Das Oberste Gericht Russlands hat die liberale Oppositionspartei Jabloko von den Parlamentswahlen im nächsten Monat ausgeschlossen und damit die letzte registrierte politische Kraft eliminiert, die den Krieg in der Ukraine offen ablehnt. Das Urteil vom Montag, dem 10. August 2026, markiert eine entscheidende Eskalation des anhaltenden Durchgreifens gegen russische Dissidenten im Vorfeld der Duma-Wahl vom 18. bis 20. September.
Warum wurde Jabloko ausgeschlossen?
Die Klage gegen Jabloko, eingereicht von der nationalistischen Kreml-Partei Rodina, stützte sich auf Urheberrechtsverletzung (Zitate sowjetischer Lieder ohne Erlaubnis) und angebliche Unterstützung der 2023 in Russland verbotenen LGBT-Bewegung. Zudem behauptete die Finanzaufsicht Rosfinmonitoring, die Partei habe etwa 16.900 Rubel (205 Dollar) illegale ausländische Spenden über Mittelsmänner in den USA und Deutschland erhalten. Jabloko-Chef Nikolai Rybakov nannte das Verfahren „historisch", da nie zuvor eine zugelassene Partei disqualifiziert wurde. Die Partei, die erst im Juli zur Wahl zugelassen worden war und in Umfragen die 5%-Hürde überspringen konnte, wäre erstmals seit 2003 in die Duma eingezogen.
Ein breiteres Muster der Unterdrückung vor der Wahl
Die Disqualifikation ist Teil einer Reihe von Manövern, um Anti-Kriegs-Stimmen in Russland vor der Wahl zu unterdrücken. Dutzende Jabloko-Kandidaten waren bereits von regionalen Wahllisten gestrichen worden, und einige Parteimitglieder müssen mit langen Haftstrafen rechnen. Der Moskauer Stadtrat Alexei Kruglov verbüßt sieben Jahre Straflager, weil er angeblich „Falschinformationen" über das Militär verbreitete, nachdem er eine Untersuchung der Massaker an Zivilisten in Butscha gefordert hatte.
Kirill Rumjanzew, Duma-Kandidat und Vizechef der Jabloko-Filiale Saratow, veröffentlichte am Tag vor dem Gerichtsurteil ein erschütterndes Telegram-Video, in dem er mitteilte, dass er und seine Familie seit dem 6. August Morddrohungen erhalten. Er betonte, er führe ein gesetzestreues Leben und habe keine Selbstmordgedanken – offenbar eine präventive Warnung an Anhänger.
Internationale Reaktionen und Antwort der Opposition
Hunderte Jabloko-Anhänger versammelten sich vor dem Moskauer Gericht und riefen „Schande!", während das Urteil verlesen wurde. Dies zeigt den anhaltenden Wunsch nach politischem Pluralismus, selbst während der Kreml die demokratische Opposition Russlands systematisch zerschlägt.
Julia Nawalnaja, Witwe des verstorbenen Oppositionsführers Alexej Nawalny, reagierte umgehend in den sozialen Medien: „Der Kreml hat Angst. Sie wissen, dass Jabloko für Millionen Russen spricht, die Frieden und Freiheit wollen, und genau deshalb lassen sie sie nicht antreten." Jabloko kündigte Berufung an, obwohl Rechtsexperten wenig Erfolgschancen einräumen.
Was das für die Septemberwahlen bedeutet
Mit Jabloko ausgeschlossen, unterstützen alle zehn verbliebenen Parteien offen den Ukraine-Krieg oder enthalten sich jeder Kritik. Die Regierungspartei Einiges Russland unter Ex-Präsident Dmitri Medwedew dürfte ihre Verfassungsmehrheit (derzeit 314 von 450 Sitzen) behalten. Die Wahl findet vom 18. bis 20. September statt, mit ausgeweiteter elektronischer Fernabstimmung in rund der Hälfte der Regionen – ein von unabhängigen Beobachtern als manipulationsanfällig kritisiertes System.
Analysten sehen den Schritt des Kremls auch durch sinkende Zustimmungswerte für Einiges Russland und Kriegsmüdigkeit begründet. Schon eine kleine liberale Gefahr erscheint unerträglich. Durch den Ausschluss Jablokos könnte zudem die Wahlbeteiligung gedrückt werden – ein traditionelles Mittel, um einen komfortablen Sieg der Machthaber sicherzustellen. Die Parlamentswahlen in Russland 2026 scheinen nun eher einer Krönung als einem echten Wettbewerb zu gleichen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die Jabloko-Partei?
Die sozialliberale Jabloko-Partei (gegründet 1993) ist die einzige registrierte Partei, die den Ukraine-Krieg und den autoritären Kurs offen kritisiert. Sie war von 1993 bis 2003 in der Duma vertreten.
Warum wurde Jabloko von den Wahlen 2026 ausgeschlossen?
Das Oberste Gericht befand, Jabloko habe gegen Wahlrecht verstoßen (Urheberrechtsverletzung, Unterstützung einer extremistischen Organisation, ausländische Spenden). Geklagt hatte Rodina.
Kann Jabloko gegen die Entscheidung Berufung einlegen?
Ja, aber wegen der Justizkontrolle des Kremls sind die Erfolgsaussichten gering.
Wie haben internationale Beobachter reagiert?
Menschenrechtsorganisationen und westliche Regierungen verurteilten die Entscheidung als Zeichen schrumpfender politischer Freiheit. Reaktionen von EU und USA werden erwartet.
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