Israelisches Militär erkennt Gaza-Todeszahlen an
In einer bemerkenswerten Entwicklung hat die israelische Armee erstmals die Schätzung des palästinensischen Gesundheitsministeriums in Gaza akzeptiert, wonach etwa 71.000 Palästinenser während des anhaltenden Konflikts getötet wurden. Diese Anerkennung, berichtet von israelischen Medien, stellt einen Bruch mit Israels bisheriger Haltung dar, bei der die Zuverlässigkeit palästinensischer Opferzahlen in Frage gestellt wurde.
Analyse der Zahlen
Die Zahl von 71.000 repräsentiert nur diejenigen, die direkt durch israelische Militäraktionen getötet wurden, und schließt schätzungsweise 9.000 Menschen nicht ein, von denen angenommen wird, dass sie unter Trümmern begraben liegen, so palästinensische Gesundheitsbehörden. Das UN-Hilfswerk OCHA berichtet, dass seit dem 7. Oktober 2023 mindestens 71.654 Palästinenser in Gaza getötet wurden, von denen mehr als die Hälfte Frauen, Kinder und ältere Menschen sind.
'Es ist bemerkenswert, dass Israel nun erstmals Zahlen des palästinensischen Gesundheitsministeriums anerkennt,' sagte Nasrah Habiballah, Korrespondentin für Israel und die Palästinensischen Gebiete. 'Obwohl viele internationale Organisationen und Forscher angaben, dass die Zahlen zuverlässig sind, zog Israel sie weiterhin in Zweifel.'
Zivile Opfer und breitere Auswirkungen
Eine interne Datenbank der israelischen Armee deutete letztes Jahr darauf hin, dass mehr als 80 Prozent der Toten in Gaza Zivilisten waren. Laut UN-Berichten bleibt die humanitäre Situation ernst, mit etwa 1,6 Millionen Menschen, die bis Mitte April 2026 mit hohen Graden akuter Ernährungsunsicherheit konfrontiert sind.
Verschiedene Forschungsinstitute geben an, dass die tatsächliche Zahl der Toten erheblich höher liegen könnte, möglicherweise mehr als 100.000, wenn indirekte Todesfälle durch Hungersnot, Krankheit und Mangel an medizinischer Versorgung berücksichtigt werden. Die UN berichtet, dass 421 Palästinenser, darunter 113 Kinder, an Hungersnot aufgrund der israelischen Blockade gestorben sind.
Fortschritte bei Waffenruhe und Gefangenenaustausch
Die Anerkennung erfolgt vor dem Hintergrund der fortlaufenden Umsetzung eines Waffenstillstandsabkommens, das im Oktober 2025 in Kraft trat. Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz hat Hamas die letzten 20 lebenden Geiseln freigelassen, die am 7. Oktober 2023 genommen wurden, und die Leichen von 28 verstorbenen Geiseln übergeben. Im Gegenzug hat Israel etwa 1.800 palästinensische Gefangene freigelassen und 360 palästinensische Leichen zurückgegeben.
Das IKRK kündigte kürzlich an, dass Israel die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, womit eine Operation beendet wurde, die die Organisation als 'eine monatelange Operation, die Familien wiedervereint und die Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens unterstützt hat', bezeichnete.
Internationaler Kontext und zukünftige Verfahren
Die israelische Armee hat noch keine offiziellen Zahlen zur Aufteilung zwischen Kämpfern und Zivilisten unter den Toten veröffentlicht. Israel wird voraussichtlich am 12. März 2026 Daten an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag übermitteln, als Teil laufender Verfahren im Zusammenhang mit dem Konflikt.
Diese Anerkennung stellt einen wichtigen Moment in der Dokumentation der menschlichen Kosten des Gaza-Konflikts dar, nach mehr als zwei Jahren Krieg, der das palästinensische Gebiet verwüstet und zu beispiellosen Opfern in der modernen Geschichte der Region geführt hat.
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