Ein ukrainischer Staatsbürger wurde in Kroatien im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag auf die Nord-Stream-Gaspipelines im September 2022 festgenommen. Dies ist die zweite prominente Festnahme in den internationalen Ermittlungen zur Nord-Stream-Sabotage. Der Verdächtige, identifiziert als Wolodymyr Z. und laut Berichten der ausgebildete Taucher Wolodymyr Schuravlew, wurde am 19. August 2026 in der Küstenstadt Pula in Gewahrsam genommen, nachdem Deutschland einen europäischen Haftbefehl erlassen hatte.
Was ist mit den Nord-Stream-Pipelines passiert?
Am 26. September 2022 zerstörte eine Serie von Unterwasserexplosionen drei der vier Pipelines von Nord Stream 1 und Nord Stream 2 in der Ostsee nahe der dänischen Insel Bornholm. Die Pipelines, die russisches Gas nach Deutschland transportieren sollten, waren nach der russischen Vollinvasion der Ukraine weitgehend stillgelegt. Die Ermittler kamen zu dem Schluss, dass es sich um vorsätzliche Sabotage handelte, und die Energieinfrastruktur der Ostsee wurde zum Gegenstand umfangreicher strafrechtlicher Ermittlungen.
Wer ist Wolodymyr Schuravlew und warum wurde er festgenommen?
Die kroatische Polizei nahm Schuravlew in Pula aufgrund eines deutschen europäischen Haftbefehls fest, der im Juni 2024 ausgestellt wurde. Die deutschen Bundesanwälte werfen ihm vor, einer der Taucher gewesen zu sein, die in etwa 80 Metern Tiefe Sprengsätze an den Pipelines anbrachten, als Teil einer Gruppe, die von dem separat verfolgten Serhii K. geleitet wurde. Laut deutschen Medien arbeitete er zuvor als Tauchlehrer in Kiew und hatte in der ukrainischen Armee gedient. Der Verdächtige bestreitet die Vorwürfe.
Polen ließ ihn frei — jetzt versucht Deutschland es erneut
Schuravlew wurde erstmals 2025 in Polen festgenommen, wo er mit seiner Familie westlich von Warschau lebte. Ein polnisches Gericht lehnte seine Auslieferung an Deutschland ab und ordnete seine Freilassung an. Der Richter argumentierte, der Anschlag sei als militärische Handlung in Kriegszeiten zu betrachten, und stellte infrage, ob Deutschland zuständig sei, da die Explosionen in internationalen Gewässern stattfanden, berichtete NOS. Anders als die Entscheidung des polnischen Gerichts, die ihn freiließ, bestehen die deutschen Behörden auf ihrer Zuständigkeit, weil die Pipelines in Lubmin, Deutschland, enden.
Die größeren Ermittlungen: sieben Verdächtige und die Yacht Andromeda
Die deutschen Ermittler identifizierten sieben ukrainische Verdächtige, die mit einer Kiewer Tauchschule in Verbindung stehen. Einer, Vsevelod K., wurde im Kampf an der Front in der Ukraine getötet. Das Team mietete angeblich die Segelyacht Andromeda in Rostock und nutzte sie, um zu den Pipelines zu gelangen; spätere Durchsuchungen fanden Spuren der Militärsprengstoffe HMX und RDX. Die Staatsanwälte geben an, dass vier Zeitzünder mit jeweils 20 bis 35 Kilogramm Sprengstoff an den Pipelines angebracht wurden.
Serhii K., ein ehemaliger ukrainischer Armeeoffizier, wurde im August 2025 in Italien festgenommen und im November an Deutschland ausgeliefert. Ihm wird der Angriff auf zivile Energieinfrastruktur vorgeworfen, ein Kriegsverbrechen, und sein Prozess in Hamburg soll in den kommenden Wochen beginnen. Er bestreitet eine Beteiligung. Die Segelyacht Andromeda bleibt ein zentraler Bestandteil des Falls.
- 26. September 2022: Explosionen beschädigen drei von vier Pipelines
- Sieben ukrainische Verdächtige identifiziert, mit einer Kiewer Tauchschule verbunden
- Die Yacht Andromeda wies Spuren der Sprengstoffe HMX und RDX auf
- Vier Sprengsätze mit jeweils 20–35 kg, in bis zu 80 Metern Tiefe angebracht
- Serhii K. wegen Kriegsverbrechen angeklagt; Prozess in Hamburg wird bald erwartet
Warum diese Festnahme wichtig ist
Die Festnahme in Kroatien signalisiert die Entschlossenheit Berlins, die Sabotage trotz diplomatischer Empfindlichkeiten strafrechtlich zu verfolgen. Sie verkompliziert auch die Darstellung des Anschlags, der zunächst den Verdacht auf Russland lenkte, später aber auf eine mögliche ukrainische Operation hindeutete. Die ukrainische Regierung und Präsident Wolodymyr Selenskyj haben jegliche Beteiligung wiederholt bestritten, und Kiew hat auf eine mögliche russische False-Flag-Operation hingewiesen. Dänemark und Schweden schlossen ihre Ermittlungen 2024, so dass Deutschland als einziges Land weiter ermittelt. Der Fall hat erhebliche Auswirkungen auf die europäische Energiesicherheit und die Beziehungen zwischen Berlin, Warschau und Kiew.
FAQ
Wann ereigneten sich die Nord-Stream-Explosionen?
Die Explosionen ereigneten sich am 26. September 2022 in der Ostsee nahe Bornholm, Dänemark.
Wer ist der jüngste Verdächtige im Nord-Stream-Fall?
Der ukrainische Taucher Wolodymyr Schuravlew wurde am 19. August 2026 in Pula, Kroatien, aufgrund eines deutschen Haftbefehls festgenommen.
Warum ließ Polen den Verdächtigen 2025 frei?
Ein polnischer Richter lehnte das Auslieferungsersuchen Deutschlands ab, stellte die deutsche Zuständigkeit infrage und bezeichnete den Anschlag als militärische Handlung in Kriegszeiten.
Wurde jemand wegen der Sabotage angeklagt?
Ja, der ehemalige ukrainische Offizier Serhii K. wurde wegen Kriegsverbrechen angeklagt und erwartet seinen Prozess in Hamburg.
Wer hat die Nord-Stream-Sabotage angeordnet?
Das bleibt unklar. Die deutschen Ermittlungen konzentrieren sich auf ukrainische Verdächtige, aber Kiew bestreitet eine Beteiligung und verweist auf eine mögliche russische False-Flag-Operation.
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