Kritische Mineralien 2026: Geopolitisches Schachbrett

China liefert 2035 über 60 % des raffinierten Lithiums und 80 % Graphit. USA und EU suchen Diversifizierung. Mehr zur Geopolitik kritischer Mineralien 2026.

Kritische Mineralien 2026: Geopolitisches Schachbrett
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Ausgabe: DE

Das globale Rennen um kritische Mineralien – Lithium, Kobalt, Graphit und Seltene Erden – ist 2026 in eine entscheidende neue Phase eingetreten. Lieferketten werden zum geopolitischen Schachbrett. Chinas wachsende Dominanz, bilaterale Mineralienabkommen und der ringende Critical Raw Materials Act der EU spalten den Handel in konkurrierende Blöcke – mit Folgen für die Energiewende.

Warum 2026 einen Wendepunkt markiert

Zwei maßgebliche Analysen deuten die Verschiebung. Der UNCTAD Global Trade Update (Juni 2026) warnt, dass kritische und Energiewende-Mineralien globale Wertschöpfungsketten immer schneller umformen. Die ODI-Analyse zu kritischen Mineralien vom Juli 2026 kommt ebenfalls zu dem Schluss, dass Lieferketten in strategische Blöcke zerfallen. Seit 2020 wurden fast 100 neue Exportmaßnahmen eingeführt, seit 2022 insgesamt 58 Mineralienabkommen unterzeichnet – ein Beleg für die Abkehr vom globalisierten Handel.

Chinas erwartete Dominanz bis 2035

China bleibt der Schwerpunkt. Laut ODI-Prognosen liefert es 2035 mehr als 60 % des raffinierten Lithiums und Kobalts, rund 80 % des Batteriegraphits und der Seltenen Erden sowie etwa 70 % des Batteriemangans. Der 15. Fünfjahresplan rückt kritische Mineralien ins Zentrum der Industriestrategie und festigt den Griff auf die globale Batterielieferkette.

Die USA setzen auf bilaterale Deals

Washington hat den Multilateralismus der Biden-Ära zugunsten gezielter bilateraler Abkommen aufgegeben. Die zweite Trump-Regierung setzt auf Rohstoffzugang über Beteiligungen, Preisstützung, Genehmigungsreformen und verteidigungsgebundene Finanzierung: rund 2 Mrd. Dollar für Vorräte, 5 Mrd. Dollar für die industrielle Basis und 500 Mio. Dollar für Verteidigungskredite. Deals mit Australien, Japan, der Ukraine, der DR Kongo, Malaysia und Thailand sollen Quellen streuen und die Abhängigkeit von China senken.

Europas 60 strategische Projekte mit Finanzierungslücken

Der Critical Raw Materials Act der EU benennt 60 strategische Projekte – 47 interne und 13 externe –, um die Importabhängigkeit zu senken. Die Finanzierung bleibt aber weit hinter dem Anspruch zurück. RESourceEU strebt bis 2029 höchstens 3 Mrd. Euro an; Investoren schrecken unklare Preissignale und lange Genehmigungsverfahren ab. Europa droht in der EU-Grünindustriepolitik weiter zurückzufallen.

Handelsfragmentierung und Exportbeschränkungen

Fast 100 neue Exportmaßnahmen seit 2020 – von Quoten bis zu Lizenzen und Verboten – und 58 Mineralienabkommen seit 2022 teilen die Welt in konkurrierende Blöcke, die Versorgungssicherheit über Effizienz stellen. Das wirkt direkt auf den Zeitplan der Energiewende bis 2030: Projektkosten steigen, der Ausbau verzögert sich.

Was Experten sagen

Der Global Critical Minerals Outlook 2026 der IEA stellt fest, dass 'kritische Mineralien ins Zentrum der globalen Energie- und Wirtschaftssicherheit gerückt sind.' ODI-Analysten ergänzen: 'Die zweite Trump-Regierung priorisiert den Rohstoffzugang über Innenpolitik und bilaterale Deals.'

FAQ: Geopolitik kritischer Mineralien 2026

Was sind kritische Mineralien?

Rohstoffe wie Lithium, Kobalt, Graphit und Seltene Erden, die für saubere Energie, Batterien, Elektronik und Verteidigung unverzichtbar, aber anfällig für Lieferunterbrechungen sind.

Warum ist China dominant?

China beherrscht große Teile von Abbau, Raffinierung und Verarbeitung. 2035 dürfte es über 60 % des raffinierten Lithiums und etwa 80 % des Batteriegraphits und der Seltenen Erden liefern.

Wie reagieren die USA?

Mit bilateralen Deals mit Australien, Japan, der Ukraine und anderen sowie Milliardeninvestitionen in Vorräte, Industrieausbau und heimische Bergbauanreize.

Was ist der Critical Raw Materials Act?

Ein EU-Rahmen mit 60 strategischen Projekten zur Diversifizierung der Versorgung – doch RESourceEU sieht nur 3 Mrd. Euro bis 2029 vor.

Wie wirken Exportmaßnahmen auf die Ketten?

Fast 100 neue Maßnahmen seit 2020 verstärken die Fragmentierung, erhöhen die Kosten und bremsen die globale Energiewende.

Zukunftsaussicht

Mit fortschreitendem 2026 wird das Schachbrett der kritischen Mineralien nur umkämpfter. Ob US-EU-Allianz für kritische Mineralien, chinesische Industrieexpansion oder neue Handelspakte: Das Rennen um Lithium, Kobalt und Seltene Erden bestimmt das kommende Jahrzehnt globaler Macht.

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