Forscher fordern Umbenennung des Halleyschen Kometen

Eine Studie zeigt, dass ein Mönch des 11. Jahrhunderts den 76-jährigen Zyklus des Halleyschen Kometen erkannte, Jahrhunderte vor Edmund Halley, was Fragen zur Namensgebung aufwirft.

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Neue Studie stellt jahrhundertealte Namensgebung in Frage

Eine bahnbrechende Studie eines niederländischen Astronomen und eines britischen Historikers legt nahe, dass der Halleysche Komet, einer der bekanntesten Himmelskörper der Menschheitsgeschichte, möglicherweise seit Jahrhunderten falsch benannt ist. Ihre Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein englischer Mönch namens Eilmer von Malmesbury im 11. Jahrhundert den 76-jährigen Rückkehrzyklus des Kometen erkannte – lange vor den Berechnungen von Edmund Halley im 17. Jahrhundert.

Die fünfjährige Forschungsarbeit

Der Astronom Simon Portegies Zwart von der Universität Leiden und der Historiker Michael Lewis verbrachten fünf Jahre mit der Untersuchung mittelalterlicher Manuskripte und historischer Quellen. Ihre Forschung begann, als Portegies Zwart den Teppich von Bayeux in Frankreich besuchte, auf dem der Halleysche Komet prominent über der Krönungsszene von König Harold im Jahr 1066 dargestellt ist.

'Man muss sich vorstellen, dass der Himmel im 11. Jahrhundert völlig anders aussah als heute', erklärte Portegies Zwart. 'Heute sind nur die hellsten Sterne mit all dem Straßenlicht sichtbar. Damals gab es kein elektrisches Licht, und man sah jede Nacht den gesamten Sternenhimmel. Wenn dann plötzlich so ein Komet vorbeikam, hatte das eine enorme Wirkung. Und oft verband man damit auch eine Bedeutung.'

Eilmers bemerkenswerte Erkenntnis

Die Forscher entdeckten, dass Eilmer von Malmesbury, auch bekannt als Aethelmaer, im Jahr 1066 schrieb, dass er den Kometen zum zweiten Mal sah. Historische Analysen legen nahe, dass er ihn wahrscheinlich zum ersten Mal als kleiner Junge im Jahr 989 sah, wodurch er bei der Rückkehr etwa 76 Jahre alt war.

'Er muss ein kleiner Junge gewesen sein, als er den Halleyschen Kometen zum ersten Mal sah, und 76 Jahre später erkannte er ihn wieder und erinnerte sich, dass sich bei seinem ersten Erscheinen allerlei Unheil ereignet hatte: Es herrschte Hungersnot, ein König starb, Wikinger fielen in England ein', bemerkte Portegies Zwart. 'Er warnte daher, dass nun wieder etwas Ähnliches passieren könnte.'

Was rätselhaft bleibt, ist, wie Eilmer wusste, dass es derselbe Komet war. 'Das ist ein Rätsel', räumte der Astronom ein. 'Manche Kometen sind sehr charakteristisch, sie haben zum Beispiel zwei Schweife. Was es in diesem Fall genau war, wissen wir nicht. Aber ich erinnere mich noch, wie ich Halley 1986 selbst vom Schulhof aus sah. Es ist alle 76 Jahre ein beeindruckendes Erlebnis.'

Historischer Kontext und mittelalterliche 'Falschmeldungen'

Die Studie bietet faszinierende Einblicke in die mittelalterliche Astronomie und Dokumentation. Mönche notierten akribisch den Vorbeizug von Kometen und verknüpften diese oft mit wichtigen Ereignissen. 'Oft wurden bestimmte Ereignisse damit verbunden, wie der Tod eines Königs', erklärte Portegies Zwart.

Diese Praxis führte sogar zu einer frühen Form von Desinformation. 'Denn manchmal starb ein Kardinal, und dann gaben sie ihm in den Chroniken auch einfach einen Kometen mit. Obwohl in diesem Jahr überhaupt kein Komet zu sehen gewesen war.'

Die Forscher untersuchten auch die Darstellung des Kometen auf dem Teppich von Bayeux und stellten fest, dass die Platzierung über Harolds Krönung im Januar 1066 historisch ungenau ist, da der Komet erst im April sichtbar war. Dies scheint politische Propaganda zu sein, bei der der Komet nachträglich mit Harolds unheilvoller Herrschaft verknüpft wurde, um die Geschichte von Wilhelm dem Eroberer zu untermauern.

Die Namensdebatte

Portegies Zwart und Lewis veröffentlichten ihre Ergebnisse in dem akademischen Buch Dorestad and Everything After. Ports, townscapes & travellers in Europe, 800-1100, das einen Aufruf zur Umbenennung des Halleyschen Kometen enthält. Der Astronom räumt jedoch die praktischen Herausforderungen ein.

'Das ist nicht ganz ernst gemeint', gab er zu. 'Der Name Halley ist so etabliert, dass man ihn kaum ändern kann. Und außerdem: Halley war der erste, der nicht nur die Beobachtungen miteinander in Verbindung brachte, sondern sie auch vorhersagen konnte. Das war also doch ein wichtiger Schritt in der Astronomie. Und er hat natürlich noch viel mehr geleistet.'

Edmund Halley, der von 1656 bis 1742 lebte, nutzte Newtons Bewegungsgesetze, um die Rückkehr des Kometen im Jahr 1758 vorherzusagen, obwohl er diese selbst nicht mehr erlebte. Seine Arbeit zeigte, dass Kometen die Sonne umkreisen und periodisch zurückkehren können.

Wissenschaftliche Bedeutung

Obwohl die Namensdebatte etwas akademisch sein mag, unterstreicht die Studie wichtige Aspekte der astronomischen Geschichte. Der Halleysche Komet, offiziell als 1P/Halley bezeichnet, ist der einzige bekannte kurzperiodische Komet, der regelmäßig mit bloßem Auge von der Erde aus sichtbar ist und alle 72-80 Jahre erscheint. Er war zuletzt 1986 zu sehen und wird voraussichtlich Mitte 2061 zurückkehren.

Der Komet wird seit mindestens 240 v. Chr. beobachtet, wobei chinesische, babylonische und mittelalterliche europäische Aufzeichnungen alle seine Erscheinungen dokumentieren. Das Erscheinen im Jahr 1986 markierte das erste Mal, dass ein Komet detailliert von Raumfahrzeugen beobachtet wurde, darunter die Giotto-Mission der ESA, die das 'Schmutzige-Schneeball'-Modell der Kometenzusammensetzung bestätigte.

Portegies Zwart, Professor für numerische Sternendynamik an der Universität Leiden, ist spezialisiert auf computergestützte Astrophysik und Hochleistungscomputersimulationen. Seine Zusammenarbeit mit dem Historiker Michael Lewis stellt einen interdisziplinären Ansatz dar, um sowohl die wissenschaftliche als auch die kulturelle Bedeutung von Himmelsphänomenen im Laufe der Geschichte zu verstehen.

Für weitere Informationen über den Halleyschen Kometen besuchen Sie Wikipedia. Details zur Forschung von Simon Portegies Zwart finden Sie auf der Website der Universität Leiden.

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