Was ist die neue Zahlungssystem-Initiative des Vereinigten Königreichs?
Britische Banken entwickeln dringend ein souveränes Zahlungssystem, um die überwältigende Abhängigkeit des Vereinigten Königreichs von den amerikanischen Zahlungsnetzwerken Visa und Mastercard zu verringern. Dies wird durch wachsende Befürchtungen angetrieben, dass der ehemalige Präsident Donald Trump diese kritischen Finanzsysteme möglicherweise stören könnte. Da derzeit etwa 95 % aller britischen Kartentransaktionen über diese US-amerikanischen Netzwerke abgewickelt werden, warnen Finanzführer, dass das Land erheblich verwundbar wäre, wenn der Zugang plötzlich eingeschränkt würde. Die Initiative, bekannt als DeliveryCo, zielt darauf ab, eine inländische Alternative zu schaffen, die bis 2030 bis zu 50 Milliarden Transaktionen pro Jahr verarbeiten könnte.
Warum schaffen britische Banken ein alternatives Zahlungssystem?
Die Dringlichkeit hinter dieser Initiative ergibt sich aus mehreren konvergierenden Faktoren, die im gesamten britischen Finanzsektor Alarmglocken läuten lassen. An erster Stelle steht die geopolitische Landschaft, in der die mögliche Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus Bedenken hinsichtlich der Instrumentalisierung der Finanzinfrastruktur geweckt hat. Wie ein Bank-CEO anonym gegenüber The Guardian sagte: 'Wenn Mastercard und Visa abgeschaltet würden, würden wir in die 1950er Jahre zurückkehren. Natürlich brauchen wir ein souveränes Zahlungssystem.'
Die harte Realität der britischen Zahlungsabhängigkeit
Aktuelle Statistiken zeigen das Ausmaß der Verwundbarkeit Großbritanniens:
- 95 % aller britischen Kartentransaktionen laufen über Visa- oder Mastercard-Netzwerke
- Etwa 249 Milliarden Pfund wurden 2024 allein über Kreditkarten ausgegeben
- 65 % der britischen Erwachsenen (35,3 Millionen Menschen) besitzen Kreditkarten
- Es sind derzeit 59 Millionen Kreditkarten im Umlauf
Diese überwältigende Abhängigkeit schafft, was Finanzexperten als 'Single Point of Failure' in der britischen Wirtschaftsinfrastruktur bezeichnen. Die Situation spiegelt Bedenken in der Debatte über die Zahlungssouveränität der Europäischen Union wider, wo Politiker vor ähnlichen Verwundbarkeiten gewarnt haben.
Wie wird das neue Zahlungssystem funktionieren?
Das DeliveryCo-Projekt, das vom Barclays UK-Chef Vim Maru geleitet wird, umfasst ein Konsortium großer britischer Finanzinstitute, darunter Barclays, Lloyds Banking Group, NatWest, Santander UK und Nationwide Building Society. Bemerkenswert ist, dass Visa und Mastercard selbst an der Finanzierungsgruppe teilnehmen, was auf einen kooperativen Ansatz zur Zahlungsresilienz hindeutet.
Schlüsselfunktionen des DeliveryCo-Systems
Das neue souveräne Zahlungssystem soll mehrere kritische Vorteile bieten:
- Inländische Kontrolle: Aufsicht und Entscheidungsbefugnis im Vereinigten Königreich
- Betriebliche Resilienz: Fähigkeit, unabhängig von internationalen Netzwerken zu funktionieren
- Wettbewerbsdruck: Schaffung von Alternativen zur Senkung der Transaktionsgebühren
- Strategische Autonomie: Schutz vor geopolitischer Finanzinstrumentalisierung
Die Bank of England entwickelt Infrastrukturpläne für das System, das neben bestehenden Netzwerken betrieben wird, anstatt sie vollständig zu ersetzen. Dieser Ansatz spiegelt erfolgreiche Modelle in anderen Ländern wider, insbesondere Indiens Unified Payments Interface (UPI), das die Abhängigkeit von ausländischen Zahlungsnetzwerken drastisch reduziert hat, während die globale Interoperabilität erhalten bleibt.
Europäische Parallelen: Der 'Airbus für Zahlungen' der EU
Die britische Initiative ist Teil einer breiteren europäischen Bewegung hin zur Zahlungssouveränität. Die französische Politikerin Aurore Lalucq, Vorsitzende des Wirtschafts- und Währungsausschusses des Europäischen Parlaments, hat sich besonders lautstark für europäische Alternativen ausgesprochen. 'Visa, Mastercard ... das dringende Problem ist unser Zahlungssystem. Trump kann alles abschalten,' warnte sie kürzlich. 'Der Rest ist Poesie. Ich fordere die Kommission dringend auf, einen europäischen Airbus für Zahlungssysteme einzurichten: Sie können nicht sagen, Sie seien nicht gewarnt worden.'
Dieser europäische Vorstoß spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass finanzielle Souveränität mit Zahlungsunabhängigkeit beginnt. Das EU-Digital-Euro-Projekt stellt eine weitere parallele Initiative dar, die darauf abzielt, die Abhängigkeit von ausländischen Zahlungssystemen zu verringern, obwohl es mit anderen technischen und politischen Herausforderungen konfrontiert ist.
Zeitplan und Umsetzungsherausforderungen
Das DeliveryCo-System hat das ehrgeizige Ziel, bis 2030 betriebsbereit zu sein, aber mehrere bedeutende Herausforderungen müssen überwunden werden:
| Herausforderung | Beschreibung | Mögliche Lösung |
|---|---|---|
| Technische Infrastruktur | Aufbau von Systemen, die 50+ Milliarden Transaktionen pro Jahr verarbeiten können | Nutzung bestehender britischer Zahlungsinfrastruktur mit Upgrades |
| Branchenkoordination | Effektive Zusammenarbeit konkurrierender Banken | Regierungsgestützte Koordination durch UK Finance |
| Internationale Interoperabilität | Aufrechterhaltung der globalen Zahlungsverbindung | Partnerschaft mit bestehenden Netzwerken wie Visa/Mastercard |
| Verbraucherakzeptanz | Händler und Verbraucher zur Nutzung des neuen Systems bewegen | Schrittweise Einführung neben bestehenden Zahlungsmethoden |
Der Erfolg des Projekts hängt stark von der anhaltenden Unterstützung sowohl der Finanzbranche als auch der Regulierungsbehörden ab. Der Geldpolitische Rahmen der Bank of England wird eine entscheidende Rolle bei der Gewährleistung der Stabilität des Systems und seiner Integration in die breitere Finanzinfrastruktur spielen.
Geopolitische Implikationen und globaler Kontext
Der britische Schritt hin zur Zahlungssouveränität spiegelt einen breiteren globalen Trend wider, bei dem Nationen eine größere Kontrolle über kritische Finanzinfrastrukturen anstreben. Die russische Erfahrung, bei der Visa und Mastercard nach Sanktionen gezwungen waren, ihren Betrieb einzustellen, dient vielen Ländern als warnendes Beispiel. Dies hat nicht nur europäische Nationen, sondern auch Länder weltweit dazu veranlasst, ihre Abhängigkeit von US-kontrollierten Zahlungsnetzwerken zu überdenken.
Finanzanalysten stellen fest, dass eine vollständige Entkopplung von globalen Zahlungsnetzwerken weder praktikabel noch wünschenswert ist, die Schaffung inländischer Alternativen jedoch entscheidende Resilienz bietet. Wie ein Branchenexperte erklärte, 'Es geht darum, Optionen zu haben. Wenn das primäre System aus irgendeinem Grund – sei es technisches Versagen, Cyberangriff oder geopolitischer Druck – nicht verfügbar ist, stellt eine souveräne Alternative die wirtschaftliche Kontinuität sicher.'
Häufig gestellte Fragen
Was ist DeliveryCo?
DeliveryCo ist der Arbeitsname für die neue Initiative des Vereinigten Königreichs für ein souveränes Zahlungssystem, ein Konsortium großer britischer Banken und Finanzinstitute, das eine inländische Alternative zu Visa- und Mastercard-Netzwerken entwickelt.
Warum schafft das Vereinigte Königreich sein eigenes Zahlungssystem?
Die Hauptmotivation ist die Verringerung der Verwundbarkeit gegenüber potenziellen Störungen US-kontrollierter Zahlungsnetzwerke, insbesondere angesichts von Bedenken hinsichtlich geopolitischer Spannungen und der möglichen Instrumentalisierung der Finanzinfrastruktur.
Werden Visa und Mastercard weiterhin im Vereinigten Königreich tätig sein?
Ja, beide Unternehmen beteiligen sich an der DeliveryCo-Finanzierungsgruppe und werden ihre bestehenden Netzwerke weiter betreiben. Das neue System soll zusätzliche Resilienz bieten, anstatt bestehende Optionen zu ersetzen.
Wann wird das neue System verfügbar sein?
Das geplante Betriebsdatum ist 2030, obwohl einige Komponenten möglicherweise früher verfügbar werden, wenn die Infrastruktur entwickelt und getestet wird.
Wie wird sich dies auf Verbraucher und Händler auswirken?
Anfangs werden Verbraucher wahrscheinlich keine signifikanten Veränderungen bemerken, da das neue System neben bestehenden Zahlungsmethoden betrieben wird. Mit der Zeit kann es zusätzliche Zahlungsoptionen bieten und durch erhöhten Wettbewerb möglicherweise die Transaktionskosten senken.
Quellen
Dieser Artikel stützt sich auf Berichte von The Guardian, The Independent und GB News, zusammen mit Branchenanalysen von UK Finance und The Payments Association. Zusätzlicher Kontext stammt aus europäischen Diskussionen zur Zahlungssouveränität und globalen Finanzinfrastrukturtrends.
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