CMA prüft Ryanair wegen Eltern-Sitzgebühren

Britische CMA untersucht Ryanair: Pflichtgebühr von £8 für Eltern-Kind-Sitze. Prüfung auf unfaire Vertragsklauseln und Drip Pricing. Ryanair wehrt sich.

CMA prüft Ryanair wegen Eltern-Sitzgebühren
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Britische Wettbewerbsbehörde untersucht Ryanairs Familien-Sitzplatzgebühren

Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) hat eine Untersuchung gegen Ryanair eingeleitet. Grund ist die obligatorische Sitzplatzreservierungsgebühr für Eltern, die mit Kindern im Alter von 2 bis 11 Jahren reisen. Die am 11. Juni 2026 angekündigte Untersuchung prüft, ob die Gebühr von etwa £8 (€9) pro Flugsegment, die Eltern zahlen müssen, um neben ihren Kindern zu sitzen, eine unfaire Vertragsklausel nach britischem Verbraucherrecht darstellt.

Die CMA ermittelt mit erweiterten Durchsetzungsbefugnissen nach dem Digital Markets, Competition and Consumers Act 2024 (DMCCA), der Geldbußen von bis zu 10 % des weltweiten Umsatzes eines Unternehmens bei Verstößen gegen das Verbraucherrecht vorsieht. Ryanair beförderte im Geschäftsjahr 2025 einen Rekord von 200 Millionen Passagieren, der Gesamtumsatz betrug 13,95 Milliarden Euro.

Was ist die Ryanair-Familiensitzplatzrichtlinie?

Seit 2016 verlangt Ryanair von Erwachsenen, die mit Kindern zwischen 2 und 11 Jahren reisen, einen Sitzplatz zu reservieren – ein kostenpflichtiger Service, der je nach Route zwischen £4 und £12 pro Strecke kostet. Die Fluggesellschaft begründet dies mit Sicherheitsgründen: Kinder unter 12 Jahren müssen neben einem Erwachsenen sitzen. Die CMA stellt fest, dass Ryanair die einzige große Fluggesellschaft ist, die von britischen Flughäfen operiert und eine solche Pflichtgebühr erhebt.

Nach Ryanairs Bedingungen zahlt der Erwachsene für einen reservierten Sitzplatz, während bis zu vier Kinder auf derselben Buchung kostenlos nebensitzende Plätze erhalten. Die Regelung gilt nicht für Säuglinge (8 Tage bis 23 Monate), die auf dem Schoß eines Erwachsenen sitzen müssen.

Wie andere Fluggesellschaften mit Familiensitzen umgehen

Die CMA betont, dass konkurrierende Airlines keine ähnlichen Pflichtgebühren erheben. Ein Vergleich der Richtlinien zeigt deutliche Unterschiede:

  • British Airways: Empfiehlt Familien, Sitzplätze zu reservieren, verlangt es aber nicht. Die Airline bemüht sich, Familien zusammenzusetzen, wenn Eltern keine Reservierung vornehmen.
  • EasyJet: Fördert Familien ohne Sitzplatzreservierung, frühzeitig am Flughafen einzuchecken. Der Billigflieger garantiert, dass jedes Kind unter 12 Jahren in der Nähe eines Elternteils sitzt.
  • Wizz Air: Bietet kostenlose Sitzplatzauswahl für Kinder, wenn ein Erwachsener derselben Buchung einen kostenpflichtigen Sitzplatz wählt – ähnlich wie Ryanair, jedoch ohne Pflicht.

Die CMA untersucht auch, ob Ryanairs Gebühr im Buchungsprozess transparent dargestellt wird oder ob es sich um Drip Pricing handelt – eine in Großbritannien seit 2024 verbotene Praxis, bei der Pflichtgebühren erst spät im Bezahlvorgang angezeigt werden und so die wahren Gesamtkosten verbergen.

Ryanairs Reaktion: 'Bogus-Untersuchung'

Ryanair hat die Vorwürfe scharf zurückgewiesen und die Untersuchung als 'bogus' (falsch) bezeichnet. Ein Ryanair-Sprecher betonte, die Familienrichtlinie entspreche allen geltenden Gesetzen und spare Familien Geld: 'Eltern zahlen nur für einen reservierten Sitzplatz, während bis zu vier Kinder kostenlos sitzen.'

Die Airline wies darauf hin, dass sie die Gebühr nicht auf Flügen von und nach Italien erhebt, nachdem die italienische Luftfahrtbehörde ENAC die Pflichtgebühr 2021 verboten hatte. Ryanair verlor 2024 eine gerichtliche Berufung gegen dieses Verbot.

Die CMA-Untersuchung von Ryanair ist Teil einer breiteren Offensive zum Verbraucherschutz. Seit Inkrafttreten des DMCCA hat die CMA 15 Unternehmen aus den Bereichen Fitness, Ticketing und Haushaltswaren untersucht, mit Schwerpunkt auf Drip Pricing, irreführenden Countdown-Timern und automatischen Opt-ins für Zusatzgebühren.

Mögliche Auswirkungen und nächste Schritte

Die CMA hat noch keine Schlussfolgerungen gezogen. Sie wird voraussichtlich innerhalb von sechs Monaten ein Update geben. Bei einem Verstoß drohen Ryanair Geldbußen von bis zu 10 % des globalen Umsatzes – potenziell Hunderte Millionen Euro – und die Verpflichtung, betroffene Kunden zu entschädigen.

Verbraucherschutzorganisationen begrüßen die Untersuchung. Die britische Organisation Which? fordert seit langem ein Ende versteckter Gebühren in der Luftfahrtbranche. 'Eltern zur Kasse zu bitten, nur um neben ihren Kindern zu sitzen, ist unfair und birgt Sicherheitsrisiken', so ein Which?-Sprecher.

Die Untersuchung wirft auch Fragen zur Zukunft der Billigflieger-Preisgestaltung auf und zeigt, ob die erweiterten Befugnisse der CMA zu branchenweiten Änderungen führen. Die britischen Verbraucherschutzreformen unter dem DMCCA sind ein scharfes Schwert, und dieser Fall wird ein wichtiger Test für die neue Autorität sein.

Häufig gestellte Fragen

Warum untersucht die CMA Ryanair?

Die CMA prüft, ob die Pflichtgebühr für Eltern, um mit Kindern im Alter von 2 bis 11 Jahren zu sitzen, eine unfaire Vertragsklausel darstellt und ob die Gebühr transparent ausgewiesen wird.

Wie viel verlangt Ryanair für Familiensitze?

Die Gebühr liegt zwischen £4 und £12 (etwa €4,50 bis €13,50) pro Strecke, je nach Route und Nachfrage.

Ist Ryanair die einzige Airline mit einer solchen Gebühr?

Laut CMA ist Ryanair die einzige große Fluggesellschaft mit Sitz in Großbritannien, die eine Pflichtgebühr für Familiensitze erhebt.

Was passiert, wenn Ryanair gegen das Gesetz verstoßen hat?

Bei einem Verstoß drohen Geldbußen von bis zu 10 % des globalen Umsatzes sowie die Verpflichtung zu Rückzahlungen. Die CMA könnte auch Änderungen der Buchungsprozesse anordnen.

Erhebt Ryanair die Gebühr auf allen Strecken?

Nein, auf Flügen von und nach Italien erhebt Ryanair die Gebühr nicht, nach einem Verbot durch die italienische Luftfahrtbehörde ENAC im Jahr 2021, das 2024 gerichtlich bestätigt wurde.

Quellen

Die Informationen stammen von der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA), Ryanair, BBC, Reuters, CNN, The Guardian und der britischen Regierungswebsite. Die vollständige CMA-Ankündigung finden Sie unter gov.uk.

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