Was ist die aktuelle Krypto-Steuerbefreiung in Deutschland?
Deutschland bewegt sich auf die Abschaffung seiner langjährigen Krypto-Steuerbefreiung für Assets zu, die länger als ein Jahr gehalten werden. Nach aktueller Regelung können private Anleger Kryptowährungen steuerfrei verkaufen, wenn sie diese mehr als zwölf Monate halten. Ein Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums würde diesen Vorteil für Kryptowerte beenden, die nach dem 31. Dezember 2026 erworben werden. Gewinne würden dann als Kapitaleinkünfte eingestuft und unterlägen einer pauschalen 25-prozentigen Abgeltungssteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag – einer effektiven Belastung von rund 26,375 Prozent.
Der Vorschlag ist noch nicht Gesetz: Er braucht die Zustimmung von Kabinett und Parlament; die Ein-Jahres-Frist gilt vorerst weiter. Eine Petition dagegen hat laut BLOX Nieuws über 30.000 Unterschriften gesammelt.
Derzeit behandelt das deutsche Steuerrecht Krypto-Gewinne als private Veräußerungsgeschäfte nach Paragraf 23 des Einkommensteuergesetzes. Wer Bitcoin, Ether oder andere börsengehandelte Kryptowährungen innerhalb von zwölf Monaten verkauft, muss den Gewinn versteuern. Nach zwölf Monaten Haltedauer ist der Gewinn in der Regel steuerfrei. Die Haltefrist machte Deutschland für langfristige Krypto-Investoren attraktiv. Die EU-Krypto-Steuerlandschaft betrachtete diese Regel lange als Benchmark für anlegerfreundliche Politik. Die Regierung argumentiert, die Befreiung schaffe einen unfairen Vorteil gegenüber Aktien und Fonds, die unabhängig von der Haltedauer besteuert werden.
Welche Änderungen sind für 2027 geplant?
Neuer Steuersatz und Haltedauer
Nach dem Entwurf würden alle Krypto-Verkäufe als Kapitaleinkünfte besteuert; die Haltedauer böte keinen steuerfreien Ausstieg mehr. Auf Gewinne fielen 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag an, effektiv rund 26,375 Prozent. Bei 100.000 Euro Bitcoin-Gewinn wären das etwa 26.375 Euro Steuer – heute null.
| Regel | Aktuelle Regelung | Geplant 2027 |
|---|---|---|
| Haltedauer-Befreiung | Steuerfrei nach 12 Monaten | Keine Befreiung; alle Gewinne steuerpflichtig |
| Steuersatz | 0 % nach 1 Jahr | 25 % + 5,5 % Soli (~26,375 %) |
| Behandlung | Privates Veräußerungsgeschäft | Kapitaleinkünfte |
| Quellensteuer der Anbieter | Nicht anwendbar | Automatisch ab 1. Januar 2028 |
Zeitplan und Ausnahmen
Die neuen Regeln gälten nur für Kryptowährungen, die nach dem 31. Dezember 2026 erworben werden. Bestehende Bestände behalten den aktuellen Rahmen inklusive steuerfreier Verkäufe nach zwölf Monaten. Das Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, die automatische Quellensteuer der Anbieter ab 1. Januar 2028. Ausgenommen sind NFTs, bestimmte Stablecoins, Security Tokens und an reale Vermögenswerte gekoppelte Token.
Warum beendet Deutschland die steuerfreie Haltefrist?
Finanzminister Lars Klingbeil hat signalisiert, digitale Assets stärker wie traditionelle Investments zu behandeln. Wir wollen Kryptowährungen anders besteuern, sagte er und verwies auf zusätzliche Einnahmen und schärfere Bekämpfung von Finanz- und Steuerkriminalität. Die Reform soll 2028 rund 160 Millionen Euro einbringen und bis 2031 auf etwa 350 Millionen Euro jährlich steigen. Die Deutsche Bitcoin-Gesellschaft und Branchenverbände warnen, die Änderung könne Nutzer auf Offshore-Plattformen treiben und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands schwächen.
Auswirkungen auf Anleger und den Kryptomarkt
Langfristinvestoren, die auf die Ein-Jahres-Befreiung gesetzt haben, drohen bei künftigen Käufen höhere Steuerrechnungen. Kurzfristige Trader, die derzeit bis zu 45 Prozent Einkommensteuer zahlen, könnten mit 25 Prozent weniger zahlen. Die Änderung fällt mit der Umsetzung der EU-DAC8-Regeln zur Krypto-Steuertransparenz zusammen. Kritiker warnen, die kombinierte Melde- und Steuerlast könne eine Abwanderung von deutschen Plattformen beschleunigen – ähnlich den Bedenken in der Krypto-Regulierungsdebatte 2025 in der EU.
FAQ
Gibt es in Deutschland noch eine steuerfreie Haltefrist?
Ja, vorerst. Krypto-Verkäufe nach zwölf Monaten Haltedauer sind steuerfrei. Die Änderung würde dies für Käufe nach dem 31. Dezember 2026 beenden.
Wie hoch ist der neue deutsche Krypto-Steuersatz?
Der Vorschlag sieht 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag vor – effektiv rund 26,375 Prozent.
Wann tritt die Änderung in Kraft?
Das Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten, die automatische Quellensteuer ab 1. Januar 2028. Bestehende Bestände behalten die Befreiung.
Sind NFTs und Stablecoins betroffen?
Nein. Der Entwurf nimmt NFTs, bestimmte Stablecoins, Security Tokens und an reale Vermögenswerte gekoppelte Token aus.
Ist die Reform endgültig?
Nein. Sie braucht noch die Zustimmung von Kabinett und Parlament. Die Ein-Jahres-Frist gilt bis zur Verabschiedung weiter.
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