Australien sperrt 4,7 Millionen Social-Media-Konten von Minderjährigen

Australiens weltweite Premiere: Das Verbot von Social Media für unter 16-Jährige hat im ersten Monat 4,7 Millionen Konten offline genommen und löst weltweit politische Diskussionen aus.

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Australisches Social-Media-Verbot zeigt erste Ergebnisse

In einer wegweisenden Maßnahme, die weltweit von Regierungen beobachtet wird, hat Australien im ersten Monat des historischen Verbots etwa 4,7 Millionen Social-Media-Konten von Kindern unter 16 Jahren gelöscht oder den Zugang eingeschränkt. Der australische Aufseher eSafety veröffentlichte diese vorläufigen Ergebnisse, die die erste große Bewertung der weltweit strengsten Altersbeschränkungen für soziale Medien darstellen.

Beispiellose regulatorische Aktion

Das australische Gesetz, das am 10. Dezember 2025 in Kraft trat, verpflichtet Social-Media-Plattformen, "angemessene Schritte" zu unternehmen, um zu verhindern, dass Australier unter 16 Jahren Konten erstellen oder behalten. Die Gesetzgebung gilt für zehn große Plattformen, darunter Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat, X (ehemals Twitter), YouTube, Threads, Reddit, Twitch und Kick. Unternehmen riskieren bei Nichteinhaltung Geldstrafen von bis zu 49,5 Millionen AUD (etwa 30 Millionen Euro).

eSafety-Kommissarin Julie Inman Grant erklärte: 'Diese ersten Ergebnisse zeigen, dass große Plattformen bedeutende Schritte unternehmen, um zu verhindern, dass Jugendliche unter 16 Jahren Konten haben. Obwohl wir wissen, dass einige Konten noch aktiv sind und die Einhaltung noch bewertet wird, stellt dies einen bedeutenden Fortschritt dar.'

Globale Auswirkungen

Australiens mutiger Schritt hat weltweit eine Welle ähnlicher Vorschläge ausgelöst. Länder wie Dänemark, Norwegen, Griechenland, Frankreich und Malaysia haben Pläne für ähnliche Beschränkungen angekündigt, während die Europäische Kommission kontinentweite Maßnahmen erwägt. Der britische Online Safety Act verpflichtet ebenfalls zu strengeren Altersverifizierungsstandards.

In den Niederlanden spiegelt die Situation eine wachsende europäische Besorgnis wider. Im Mai 2025 unterzeichneten 1.400 Ärzte, Wissenschaftler und Gesundheitsexperten einen offenen Brief, in dem sie Politiker aufforderten, gesetzliche Altersbeschränkungen einzuführen. Das geschäftsführende Kabinett empfahl, Social Media und Smartphone-Nutzung erst ab 15 Jahren zu erlauben, obwohl dies eine Richtlinie und kein Gesetz bleibt.

Psychische Gesundheit treibt Politik an

Das australische Gesetz wurde durch zunehmende Beweise für die Auswirkungen sozialer Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen vorangetrieben. Von der Regierung zitierte Forschungsergebnisse zeigen, dass 96 % der australischen Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren soziale Medien nutzen, wobei 70 % schädlichem Material ausgesetzt sind. Premierminister Anthony Albanese betonte: 'Wir ergreifen diese Maßnahme, um unsere Kinder vor dem Druck, der Angst und der Kriminalität zu schützen, die mit der Nutzung sozialer Medien einhergehen können.'

Kritiker weisen jedoch auf Herausforderungen hin. Oppositionspolitiker stellen fest, dass einige Konten reaktiviert wurden und Altersverifizierungstools umgangen werden können. Datenschutzbefürworter äußern Bedenken hinsichtlich der Datenerfassung durch Gesichtserkennung und staatliche ID-Verifizierungsmethoden, die von Plattformen implementiert werden.

Industriereaktion und Implementierungsherausforderungen

Social-Media-Unternehmen haben verschiedene Ansätze zur Einhaltung gewählt. Meta gab an, fast 550.000 Konten auf Facebook, Instagram und Threads blockiert zu haben. Plattformen nutzen Technologien wie staatliche ID-Verifizierung, Gesichtserkennung und Altersinferenzalgorithmen, anstatt sich auf Selbstzertifizierung zu verlassen.

Industriegruppen haben Bedenken hinsichtlich Implementierungsschwierigkeiten und Datenschutzrisiken geäußert. Einige Unternehmen erwägen rechtliche Herausforderungen und behaupten, dass die Technologie für eine zuverlässige Altersverifizierung noch nicht ausgereift genug sei. Unterdessen warnen Experten, dass entschlossene Teenager Beschränkungen mit VPNs oder gefälschten Konten umgehen könnten.

Ausblick

Die tatsächliche Auswirkung der australischen Altersbeschränkungen für soziale Medien wird sich über Jahre hinweg zeigen, so Kommissarin Inman Grant. eSafety führt in Zusammenarbeit mit Experten für Jugendpsychiatrie eine Längsschnittbewertung durch, um die Generationeneffekte der Politik zu bewerten.

Während andere Länder Australiens Experiment verfolgen, geht die Debatte über den Ausgleich zwischen Kinderschutz und digitalen Rechten weiter. Mit 4,7 Millionen betroffenen Konten hat Australien einen entscheidenden Schritt unternommen, um die Beziehung von Kindern zu sozialen Medien im digitalen Zeitalter neu zu definieren.

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