Todeszahl nach Brand in Karachi steigt, Kritik an langsamer Hilfe

Mindestens 23 Tote und 65 Vermisste bei einem Brand in einem Einkaufszentrum in Karachi. Kritik an langsamer Hilfeleistung und Sicherheitsmängeln wie geschlossenen Ausgängen.

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Verheerender Brand in Karachi fordert mindestens 23 Todesopfer

Die Zahl der Todesopfer nach einem verheerenden Brand im historischen Einkaufszentrum Gul Plaza in Karachi ist auf mindestens 23 gestiegen, wobei die Behörden befürchten, dass es noch viel mehr Opfer geben könnte. Der Brand, der am Samstagabend in der größten Stadt Pakistans ausbrach, hat 65 Vermisste hinterlassen und zu weit verbreiteter Kritik an dem geführt, was viele als gefährlich langsame Notfallhilfe bezeichnen.

'Nationale Tragödie' entfaltet sich

Rettungskräfte durchsuchen seit Tagen die schwelenden Überreste des ikonischen Einkaufszentrums und bergen Leichen und Körperteile aus dem eingestürzten Gebäude. 'Solange wir nicht feststellen können, ob diese Körperteile von derselben Person oder von verschiedenen Personen stammen, ist es schwierig, die genaue Zahl der Toten zu bestätigen,' sagte ein hoher Polizeibeamter der pakistanischen Zeitung Dawn. DNA-Tests laufen, um Opfer zu identifizieren, aber Beamte warnen, dass es Tage dauern könnte, bis endgültige Zahlen vorliegen, da der Zugang zum Komplex schwierig ist.

Der Brand, der als der schlimmste in Karachi seit zehn Jahren beschrieben wird, breitete sich rasend schnell im 8.000 Quadratmeter großen Komplex aus, der etwa 1.200 kleine Geschäfte beherbergte, die Kosmetik, Kleidung und Plastikartikel verkauften. 'Das Feuer konnte sich schnell ausbreiten, weil viele brennbare Materialien vorhanden waren,' sagte ein Sprecher des pakistanischen Notfalldienstes zu BBC Urdu.

Sicherheitsversagen und öffentliche Empörung

Ermittlungen haben schockierende Sicherheitsmängel aufgedeckt: 13 der 16 Ausgänge des Einkaufszentrums sollen geschlossen gewesen sein, als das Feuer kurz vor der Schließung ausbrach. Dieses kritische Versagen führte dazu, dass Einkäufer und Angestellte eingeschlossen wurden, als die Flammen das Gebäude verschlangen.

Die öffentliche Wut auf die Behörden wächst aufgrund dessen, was viele als eine verzögerte Reaktion ansehen. Karachis Bürgermeister Murtaza Wahab wurde von Menschenmengen ausgebuht, als er 24 Stunden nach dem Ausbruch des Feuers am Ort des Geschehens eintraf. 'Die Menschen skandierten regierungsfeindliche Parolen und kritisierten das Vorgehen der Feuerwehr,' so lokale Medienberichte.

Die Tragödie hat in Karachi, einer Stadt mit etwa 20 Millionen Einwohnern und einer der größten städtischen Ballungsräume der Welt, tiefe Spuren hinterlassen. Gul Plaza war mehr als nur ein Einkaufszentrum – es war ein kulturelles Wahrzeichen, eines der ersten großen Einkaufszentren Pakistans, als es in den 1950er Jahren eröffnete, und repräsentierte Modernität für die wachsende Mittelschicht des Landes.

Regierungsreaktion und Entschädigung

Der Premierminister der Provinz Sindh, Murad Ali Shah, hat Fehler bei der Reaktion eingeräumt. 'Ich kann nicht sagen, wessen Schuld es ist. Es wird eine Untersuchung geben und Köpfe werden rollen,' sagte er gegenüber Reuters. Die Provinzregierung hat den Vorfall zu einer 'nationalen Tragödie' erklärt und eine Entschädigung von 10 Millionen Rupien (etwa 30.000 Euro) für die Familien der Opfer angekündigt.

Die Katastrophe hat dringende Fragen zur Einhaltung von Brandschutzvorschriften in kommerziellen Gebäuden in Karachi wieder aufleben lassen. Gemäß den Brandschutzbestimmungen des Pakistanischen Baugesetzes 2016 müssen kommerzielle Gebäude zugängliche Ausgänge, Feuerlöscheinrichtungen und ordnungsgemäße Evakuierungsverfahren gewährleisten – Anforderungen, die im Gul Plaza offenbar verletzt wurden.

Während die Rettungsteams ihre düstere Arbeit fortsetzen, trauern die Einwohner Karachis nicht nur um die verlorenen Leben, sondern auch um den symbolischen Tod eines geliebten Wahrzeichens, das einst nationalen Stolz und Fortschritt repräsentierte.

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