Dreitägiger spanischer Bahnstreik nach tödlichen Unfällen

Spanische Bahnmitarbeiter beginnen einen dreitägigen landesweiten Streik für Sicherheitsverbesserungen nach zwei tödlichen Unfällen mit 47 Toten. Gewerkschaften sagen, dass Warnungen über die Infrastruktur jahrelang ignoriert wurden.

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Landesweiter Bahnstreik lähmt Spanien nach tödlichen Unfällen

Das spanische Schienennetz liegt seit heute Morgen weitgehend still, nachdem ein dreitägiger landesweiter Streik des Bahnpersonals begonnen hat. Die Aktion folgt auf zwei tödliche Zugunglücke Ende Januar, bei denen 47 Menschen ums Leben kamen und die tiefe Besorgnis über die Bahnsicherheit in Europas zweitgrößtem Hochgeschwindigkeitsnetz offenbarten.

Sicherheitswarnungen vor der Tragödie ignoriert

Der Streik wurde von der Spanischen Lokführergewerkschaft (SEMAF) ausgerufen, nachdem Gewerkschaftsführer von jahrelang ignorierten Warnungen über eine sich verschlechternde Infrastruktur sprachen. 'Wir haben lange gewarnt, dass dies passieren könnte und sofortige Maßnahmen gefordert. Bis zu diesen tragischen Unfällen wurde dem Personal nicht zugehört,' sagt Diego Martín Fernández, Generalsekretär der SEMAF.

Die Gewerkschaft schickte 2025 mehrere Warnschreiben an die Infrastrukturbetreibergesellschaft Adif mit Bedenken über die Schienenqualität und Wartungsprobleme auf älteren Strecken, die noch intensiv genutzt werden. 'Auf bestimmten Linien wird immer weniger gewartet, während Investitionen hauptsächlich in neue Strecken fließen,' erklärt Martín.

Passagiertrauma und Regierungsreaktion

Mario Samper, ein Passagier, der den Crash bei Córdoba überlebte, beschreibt die erschreckende Erfahrung: 'Es geschah alles in wenigen Sekunden. Es fühlte sich an, als wären wir in einem Mixer.' Samper, der im vierten Wagen des Zuges saß, der mit einem entgleisten Zug kollidierte, fügt hinzu: 'Mein Wagen stand zum Glück noch mehr oder weniger auf dem Gleis. Die Wagen vor uns waren etwa 4 Meter in die Tiefe gestürzt. Dort saßen viele Menschen fest, die um Hilfe flehten.'

Der Unfall bei Córdoba am 18. Januar war der zweitschwerste Zugunfall in der spanischen Geschichte, nur Tage nach einem anderen tödlichen Unglück. Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass Brüche in den Schienen die Entgleisung verursachten.

Verkehrsminister Óscar Puente versuchte, den Streik in letzter Minute durch Verhandlungen abzuwenden, konnte jedoch keine Einigung mit den Gewerkschaften erzielen. Obwohl alle Seiten die Gespräche als konstruktiv beschrieben, behaupteten die Gewerkschaften, die Regierung mache unzureichende Zugeständnisse bei Sicherheitsverbesserungen.

Breitere Implikationen für die europäische Bahnsicherheit

Der Streik verursacht enorme Störungen im spanischen Schienennetz, wobei die Cercanías-Vorortdienste während der Stoßzeiten mit 75 % Kapazität und zu anderen Zeiten mit 50 % fahren. Mehr als 330 Intercity- und Fernverkehrszüge wurden abgesagt.

Die Unfälle haben ernsthafte Fragen zu den spanischen Bahnsicherheitsstandards aufgeworfen, obwohl das Land das zweitgrößte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt nach China hat. 'Wir müssen ein Vorbild für andere europäische Länder sein. Gerade weil wir in Europa so führend sind,' sagt Martín. 'Dazu gehört ein guter Umgang mit Problemen, damit sie anderswo verhindert werden können.'

Samper, der aus einer Eisenbahnerfamilie stammt, sagt, er werde nie wieder mit dem Zug reisen: 'Ich bin jahrelang mit dem Zug gefahren, aber ich werde jetzt nie wieder Zug fahren können.'

Der Streik dauert bis zum 11. Februar an, wobei die Gewerkschaften versprechen, den Druck aufrechtzuerhalten, bis sie konkrete Sicherheitsverbesserungen und eine größere Beteiligung der Arbeitnehmer an Entscheidungsprozessen sehen.

Quellen

BBC: Spanische Lokführer beginnen dreitägigen Streik wegen Sicherheit

EuroWeeklyNews: Spanien steht vor großem Bahnstreik

Reuters: Tödliche spanische Zugunglücke führen zu Debatte über Wartungsinvestitionen

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