Russland verurteilt Jabloko-Vize zu 11 Jahren Straflager

Russland verurteilt Jabloko-Vize Lew Schlosberg zu 11 Jahren Straflager wegen Antikriegs-Posts. Lesen Sie mehr über die Repression des Kremls gegen Opposition.

Russland verurteilt Jabloko-Vize zu 11 Jahren Straflager
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Ausgabe: DE

Russland hat Lew Schlosberg, stellvertretender Vorsitzender der Oppositionspartei Jabloko, zu 11 Jahren und 1 Monat Straflager verurteilt – ein Urteil, das Menschenrechtsgruppen als politisch motivierten Angriff auf die letzte registrierte Antikriegspartei des Landes bezeichnen. Das Stadtgericht von Pskow verkündete das Urteil am 17. August 2026, nachdem es den 63-jährigen Politiker der Diskreditierung der russischen Streitkräfte und der Verbreitung falscher Informationen über das Militär schuldig gesprochen hatte, so NOS. Der Fall unterstreicht, wie die russische Opposition im Vorfeld der Parlamentswahlen im September mundtot gemacht wurde.

Wer ist Lew Schlosberg?

Lew Schlosberg ist seit 1994 Mitglied von Jabloko und war Regionalabgeordneter in Pskow. Er hat sich lange gegen den Krieg in der Ukraine eingesetzt, was ihn zur Zielscheibe der russischen Kriegszensurgesetze machte. Am 3. Dezember 2025 wurde er nach dem Gesetz über „Fake News“ angeklagt – wegen eines Telegram-Posts vom Februar 2022, der eine blutüberströmte ukrainische Frau neben Präsident Putin mit der Bildunterschrift „Ihr Blut ... Seine Hände“ zeigte. Der Vorwurf der Diskreditierung stammt aus einer Debatte, in der Schlosberg einen sofortigen Waffenstillstand forderte. Sein Fall steht in einem größeren Muster, bei dem Russlands Antikriegs-Opposition strafrechtlich verfolgt wird, weil sie ihre Stimme erhebt.

Warum wurde Schlosberg verurteilt?

Die Staatsanwaltschaft hatte 12 Jahre und 1 Monat gefordert. Das Gericht verurteilte Schlosberg nach zwei Artikeln des russischen Strafgesetzbuches: Teil 1 von Artikel 280.3, der die Diskreditierung der Streitkräfte unter Strafe stellt, und Teil 2 von Artikel 207.3, der die Verbreitung falscher Informationen über das Militär betrifft. Schlosberg wies alle Anklagepunkte zurück und bezeichnete den Prozess als Bestrafung für seine politische, öffentliche und zivile Haltung. In seinen letzten Worten warnte er: „Früher oder später werden die genaue und vollständige Zahl der Todesopfer bekannt werden, und auch die Namen. Dann wird das ganze Land beim Anblick der Liste der Märtyrer erzittern.“ Jabloko kündigte Berufung gegen das Urteil an.

Russlands Vorgehen gegen Antikriegsstimmen

Das Urteil ist das jüngste in einer Reihe harter Strafen gegen Kreml-Kritiker seit Beginn der umfassenden Invasion der Ukraine im Jahr 2022. Die folgende Tabelle vergleicht einige der bekanntesten Fälle.

PersonAusgang
Lew Schlosberg11 Jahre und 1 Monat Straflager (2026)
Oleg Orlow2,5 Jahre Gefängnis (2024)
Maxim Kruglow7 Jahre Gefängnis
Alexej NawalnyStarb in einem arktischen Straflager (2024)

Der Menschenrechtsaktivist Oleg Orlow wurde 2024 wegen Kritik am Krieg inhaftiert. Alexej Nawalny, Russlands bekanntester Oppositionsführer, starb im selben Jahr in einem arktischen Straflager; Verbündete und fünf europäische Länder, darunter die Niederlande, sagen, er sei auf Putins Befehl vergiftet worden. Mediazona und die BBC, die russische Militärtote anhand offener Quellen verfolgen, haben bis Mitte August 2026 mindestens 239.354 Tote bestätigt, wobei Schätzungen auf der Grundlage von Erbschaftsakten bis zu 350.000 erreichen. Während der Krieg in der Ukraine weitergeht, ist offener Dissens nahezu unmöglich geworden.

Auswirkungen auf Russlands politische Landschaft

Das Urteil erging nur wenige Tage, nachdem das Oberste Gericht Russlands Jabloko von den Parlamentswahlen im September ausgeschlossen hatte und damit die einzige registrierte Partei entfernte, die den Krieg ablehnte. Kritiker sagen, der Kreml fürchte, dass selbst ein leiser Antikriegswille die öffentliche Unzufriedenheit offenbaren könnte. Das Jabloko-Parteiverbot und die Inhaftierung Schlosbergs signalisieren gemeinsam, dass die Behörden vor der Duma-Wahl 2026 keine organisierte Opposition dulden werden. Alle zehn weiteren für die Wahl registrierten Parteien unterstützen den Krieg oder kritisieren ihn nicht offen.

Häufig gestellte Fragen

Wie lang ist die Haftstrafe von Lew Schlosberg?

Er wurde zu 11 Jahren und 1 Monat Straflager verurteilt.

Wofür wurde Lew Schlosberg angeklagt?

Er wurde wegen Diskreditierung der russischen Streitkräfte und Verbreitung falscher Informationen über das Militär verurteilt.

Welcher Partei gehört Lew Schlosberg an?

Er ist stellvertretender Vorsitzender von Jabloko, Russlands letzter registrierter Antikriegs-Oppositionspartei.

Wird Jabloko Berufung einlegen?

Ja, die Partei hat angekündigt, gegen das Urteil gegen Schlosberg Berufung einzulegen.

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