Brüssel verbietet Leih-E-Scooter ab 2027
Die Region Brüssel-Hauptstadt hat ein vollständiges Verbot von gemeinsam genutzten Elektrorollern (E-Scootern) angekündigt, das 2027 in Kraft treten soll. Die Entscheidung folgt auf einen starken Anstieg von Unfällen, Beeinträchtigungen von Fußgängern und der Nutzung von Leih-E-Scootern für kriminelle Aktivitäten, darunter 25 Schießereien im Jahr 2025. Brüssel reiht sich damit in eine wachsende Liste von Großstädten ein – darunter Paris, Madrid, Prag und Melbourne – die stationierungsfreie E-Scooter-Dienste eingeschränkt oder verboten haben.
Warum Brüssel Leih-E-Scooter verbietet
Steigende Unfallzahlen
Im Jahr 2025 wurden in der Region Brüssel-Hauptstadt 666 Menschen bei Unfällen mit E-Scootern verletzt – ein Anstieg von 25 % im Vergleich zu 2024. Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt betonte, dass E-Scooter-Fahrer verletzungsanfälliger seien als Radfahrer. "Wer von einem Roller fällt, hat eine größere Verletzungswahrscheinlichkeit als jemand, der von einem Fahrrad fällt", sagte sie. Die steigenden Unfallraten bei Mikromobilität haben Regulierungsbehörden weltweit dazu veranlasst, Sicherheitsvorschriften zu überdenken.
Nutzung für Straftaten
Der Brüsseler Staatsanwalt Julien Moinil berichtete, dass Leih-E-Scooter im Jahr 2025 bei mindestens 25 Schießereien verwendet wurden. Laut Moinil haben Drogenhändler E-Scooter als bevorzugtes Fluchtfahrzeug übernommen, weil sie schnell, leise und leicht aufzugeben sind. "Sie können leicht vor der Polizei fliehen", so Moinil, der schon lange ein Verbot gefordert hatte. Der kriminelle Missbrauch von Leihrollern ist für die Strafverfolgungsbehörden in europäischen Hauptstädten zu einem wachsenden Problem geworden.
Behinderung von Fußgängern und Unordnung
Achtlos abgestellte E-Scooter blockieren häufig Gehwege, Plätze und Zugangsrampen und schaffen Gefahren für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, Eltern mit Kinderwagen und ältere Menschen. Die Brüsseler Regierung stellte fest, dass stationierungsfreie Roller zur visuellen Verschmutzung und öffentlichen Frustration beigetragen haben.
Betreiber reagieren: Bolt und Dott 'zutiefst enttäuscht'
Die aktuellen Genehmigungen für die Betreiber Bolt und Dott laufen Ende 2026 aus und werden nicht verlängert. Beide Unternehmen zeigten sich enttäuscht. Bolt erklärte, dass 150.000 Menschen in Brüssel jährlich ihre E-Scooter nutzen, und argumentierte, dass die Roller eine Schlüsselrolle in der Verkehrsinfrastruktur der Stadt spielten. Dott stellte die Logik des Verbots in Frage: "Radfahrer und Rollerfahrer sind ständig Risiken durch Autos und Lastwagen ausgesetzt. Sollten wir sie auch verbieten?" Die Unternehmen warnten, dass das Verbot die Nutzer zu weniger nachhaltigen Verkehrsmitteln treiben könnte.
Was bleibt: Leihfahrräder und neue Regeln
Gemeinsam genutzte Fahrräder wie das Villo!-System bleiben erlaubt und sollen mit Elektromodellen und festen Stationen aufgerüstet werden. Die Fahrradverleih-Konzession wurde bis September 2028 verlängert. Der föderale Mobilitätsminister Belgiens drängt unterdessen auf eine Helmpflicht für private E-Scooter, die schneller als 20 km/h fahren. Neue Regeln werden im September 2026 erwartet.
Globaler Trend: Städte gehen gegen E-Scooter vor
Brüssel schließt sich einer Welle von Städten an, die Leih-E-Scooter einschränken oder verbieten. Paris stimmte 2023 nach einem öffentlichen Referendum für ein Verbot. Auch Madrid, Prag und Melbourne haben Beschränkungen eingeführt. Einige Städte setzen jedoch eher auf Regulierung als auf ein komplettes Verbot, etwa durch Geofencing, Geschwindigkeitsbegrenzungen und ausgewiesene Parkzonen. Die Zukunft der urbanen Mikromobilitätsregulierung bleibt unter politischen Entscheidungsträgern heiß umstritten.
Häufig gestellte Fragen
Wann tritt das E-Scooter-Verbot in Brüssel in Kraft?
Das Verbot von Leih-E-Scootern beginnt 2027. Die aktuellen Betreiberverträge laufen Ende 2026 aus.
Warum verbietet Brüssel Leih-E-Scooter?
Das Verbot ist auf einen Anstieg der Unfälle um 25 % (666 Verletzte im Jahr 2025), Behinderungen von Fußgängern und die Nutzung von E-Scootern bei 25 Schießereien durch Kriminelle zurückzuführen.
Welche E-Scooter-Unternehmen sind betroffen?
Bolt und Dott sind die derzeitigen Genehmigungsinhaber. Ihre Verträge werden nicht verlängert. Lime hatte sich nach einem Rechtsstreit bereits aus Brüssel zurückgezogen.
Werden auch private E-Scooter verboten?
Nein, das Verbot gilt nur für Leih-E-Scooter. Private E-Scooter bleiben legal, allerdings wird eine Helmpflicht für schnellere Modelle erwogen.
Welche Alternativen gibt es?
Leihfahrräder (Villo!) bleiben erhalten und werden ausgebaut. Die Stadt fördert zudem öffentliche Verkehrsmittel, Gehen und Radfahren.
Quellen
VRT NWS: Brussels to ban share e-scooters from 2027
Belga News Agency: Brussels to ban shared e-scooters from 2027
Brussels Times: Number of accidents with e-scooters rises again
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