Massiver US-Militäreinsatz umzingelt Iran
Der Nahe Osten erlebt eine der bedeutendsten US-Militäraufbauoperationen der letzten Jahre, während die Spannungen mit Iran einen Siedepunkt erreichen. Satellitenbilder aus Jordanien zeigen einen erheblichen Einsatz von US-Kampfflugzeugen und Militärgerät auf Stützpunkten im ganzen Land, während die USS Abraham Lincoln Strike Group – ein atomgetriebener Flugzeugträger, begleitet von Zerstörern – im Operationsgebiet des US Central Command in Katar eingetroffen ist.
Diese militärische Eskalation erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Proteste im Iran, die von Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Obwohl die Straßen Teherans ruhiger geworden sind, berichten Augenzeugen, dass die Unterdrückung weitaus gewalttätiger war als ursprünglich anerkannt, wobei einige Medien wie Time Magazine deutlich höhere Todeszahlen melden als die offiziellen Zahlen.
Regionale Fluggesellschaften streichen Flüge aus Sicherheitsbedenken
Die eskalierenden Spannungen haben bereits Auswirkungen auf die zivile Luftfahrt in der Region. Große europäische Fluggesellschaften, darunter KLM, Air France, British Airways und Lufthansa, haben Flüge nach Israel und in die Golfstaaten aus Sicherheitsgründen gestrichen. KLM ging noch weiter und evakuierte Personal aus Saudi-Arabiens Dammam und Dubai.
Israel hat seine militärischen und Luftwaffen-Alarmstufen auf den höchsten Stand erhöht, obwohl die zivilen Verteidigungsanweisungen des Home Front Command vorerst unverändert bleiben. Unterdessen hat Iran klare Warnungen ausgesprochen und erklärt, dass jede militärische Aktion mit "totalem Krieg" beantwortet werde und US- und Koalitionstruppen legitime Ziele würden.
Das delikate Machtgleichgewicht am Golf
Was diese Situation besonders komplex macht, ist die nuancierte Position der Golfstaaten gegenüber möglichen Militäraktionen gegen den Iran. Laut Generalmajor (a.D.) Sayed Ghoneim, Vorsitzender des Institute for Global Security & Defense Affairs in Abu Dhabi, sind die Golfstaaten überraschend zurückhaltend gegenüber einer Intervention – nicht, weil sie das iranische Regime unterstützen, sondern weil die Folgen schwer zu kontrollieren wären.
'Was die Golfstaaten vor allem nicht wollen, ist ein Naher Osten, in dem Israel unbestritten dominant wird,' erklärt Ghoneim. 'Der Iran fungiert seit Jahren als eine Art 'Gleichgewichtsventil' gegen israelische Überlegenheit: aufgezwungen und unpopulär, aber strategisch nützlich. Die Untergrabung oder der Zusammenbruch des Irans würde diese Bremse entfernen und Israel geradezu Raum geben, seine regionale Vorherrschaft durchzusetzen.'
Ghoneim, ein pensionierter ägyptischer General mit umfassender regionaler Sicherheitsexpertise, stellt fest, dass dies erklärt, warum Länder am Golf lieber an einem komplizierten Machtgleichgewicht mit mehreren 'Polen' festhalten. 'Sie haben ein Interesse daran, dass der Iran weiter existiert, nicht als Verbündeter, sondern als Faktor, der das Gleichgewicht aufrechterhält,' sagt er. 'Nicht, weil sie iranischen Einfluss wollen, sondern weil sie keine Region wollen, in der ein Akteur alles bestimmt: nicht Israel und auch nicht ein unbegrenzter Vormarsch Saudi-Arabiens.'
Washingtons strategische Ziele
Da das iranische Regime immer noch fest an der Macht ist, bleiben Fragen darüber, was Washington mit diesem militärischen Aufbau zu erreichen hofft. Laut Ghoneim ist das primäre Ziel nicht formal ein Regimewechsel, sondern vielmehr eine erzwungene Verhaltensänderung: Eindämmung des Atomprogramms, Eindämmung des iranischen regionalen Einflusses und Wiederherstellung der Abschreckung.
'Regimezusammenbruch bleibt ein Ziel, aber kein offenes US-Engagement, weil Washington strategische Ergebnisse will, ohne anschließend Eigentümer des Chaos nach einem Sturz zu werden,' sagt Ghoneim.
Er sieht zwei mögliche Richtungen für die US-Strategie: 'Wenn Trump dem Zusammenbruch des Regimes Priorität einräumt, dann kann das über das Anheizen einer neuen Protestwelle geschehen oder über die Ausschaltung der Symbole des Systems, wie Khamenei und bestimmte Führer der Revolutionsgarden.'
'Und wenn die Priorität auf der Erzwingung von Kooperation liegt? Dann werden vor allem die nuklearen, militärischen und wirtschaftlichen Kapazitäten ins Visier genommen, mit der Botschaft: Nachgeben oder weiterer Verlust von strategischem Raum.'
Hochspannung in regionalen Kalkulationen
Der US-Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid in Katar, der auch das US Central Command beherbergt, liegt gut innerhalb der Reichweite iranischer Angriffe. Washington scheint jedoch zu versuchen, die Golfstaaten aus der direkten Schusslinie zu halten, indem der Flugzeugträger eingesetzt und Stützpunkte in Jordanien und anderen Orten genutzt werden.
Während die Region den Atem anhält, werden die kommenden Tage zeigen, ob dieser massive Militäreinsatz als Abschreckung dient, als Vorbote begrenzter Angriffe oder als Beginn einer umfassenderen Konfrontation, die die geopolitischen Landschaft des Nahen Ostens für Jahre prägen könnte.
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