zählte sie 2020 zu den 100 einflussreichsten Menschen; zudem erhielt sie den Knight International Journalism Award des International Center for Journalists. Mada Masr publiziert auf Englisch und Arabisch über politisch heikle Themen und ist seit 2017 in Ägypten blockiert, bleibt im Ausland und per VPN jedoch erreichbar.

Der Fall ist Teil einer breiteren Medienkampagne in Ägypten, die seit Jahren unabhängige Medien ins Visier nimmt. Mada Masr beantragte 2018 und 2020 eine Lizenz, erhielt laut Amnesty International jedoch keine Antwort; eine Ablehnung 2022 blieb unbegründet.

Was geschah im Gerichtssaal?

Attalah wurde unmittelbar nach der Urteilsverkündung am 27. Oktober im Gerichtssaal festgenommen. Die Anhörung war überstürzt und fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt; laut Mada Masr räumte der Richter den Saal, lehnte alle Verfahrensanträge der Verteidigung ab – darunter Beweisanträge und Zeugenaufrufe – und ersetzte ihren Anwalt gegen ihren Willen. Das Gericht verurteilte sie nach Artikel 105 des Mediengesetzes von 2018 und verhängte die Höchststrafe.

Der HRW-Forscher Bassam Khawaja nannte die Verurteilung eine völlige Farce der Justiz und warf der Regierung von Präsident Abdel Fattah al-Sisi vor, unabhängige Medien auszuschalten. Amnesty-Vertreterin Yasmine Ahmed sprach von einem schweren Schlag gegen die Pressefreiheit.

Ägyptens Pressefreiheitskrise 2026

Ägypten belegt im Pressefreiheitsindex 2026 von Reporter ohne Grenzen (RSF) Platz 169 von 180 Ländern, mit einer Punktzahl von nur 24,92. Mindestens 18 Journalisten waren laut dem jüngsten RSF-Bericht inhaftiert, und die meisten Medien sind staatsnah. Dem Urteil gegen Attalah vorausgegangen war die Inhaftierung von sechs Journalisten einer Investigativplattform im vergangenen Monat – ein Beleg dafür, wie Pressefreiheit in Ägypten 2026 weiter erodiert.

Attalah erfuhr zudem, dass sie 2024 in Abwesenheit zu einem Jahr Haft verurteilt wurde; eine Wiederaufnahme ist für den 11. November 2026 angesetzt. Ihr Team will trotz Schließungsanordnung weiter berichten, die Journalistengewerkschaft kündigte Berufung an.

Was das Urteil für den unabhängigen Journalismus bedeutet

Die Schließung von Mada Masr beseitigt eine der letzten unabhängigen Stimmen in Ägypten und schafft einen gefährlichen Präzedenzfall für die Medienfreiheit in der Region. Anders als unabhängiger Journalismus unter autoritärer Herrschaft in einigen Nachbarländern wird das ägyptische Lizenzrecht genutzt, um Widerspruch zu ersticken statt Medien zu regulieren. Internationale Organisationen fordern westliche Regierungen auf, den Vorgang zu verurteilen und Kairo zur Aufhebung des Urteils zu drängen.

Häufig gestellte Fragen

Warum wurde Lina Attalah verhaftet?

Sie wurde wegen des Betriebs von Mada Masr ohne Lizenz verurteilt und im Gerichtssaal festgehalten, bis die Strafe von 50.000 Euro gezahlt war.

Wie hoch war die Geldstrafe?

Das Gericht verhängte die Höchststrafe von 3 Millionen ägyptischen Pfund, rund 50.000 Euro oder 53.400 Dollar.

Ist Mada Masr noch online?

Die Seite ist außerhalb Ägyptens und per VPN weiter erreichbar, das Gericht ordnete jedoch Schließung und Beschlagnahme an.

Welchen Rang hat Ägypten bei der Pressefreiheit?

Platz 169 von 180 im RSF-Index 2026, mit 24,92 Punkten.

Wie geht es weiter?

Am 11. November 2026 beginnt die Wiederaufnahme zum Urteil von 2024; Mada Masr will Berufung einlegen.

Eng verwandt