Anfang 2026 starteten die USA zwei wegweisende Initiativen, um Chinas Vormachtstellung bei kritischen Rohstoffen zu brechen: Project Vault, eine 12 Milliarden Dollar schwere strategische Reserve der Export-Import-Bank, und FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement), einen multilateralen Rahmen mit 54 Nationen, der die Minerals Security Partnership ersetzt. Gleichzeitig finalisierte die EU ihren Aktionsplan für kritische Rohstoffe mit den USA und wählte 60 strategische Projekte im Rahmen des Critical Raw Materials Act aus. Diese westlichen Strategien zielen darauf ab, einen präferenziellen Handelsblock mit koordinierten Mindestpreisen für Kobalt und Lithium zu schaffen, während die Risiken einer Marktbifurkation, neue Abhängigkeiten von Partnerländern wie Argentinien und Marokko sowie die 5- bis 7-jährige Zeitspanne zur Herausforderung von Chinas über 80% Anteil an der weltweiten Verarbeitung seltener Erden und Graphit untersucht werden.
Project Vault: Eine 12-Milliarden-Dollar-Strategische Reserve
Am 2. Februar 2026 genehmigte die Export-Import Bank der USA (EXIM) ein Direktdarlehen von 10 Milliarden Dollar für Project Vault, eine öffentlich-private Initiative zur Einrichtung der US Strategic Critical Minerals Reserve. Zusammen mit fast 2 Milliarden Dollar privater Investitionen von Partnern wie Hartree Partners, Mercuria Americas und Traxys beträgt das Gesamtengagement 12 Milliarden Dollar. Die Reserve lagert wichtige Rohstoffe in sicheren inländischen Anlagen; erste beteiligte OEMs sind Clarios, GE Vernova, Western Digital und Boeing. EXIM-Vorsitzender John Jovanovic bezeichnete die Initiative als Nettopositiv für US-Steuerzahler bei gleichzeitiger Stärkung der heimischen Industriebasis. Die Project Vault strategische Reserve schützt Hersteller vor Angebotsschocks und reduziert die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten.
FORGE: Vom MSP zu einem 54-Nationen-Rahmen
Nur zwei Tage später, am 4. Februar 2026, veranstaltete das US-Außenministerium das erste Critical Minerals Ministerial unter Leitung von Außenminister Marco Rubio und Vizepräsident JD Vance mit Vertretern aus 54 Ländern und der Europäischen Kommission. Dabei kündigte Rubio FORGE (Forum on Resource Geostrategic Engagement) als Nachfolger der Minerals Security Partnership (MSP) an, das von der Republik Korea geleitet wird. Im Gegensatz zum projektbezogenen Ansatz des MSP arbeitet FORGE nach einem 'Mitgliedschaft durch Handel'-Modell, das die Teilnahme an die Einhaltung gemeinsamer Handelsregeln knüpft. Das Ministerium brachte 11 neue bilaterale Rahmenwerke oder Absichtserklärungen mit Ländern wie Argentinien, Marokko, Peru, Philippinen, VAE und Großbritannien hervor, insgesamt 21 Abkommen in fünf Monaten. Die USA mobilisierten über 30 Milliarden Dollar für kritische Rohstoffprojekte, darunter EXIMs 10 Milliarden für Project Vault. Der FORGE multilaterale Rahmen zielt auf sichere, diversifizierte und widerstandsfähige Lieferketten für KI, Robotik, Batterien und Verteidigung.
Die parallele EU-Initiative: CRMA und US-EU-Aktionsplan
Die Europäische Union zieht mit Washington gleich. Im Rahmen des Critical Raw Materials Act (CRMA) von 2024 wählte die Kommission 60 strategische Projekte – innerhalb der EU und in Drittländern – aus, um die Gewinnung, Verarbeitung und Wiederverwertung von 14 kritischen Rohstoffen zu steigern. Die zweite Antragsfrist endete am 15. Januar 2026 mit über 160 Bewerbungen. Am 24. April 2026 verkündeten US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer und EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič den US-EU-Aktionsplan für Lieferkettenresilienz bei kritischen Rohstoffen. Dieser koordiniert Handelspolitiken und zielt auf ein verbindliches plurilaterales Abkommen. Der EU Critical Raw Materials Act erleichtert Genehmigungen und Finanzierung für strategische Projekte.
Koordinierte Mindestpreise und ein präferenzieller Handelsblock
Ein zentrales Element der neuen Weststrategie sind koordinierte Mindestpreise. Vizepräsident Vance stellte am 4. Februar das Critical Minerals Price Floor Proposal vor: staatliche Referenzpreise innerhalb eines präferenziellen Handelsblocks mit anpassbaren Zöllen auf Importe aus Nichtmitgliedern – vor allem China –, um Billigangebote zu verhindern. Konkrete Preise oder Zeitpläne stehen noch aus. Der Mechanismus soll Preisvolatilität reduzieren und Investitionen fördern, könnte aber Kosten für nachgelagerte Hersteller erhöhen und Vergeltungsmaßnahmen aus Peking provozieren. Der kritische Rohstoffe Mindestpreis ergänzt FORGE und den US-EU-Aktionsplan.
Neue Abhängigkeiten: Argentinien, Marokko und die Partnerstrategie
Bei der Diversifizierung entstehen neue strategische Abhängigkeiten. Argentinien, das am 4. Februar ein bilaterales Rahmenwerk mit den USA unterzeichnete, verfügt über einige der größten Lithiumreserven weltweit. Marokko besitzt bedeutende Kobalt- und Phosphatvorkommen und hat Freihandelsabkommen mit den USA und der EU. Peru, die Philippinen und die VAE unterzeichneten ebenfalls Absichtserklärungen. Ein Bericht des Atlantic Council vom April 2026 zeigt, dass Argentinien einzigartige Chancen bietet, warnt aber vor bürokratischen Hürden. Die Argentinien Lithium-Partnerschaft verdeutlicht die Herausforderung: Neue Lieferketten brauchen Jahre und Partnerländer können selbst geopolitische Risiken bergen.
Die 5- bis 7-Jahres-Frist und Chinas unerschütterlicher Griff
Trotz der Initiativen bleibt Chinas Dominanz gewaltig. Laut Institute for Energy Research kontrolliert China etwa 90% der globalen Verarbeitungskapazität für Seltene Erden und synthetisches Graphit. 2025/2026 schränkte China Exporte von Seltenen Erden, Wolfram, Antimon und Silber ein. Neue Minen in USA, Australien, Brasilien und Afrika eröffnen, aber die Konzentrate gehen meist in chinesische Raffinerien. Die USA besitzen nur 2% der weltweiten Reserven; Genehmigungsverzögerungen behindern den Aufbau eigener Verarbeitung. Experten schätzen eine Zeitspanne von 5 bis 7 Jahren, um Chinas über 80%-Anteil herauszufordern. Selbst mit 30 Milliarden Dollar und 21 bilateralen Abkommen wird die China kritische Rohstoffe Dominanz nicht leicht zu brechen sein.
Risiken der Marktbifurkation
Die Schaffung eines westlichen Handelsblocks birgt Risiken: Marktbifurkation – die Spaltung in zwei getrennte Handelssysteme – könnte zu Ineffizienz und höheren Kosten führen. Entwicklungsländer müssten sich entscheiden. China könnte seine eigenen Allianzen mit Russland, Afrika und Lateinamerika vertiefen. Der Mindestpreismechanismus könnte chinesische Überproduktion und Dumping in nicht verbündeten Märkten fördern. In der Übergangszeit von 5–7 Jahren bleiben westliche Industrien anfällig. Der Erfolg von Project Vault und FORGE hängt von nachhaltigem politischem Willen, vereinfachten Genehmigungen und privaten Investitionen ab.
Expertenmeinungen
„Project Vault ist das bedeutendste Engagement der US-Regierung zur Rohstoffbevorratung seit Jahrzehnten“, sagte EXIM-Vorsitzender Jovanovic. Der Atlantic Council bezeichnete FORGE als Weiterentwicklung hin zu internationaler Koordination. Die EU betonte, dass die 60 strategischen Projekte für die grüne und digitale Wende sowie Verteidigung entscheidend sind.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Project Vault?
Eine 12-Milliarden-Dollar-Initiative zur Einrichtung einer strategischen US-Reserve für kritische Rohstoffe, die Angebotsschocks abfedert.
Was ist FORGE?
Ein 54-Nationen-Rahmenwerk, das die MSP ersetzt und einen präferenziellen Handels- und Investitionsraum mit koordinierten Mindestpreisen schafft.
Wie passt der EU Critical Raw Materials Act dazu?
Der CRMA wählte 60 strategische Projekte aus und ergänzt den US-EU-Aktionsplan vom April 2026.
Was sind Mindestpreise für kritische Rohstoffe?
Staatlich festgelegte Mindestpreise innerhalb des Handelsblocks, durchgesetzt mit Zöllen auf Importe aus Nichtmitgliedern, um heimische Produzenten zu schützen.
Wie lange dauert es, Chinas Dominanz herauszufordern?
Experten schätzen 5 bis 7 Jahre, um Chinas über 80%-Anteil an der Verarbeitung seltener Erden und Graphit zu brechen.
Fazit: Eine neue geopolitische Realität
Project Vault, FORGE, die EU-Projekte und der US-EU-Aktionsplan formen die westliche Rohstoffstrategie neu. Sie zielen auf widerstandsfähige Lieferketten ab, stehen aber vor Herausforderungen: Chinas Verarbeitungsdominanz, lange Vorlaufzeiten und Marktbifurkation. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Westen politischen Willen in konkrete Sicherheit umsetzen kann.
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