Deutschlands Golddilemma: 164 Milliarden Euro in US-Tresoren auf dem Spiel
Deutschland steht vor einer entscheidenden finanziellen und geopolitischen Entscheidung, während prominente Ökonomen und Politiker immer lauter die Rückholung der nationalen Goldreserven aus amerikanischen Tresoren fordern. Mit 1.236 Tonnen Gold – im Wert von etwa 164 Milliarden Euro –, die bei der Federal Reserve Bank in New York lagern, was fast 40 % der gesamten deutschen Reserven ausmacht, hat sich die Debatte von Randdiskussionen zum Mainstream-Politikdiskurs entwickelt.
Der historische Kontext
Deutschlands Goldansammlung in den Vereinigten Staaten stammt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als das Land erhebliche Handelsüberschüsse erzielte. Unter dem Bretton-Woods-System, das den US-Dollar an Gold zum Preis von 35 US-Dollar pro Unze koppelte, tauschte Deutschland seine Dollarüberschüsse in Gold um, das in amerikanischen Tresoren gelagert wurde. Während des Kalten Krieges diente diese Regelung auch als Schutz vor geopolitischen Spannungen.
Deutschland verfügt derzeit mit 3.362,4 Tonnen über die zweitgrößten Goldreserven der Welt, nur die Vereinigten Staaten liegen mit über 8.000 Tonnen vorne. Etwas mehr als die Hälfte wird national in Frankfurt gelagert, der Rest ist zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA aufgeteilt.
Die wachsende Rückholbewegung
Die Debatte hat durch Bedenken hinsichtlich der amerikanischen politischen Stabilität unter dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump an Schwung gewonnen. 'Unser Gold ist nicht mehr sicher in den Tresoren der Fed,' warnt Michael Jäger, Vorsitzender der Taxpayers Association of Europe und des Vereins der Deutschen Steuerzahler. 'Trump ist unberechenbar und wird alles tun, um Einnahmen zu generieren. Was passiert, wenn die Provokation um Grönland eskaliert? Es besteht das Risiko, dass die Deutsche Bundesbank keinen Zugang mehr zu ihrem Gold hat.'
Emanuel Mönch, ein prominenter Ökonom, argumentiert in der Finanzzeitung Handelsblatt, dass es 'zu riskant' geworden sei, Goldreserven unter der aktuellen Regierung in Amerika zu belassen. 'Im Interesse einer größeren strategischen Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten sollte die Bundesbank in Erwägung ziehen, das Gold zurückzuholen.'
Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Europaabgeordnete der FDP, hat die deutsche Regierung aufgefordert, einen klaren Plan für eine vollständige Rückführung zu entwickeln. 'Ich dränge die deutsche Regierung, einen klaren Plan für die vollständige Rückführung der Reserven nach Deutschland zu erstellen,' sagte sie dem Spiegel.
Frühere Rückholaktionen und aktuelle Opposition
Deutschland hat Präzedenzfälle für solche Operationen. Zwischen 2013 und 2017 holte das Land 300 Tonnen Gold aus den Vereinigten Staaten und 374 Tonnen aus Frankreich zurück. Michael Hüther, Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, glaubt, dass die Logistik nicht allzu kompliziert wäre.
Es gibt jedoch weiterhin erheblichen Widerstand. Bundesbankpräsident Joachim Nagel betonte während einer Sitzung des Internationalen Währungsfonds im Oktober, dass es 'keinen Grund zur Sorge' über das Gold in Amerika gebe. Der deutsche Regierungssprecher wiederholte kürzlich, dass eine Rückführung derzeit nicht in Betracht gezogen werde.
Der Ökonom Clemens Fuest vom ifo-Institut warnt vor möglicher Eskalation: 'Möglicherweise schüttet das nur Öl ins Feuer,' warnt er und betont, dass der Zeitpunkt entscheidend sei. 'Dies muss geschehen, wenn kein akuter Konflikt besteht.'
Breitere Implikationen
Die Debatte spiegelt breitere globale Trends hin zu finanzieller Souveränität und verringerter Abhängigkeit von amerikanischer Dominanz wider. Laut einer OMFIF-Umfrage aus dem Jahr 2025 gaben 70 % der Zentralbanken an, dass amerikanische Instabilität den Besitz von Dollar entmutige, verglichen mit 37 % im Vorjahr.
Stefan Ribe, Strateg beim Investmenthaus Acatis Investment, fragt sich, ob die traditionellen Regeln noch gelten: 'Wenn man sich ansieht, was in Grönland passiert, muss man sich fragen, ob die alten Regeln unter der Trump-Regierung noch gelten.'
Vorläufig beharrt die deutsche Regierung darauf, dass ihre Goldreserven angemessen diversifiziert sind, wobei die Hälfte bereits national in Frankfurt gelagert wird. Aber während sich die geopolitischen Spannungen weiterentwickeln, könnte der Druck, Deutschlands Gold nach Hause zu bringen, immer schwerer zu widerstehen sein.
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