UK prüft Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16

Die britische Regierung startet eine Konsultation über ein mögliches Verbot sozialer Medien für unter 16-Jährige, nach australischem Vorbild. Der Druck von Eltern und Politikern wächst in der Debatte über den Online-Schutz von Kindern.

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Britische Regierung startet Konsultation zu Altersgrenze für soziale Medien

Die britische Regierung hat eine formelle Konsultation über ein mögliches Verbot sozialer Medien für Kinder unter 16 Jahren eingeleitet, in Anlehnung an die bahnbrechende australische Gesetzgebung. Technologieministerin Liz Kendall kündigte den Schritt an, während der Druck von trauernden Eltern, Parlamentsabgeordneten und Kinderschutzorganisationen für strengere Online-Kontrollen zunimmt.

Die Konsultation wird mehrere Optionen prüfen, darunter die Einführung einer Altersgrenze für soziale Medien, Durchsetzungsmechanismen, Beschränkungen für Tech-Unternehmen beim Zugriff auf Daten junger Nutzer und die Einschränkung süchtig machender Funktionen wie endloses Scrollen und 'Streaks'. Minister planen einen Besuch in Australien, um deren Ansatz zu studieren, wo 10 große Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok und YouTube Geldstrafen von bis zu 25 Millionen Pfund riskieren, wenn sie das Verbot für Unter-16-Jährige nicht einhalten.

Druck von trauernden Eltern und Politikern

Die Ankündigung erfolgt nach starker Unterstützung durch Esther Ghey, Mutter der ermordeten transsexuellen Teenagerin Brianna Ghey, die beschrieb, wie soziale Medien die psychischen Gesundheitsprobleme ihrer Tochter verschlimmerten. 'Im Fall von Brianna schränkten soziale Medien ihre Fähigkeit ein, in der realen Welt Kontakte zu knüpfen. Sie hatte echte Freunde, entschied sich aber dafür, online zu leben,' schrieb Ghey in einem Brief, der von der BBC eingesehen wurde.

Mehr als 60 Labour-Abgeordnete haben ebenfalls einen Brief an Premierminister Keir Starmer geschickt, in dem sie ein Verbot fordern, während die konservative Parteichefin Kemi Badenoch versprochen hat, dass ihre Partij solche Beschränkungen einführen würde, wenn sie nach den nächsten Wahlen an die Macht käme.

Australiens bahnbrechende Gesetzgebung

Australien wurde im Dezember 2025 das erste Land, das ein umfassendes Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige umsetzte. Die Gesetzgebung zielt auf große Plattformen wie Facebook, Instagram, TikTok, YouTube, Snapchat, Reddit und X ab, die Altersverifizierungsmaßnahmen implementieren oder erhebliche Geldstrafen riskieren müssen.

Laut NPR beschrieb der australische Premierminister Anthony Albanese die Reform als Familien, die 'die Macht von großen Tech-Unternehmen zurückgewinnen' und Kinder, die 'ihre Kindheit haben können'. Frühe Berichte deuten darauf hin, dass das Verbot in Australien bereits zu mehr als 200.000 TikTok-Kontodeaktivierungen geführt hat.

Umsetzungsherausforderungen und Kritik

Während Befürworter die Konsultation als entscheidenden Schritt zum Schutz von Kindern im Internet begrüßen, argumentieren Kritiker, dass solche Verbote zu stumpf sind und unbeabsichtigte Folgen haben könnten. Einige Experten weisen darauf hin, dass es 'keine starken Beweise' dafür gibt, dass altersbezogene Verbote wirksam sind, während sich 42 Kinderschutzorganisationen gegen ein allgemeines Verbot ausgesprochen haben, mit der Begründung, dass es 'Symptome behandelt, nicht das Problem.'

Die Umsetzungsherausforderungen bleiben erheblich, insbesondere im Bereich der Altersverifizierungstechnologie. Einige Kinder haben bereits versucht, die australischen Beschränkungen zu umgehen, indem sie Gesichtsbehaarung gezeichnet oder Identitäten älterer Geschwister verwendet haben.

Breiterer Kontext digitaler Medien und psychische Gesundheit

Die Debatte findet vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über die Auswirkungen digitaler Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen statt. Untersuchungen der Universität Sydney zeigen, dass soziale Medien zwar eine Schlüsselrolle dabei spielen, wie Jugendliche Identitäten bilden und Freundschaften pflegen, übermäßiger Nutzung jedoch mit erhöhten Raten von Angstzuständen, Depressionen und Körperbildproblemen bei Jugendlichen in Verbindung gebracht wird.

Die britische Regierung wird auch Ofsted beauftragen, die Schulpolitik für Mobiltelefone zu untersuchen und Bildschirmzeitrichtlinien für Eltern zu erstellen. Schulen sollen unter den neuen Vorschlägen 'standardmäßig telefonfrei' sein.

Die Konsultation wird Meinungen von Eltern, Jugendlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sammeln, eine Regierungsantwort wird für den Sommer 2026 erwartet. Wie Premierminister Starmer bemerkte: 'Keine Optionen sind ausgeschlossen, wenn es darum geht, unsere Kinder online zu schützen.'

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