Im Q1 2026 fiel der US-Dollar-Anteil an den globalen Währungsreserven erstmals seit 1995 unter 57 % – auf 56,92 % laut IWF-COFER-Daten. Parallel ging die BRICS-Finanzinfrastruktur in Betrieb: mBridge verarbeitete 55,5 Mrd. USD, BRICS Pay startete als SWIFT-Alternative, und The Unit begann mit der Abwicklung des Intra-BRICS-Handels. Saudi-Arabien und die VAE berechnen Energieexporte nach China teils in Yuan, über 67 % des inner-BRICS-Handels läuft in Lokalwährungen. Steht die Welt vor einer multipolaren Währungsordnung – oder vor einem fragmentierten System mit dem Dollar als Erstem unter Gleichen?
Was treibt den Dollarrückgang?
Die IWF-COFER-Daten zeigen den Dollaranteil bei 56,92 %, nach 58,2 % im Q3 2025. Der Rückgang hält acht Quartale an. Auslöser war laut Analysten das Einfrieren von rund 300 Mrd. USD russischer Reserven 2022. Zentralbanken kauften 2025 laut World-Gold-Council-Daten 1.237 Tonnen Gold; China, Russland und Brasilien reduzierten ihre US-Staatsanleihen. Der Dollar bleibt mit 88 % Devisenhandel dominant, doch die Diversifizierung nimmt zu.
mBridge: Das CBDC-Rückgrat der BRICS
mBridge ist eine Multi-CBDC-Plattform Chinas, Hongkongs, Thailands, der VAE und Saudi-Arabiens. Sie wickelt Zahlungen über ein eigenes Distributed Ledger in unter 10 Sekunden ab, bei bis zu 98 % geringeren Kosten. Bis Anfang 2026 verarbeitete sie 55,5 Mrd. USD in über 4.000 Transaktionen; rund 95 % entfallen auf den digitalen Yuan. Das BIS Innovation Hub zog sich Ende 2024 zurück. Die Plattform ist zentral für die BRICS-Dedollarisierungsstrategie.
BRICS Pay und The Unit: Parallele Zahlungsschienen
BRICS Pay soll beim Gipfel in Neu-Delhi (September 2026) vollständig starten. Es verbindet Pix, SPFS, CIPS und UPI ohne zentrale Steuerung. The Unit ist ein goldgedeckter Token, besichert zu 40 % mit Gold und 60 % mit einem BRICS-Währungskorb; Transaktionen dauern auf Cardano weniger als 60 Sekunden und kosten 0,10 USD. Piloten verarbeiten monatlich 2,5 Mrd. USD. Die BRICS-Zahlungsinfrastruktur umgeht SWIFT und senkt die Dollarabhängigkeit.
Petrodollar-Erosion: Ölhandel in Yuan
Saudi-Arabien und die VAE wickeln Teile ihrer Energieexporte nach China in Yuan ab – ein Ausbau der saudi-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. Laut Außenminister Lawrow übersteigt der inner-BRICS-Handel in Lokalwährungen 67 %; der Yuan könnte bis Ende 2026 rund 24 % der Abrechnungen stellen. Ölpreis-Benchmarks bleiben jedoch dollar-denominiert.
Multipolar oder fragmentiert?
Ökonomen sprechen von kontrollierter Fragmentierung statt Dollarkollaps. Der Dollar wickelt 88 % der Devisentransaktionen ab, und der US-Anleihemarkt bleibt der tiefste und liquideste. Washington drohte mit 100 % Zöllen auf eine BRICS-Gemeinschaftswährung. mBridge, BRICS Pay und The Unit sind parallele Systeme, die den Dollar nicht ersetzen. „Das ist die Geburt eines parallelen Systems, nicht der Kollaps des alten“, sagte ein Experte. Die Transformation des globalen Währungssystems ist zweigleisig: westliches Agorá-Projekt versus BRICS-Schienen.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Dollaranteil an den Reserven?
Laut IWF-COFER liegt er im Q1 2026 bei 56,92 % – der niedrigste Stand seit 1995.
Was ist mBridge?
Eine Multi-CBDC-Plattform für grenzüberschreitende Zahlungen; sie hat 55,5 Mrd. USD verarbeitet, 95 % in e-CNY.
Was ist The Unit?
Ein goldgedeckter digitaler Abwicklungstoken der BRICS+, der Zahlungen in unter 60 Sekunden abwickelt.
Endet das Petrodollar-System?
Noch nicht. Einige Energieexporte werden in Yuan bezahlt, aber die Ölpreis-Benchmarks bleiben dollar-denominiert.
Kollabiert der Dollar?
Nicht kurzfristig. Es ist eine allmähliche Erosion; der Dollar bleibt Erster unter Gleichen.
Fazit
Der Rückgang unter 57 % ist ein Meilenstein. mBridge, BRICS Pay und The Unit sind von der Pilotphase in die Produktion übergegangen. Der Dollar behält Vorteile wie tiefe Märkte und Netzwerkeffekte; eine multipolare Ordnung dürfte allmählich entstehen. Der nächste Test ist, ob die BRICS-Infrastruktur über den Intra-Block-Handel hinaus Dritte anzieht.
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