Bis Anfang 2026 hat sich das Rennen um kritische Rohstoffe von einem industriepolitischen Streit zum entscheidenden Schauplatz des globalen geowirtschaftlichen Wettbewerbs entwickelt. China kontrolliert über 60 % der Seltene-Erden-Verarbeitung und rund 70 % der Lithiumraffinerie, so Einschätzungen von 2026, während die USA und die EU alternative Minen in Australien, Kanada und Chile finanzieren. Neue Zölle, Exportkontrollen und Bevorratungsinitiativen zeichnen Lieferketten neu und formen Allianzen für das kommende Jahrzehnt.
Das geopolitische Schlachtfeld
Das Rennen um kritische Rohstoffe bei Lithium, Kobalt und Seltenen Erden dreht sich längst nicht mehr nur um Fördermengen: Die Kontrolle über Raffinerie und Batteriematerialien bestimmt den strategischen Vorteil. UNCTAD erwartet bis 2040 einen Anstieg der Lithiumnachfrage um über 350 % und der Graphitnachfrage um mehr als 130 %. Bergbau-M&A erreichte im ersten Quartal 2026 rund 21,6 Milliarden Dollar – der stärkste Auftakt seit 2023. Die VAE verlassen am 1. Mai 2026 die OPEC; Yuan-Ölkontrakte erreichen rund 24 % der täglichen Brent-Volumina.
Chinas 15. Fünfjahresplan als geowirtschaftlicher Hebel
Chinas 15. Fünfjahresplan (2026–2030) erhebt Seltene Erden und kritische Mineralien ausdrücklich zu Instrumenten staatlicher Macht. Peking kontrolliert schätzungsweise 85–90 % der Verarbeitung Seltener Erden und 99 % der Raffinerie schwerer Seltener Erden. Der Plan verschärft Exportkontrollen und baut auf den Beschränkungen von Oktober 2025 auf, die 12 von 17 Elementen, Fertigmagnete und Verarbeitungstechnologien betrafen. Seit 2025 fielen Genehmigungsquoten für europäische Firmen unter 25 %, während Preise außerhalb Chinas um das Sechsfache stiegen.
Westliche Gegenmaßnahmen: FORGE und Project Vault
Die USA antworteten im Februar 2026 mit der FORGE-Initiative, einer Zone für Vorzugshandel und -investitionen mit Preisuntergrenzen in 54 Ländern, sowie mit Project Vault, einer 10-Milliarden-Dollar-Reserve kritischer Rohstoffe unter Beteiligung von EXIM. Elf neue bilaterale Abkommen – darunter Argentinien, Marokko und die DR Kongo – brachten die Gesamtzahl binnen fünf Monaten auf 21. Analysten warnen jedoch, der Aufbau westlicher Kapazitäten könne 20–30 Jahre dauern – bei einem geopolitischen Zeitfenster von 12–18 Monaten.
EU: Critical Raw Materials Act und strategische Autonomie
Der Critical Raw Materials Act der EU trat am 23. Mai 2024 in Kraft und setzt Ziele für 2030: 10 % heimische Förderung, 40 % Verarbeitung und 25 % Recycling, wobei höchstens 65 % eines strategischen Rohstoffs aus einem Land stammen dürfen. Bis 2026 hat die EU 60 strategische Projekte ausgewählt, doch über 80 % der europäischen Firmen hängen weiter von chinesischen Lieferketten ab. Europa ist bei 98 % des Seltene-Erden-Bedarfs und 97 % der Lithiumversorgung von China abhängig.
Auswirkungen auf Lieferketten und Allianzen
Das Ringen um Lithium, Kobalt und Seltene Erden schmiedet neue Allianzen. Australien und Kanada kündigten im März 2026 eine Partnerschaft für kritische Rohstoffe an, die Exploration, Förderung, Verarbeitung und Bevorratung integriert. Australiens 4-Milliarden-Dollar-Fazilität und eine Reserve von 1,2 Milliarden Dollar ergänzen Kanadas Staatsfonds. Chinas Exportkontrollen von Juni 2026 sperrten zehn US-Firmen aus und ließen die Seltene-Erden-Lieferungen in die USA auf null fallen.
Expertenmeinungen und Risiken
Analysten warnen, eine vollständige Durchsetzung von Chinas Kontrollen könnte 6,5 Billionen Dollar nachgelagerter Produktion gefährden. „Das Zeitfenster für den Aufbau westlicher Verarbeitungskapazitäten schrumpft auf 12–18 Monate”, sagte ein in Brüssel ansässiger Handelsanalyst. „Ohne beschleunigte Investitionen tauscht der Westen eine Abhängigkeit gegen eine andere.”
Häufig gestellte Fragen
Was sind kritische Rohstoffe?
Kritische Rohstoffe – Lithium, Kobalt, Seltene Erden, Graphit, Nickel – sind für saubere Energie, Verteidigung und digitale Technologien unverzichtbar und mit hohem Versorgungsrisiko verbunden.
Warum ist China bei kritischen Rohstoffen dominant?
China investierte seit 2000 rund 57 Milliarden Dollar, baute 85–90 % der Seltene-Erden-Verarbeitung und etwa 70 % der Lithiumraffineriekapazität auf und nutzt Exportkontrollen als Hebel.
Was ist der EU Critical Raw Materials Act?
Der CRMA ist eine EU-Verordnung von 2024 mit den Zielen 10 % Förderung, 40 % Verarbeitung und 25 % Recycling bis 2030.
Was sind FORGE und Project Vault?
FORGE ist ein US-geführtes Forum von 54 Nationen mit Preisuntergrenzen. Project Vault ist eine 10-Milliarden-Dollar-Reserve kritischer Rohstoffe unter Beteiligung von EXIM.
Fazit: Ein Jahrzehnt neuer Abhängigkeiten
Ende 2026 hat das Rennen um kritische Rohstoffe eine fragmentierte, freundschaftlich verlagerte Lieferkette hervorgebracht – aber keine entkoppelte. Das kommende Jahrzehnt entscheidet sich daran, ob die USA, die EU und ihre Partner schnell genug westliche Verarbeitungskapazitäten aufbauen können – oder ob neue Abhängigkeiten von Golf- und australischen Zwischenhändlern alte nur ersetzen.
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