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Nobelpreisträger Coetzee boykottiert Jerusalem-Festival

Nobelpreisträger JM Coetzee boykottiert das Jerusalemer Schriftstellerfestival 2026 und bezeichnet Israels Militäroperation in Gaza als 'genozidalen Feldzug'.

Nobelpreisträger Coetzee boykottiert Jerusalem-Festival
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Nobelpreisträger JM Coetzee lehnt Einladung zum Jerusalemer Schriftstellerfestival ab

Der Nobelpreisträger J.M. Coetzee hat öffentlich eine Einladung zum Jerusalemer Internationalen Schriftstellerfestival 2026 abgelehnt und bezeichnete Israels Militärkampagne im Gazastreifen als 'genozidalen Feldzug', der 'massiv unverhältnismäßig' zu den Angriffen vom 7. Oktober 2023 sei. Der 86-jährige südafrikanische Romancier, der 2003 den Nobelpreis für Literatur und zweimal den Booker Prize gewann, sandte einen scharfen Brief an Festivaldirektorin Julia Fermentto-Tzaisler. Coetzees Weigerung hat symbolisches Gewicht, da er sich zuvor als Israel-Unterstützer sah und 1987 den Jerusalem-Preis entgegennahm.

Der kulturelle Boykott Israels hat unter Schriftstellern und Künstlern an Dynamik gewonnen, und Coetzee reiht sich in eine wachsende Liste von Kulturschaffenden ein, die sich von israelischen Institutionen distanzieren. Die Entscheidung hat Debatten in Literaturkreisen über die Rolle von Künstlern in politischen Konflikten ausgelöst.

Coetzees Brief: Ein 'genozidaler Feldzug' und gemeinsame Schuld

In seinem Brief an die Festivalorganisatoren schrieb Coetzee, dass Israels Aktionen seit dem 7. Oktober 2023 'massiv unverhältnismäßig zur mörderischen Provokation' gewesen seien und die Militärkampagne 'begeisterte Unterstützung' von der Mehrheit der israelischen Bevölkerung zu haben scheine. Er argumentierte, dass kein Sektor der israelischen Gesellschaft, einschließlich der intellektuellen und künstlerischen Gemeinschaft, der Mitschuld an den 'Gräueltaten in Gaza' entgehen könne. Coetzee erklärte, dass die 'Vernichtungskampagne in Gaza' alles verändert habe, und es werde viele Jahre dauern, bis Israel seinen Namen reinwaschen und sich in der internationalen Gemeinschaft wieder etablieren könne.

Vom Jerusalem-Preis-Gewinner zum Boykott-Befürworter

Coetzees Wandel vom Jerusalem-Preisträger zum Boykott-Unterstützer ist besonders bemerkenswert. 1987 nahm er den Preis an und nutzte die Rede, um die Apartheid in Südafrika anzuprangern. Fast vier Jahrzehnte später zieht er Parallelen zwischen dem Apartheidregime und der israelischen Politik. Die BDS-Bewegung gegen Israel hat sich lange für solche Vergleiche eingesetzt, und Coetzees Unterstützung verleiht ihrer Sache eine starke Stimme.

Opferzahlen und humanitäre Krise in Gaza

Der Kontext von Coetzees Boykott ist der anhaltende Krieg in Gaza, der zu einer erschütternden humanitären Bilanz geführt hat. Laut dem Gesundheitsministerium von Gaza und unabhängigen Forschern wurden seit Oktober 2023 über 75.000 Palästinenser durch Gewalt getötet und mehr als 116.000 verletzt. Eine im Januar 2025 in The Lancet Global Health veröffentlichte Analyse schätzte, dass 59,1 % der Toten Frauen, Kinder und ältere Menschen waren. Die Zahl der Kinderamputierten in Gaza ist pro Kopf die höchste der Welt, und über 60 % der Gazaner haben Familienmitglieder verloren. Israel hat seine Kontrolle auf fast 60 % Gazas ausgeweitet, trotz einer nominellen Waffenruhe. Humanitäre Organisationen warnen, dass die tatsächliche Zahl der Toten 100.000 übersteigen könnte, einschließlich Todesfällen durch Krankheiten, Unterernährung und unterbrochener Gesundheitsversorgung. Der Internationale Gerichtshof untersucht Völkermordvorwürfe, auf die Coetzee in seinem Brief Bezug nahm.

Reaktionen und Folgen in der Literaturszene

Festivaldirektorin Julia Fermentto-Tzaisler zeigte sich schockiert über Coetzees Antwort und nannte sie 'besonders hart'. Sie respektiere seine Entscheidung, verteidigte aber das Festival und sagte, sie werde sich 'nicht der Sackgasse ergeben' und halte Boykotte für wirkungslos. Der südafrikanische Autorenverband unterstützte Coetzees Entscheidung voll und ganz. Die Kontroverse kommt vor dem Hintergrund breiterer Spannungen in Kulturorganisationen. Im Juli 2026 trat PEN-America-Präsident Dinaw Mengestu zurück, nachdem die Organisation Interviews mit israelischen und jüdischen Literaturfachleuten veröffentlicht hatte, die Feindseligkeit im Verlagswesen seit dem 7. Oktober beschrieben. Mengestu bezeichnete es als 'unethisch', dass PEN America eine Position gegen den kulturellen Boykott Israels einnehme. Die PEN America-Rücktrittskontroverse verdeutlicht die tieferen Spaltungen über Meinungsfreiheit versus Eintreten für palästinensische Rechte.

Auswirkungen auf das Jerusalemer Internationale Schriftstellerfestival

Das Jerusalemer Internationale Schriftstellerfestival, geplant für den 25. bis 28. Mai 2026, soll Autoren aus aller Welt zusammenbringen. Coetzees Boykott sowie die Absagen anderer Kulturschaffender gefährden das Prestige des Festivals. Frühere Boykotte von Autoren wie Naomi Klein und verschiedenen Filmemachern haben Israels kulturelle Beziehungen im Ausland bereits belastet. Coetzees Entscheidung ist besonders schädlich aufgrund seines Ranges als Nobelpreisträger und seiner früheren pro-israelischen Haltung. Sein Sinneswandel könnte andere Autoren beeinflussen, die noch unentschlossen sind, an israelischen Kulturveranstaltungen teilzunehmen.

FAQ

Warum boykottierte JM Coetzee das Jerusalemer Schriftstellerfestival?

Coetzee lehnte die Einladung ab, weil er Israels Militärkampagne in Gaza als 'genozidalen Feldzug' betrachtet, der 'massiv unverhältnismäßig' zu den Angriffen vom 7. Oktober 2023 sei. Er erklärte, dass die israelische Gesellschaft, einschließlich der intellektuellen Gemeinschaft, Mitschuld an den Gräueltaten trage.

Was sagte Coetzee in seinem Brief an das Festival?

In seinem Brief schrieb Coetzee, dass Israels Aktionen massiv unverhältnismäßig gewesen seien, die Kampagne begeisterte Unterstützung von den meisten Israelis habe und es viele Jahre dauern werde, bis Israel seinen Namen international reinwaschen könne. Er merkte an, dass sich langjährige Israel-Unterstützer angewidert abgewendet hätten.

Was ist der Jerusalem-Preis und warum ist Coetzees Boykott bedeutsam?

Der Jerusalem-Preis ist eine Auszeichnung für Autoren, die sich mit der Freiheit des Einzelnen in der Gesellschaft befassen. Coetzee gewann ihn 1987 und sah sich zuvor als Israel-Unterstützer. Sein Boykott ist bedeutsam, weil er eine dramatische Kehrtwende eines früheren Unterstützers darstellt und der Kulturboykottbewegung Nachdruck verleiht.

Wie viele Palästinenser wurden seit Oktober 2023 in Gaza getötet?

Stand Mitte 2026 wurden über 75.000 Palästinenser durch Gewalt getötet und mehr als 116.000 verletzt. Unabhängige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die tatsächliche Zahl 100.000 übersteigen könnte, wenn indirekte Todesfälle durch Krankheiten und Unterernährung einbezogen werden.

Wie war die Reaktion auf Coetzees Boykott?

Festivaldirektorin Julia Fermentto-Tzaisler zeigte sich schockiert, respektierte aber seine Entscheidung. Der südafrikanische Autorenverband sprach volle Unterstützung aus. Der Boykott hat zudem laufende Debatten in Organisationen wie PEN America über Kulturboykotte und Meinungsfreiheit angeheizt.

Quellen

The Guardian: JM Coetzee lehnt Jerusalemer Schriftstellerfestival ab

Middle East Eye: Coetzee lehnt Festival wegen Gaza ab

Brittle Paper: Coetzee lehnt Festival-Einladung ab

Euronews: Coetzee lehnt Festival wegen Israels Aktionen ab

Wikipedia: Opfer des Gazakriegs

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