Indien, weithin als 'Apotheke der Welt' bekannt, liefert über 50% der niederländischen Medikamente und fast 20% der globalen Generikanachfrage. Doch über 70% der indischen Wirkstoffe (APIs) stammen aus China – eine direkte Bedrohung für europäische Lieferketten, da jede Störung zu Engpässen führen kann.
Indiens Dominanz und versteckte Schwäche
Indiens Pharmaindustrie ist die drittgrößte weltweit, mit über 60.000 Generika und 40% der US-Nachfrage. Laut ORF stiegen die API-Importe aus China von 0,29 Mrd. USD (2001) auf 11,1 Mrd. USD (2024). China liefert rund 70% der Bulk-Drogen, bei Erythromycin 97,7%. Die EU-Arzneimittellieferkette ist indirekt stark exponiert.
Ursachen der Abhängigkeit
Indische Firmen importierten zunehmend günstigere chinesische APIs. Die COVID-19-Pandemie offenbarte die Fragilität: Als China 2020 Fabriken schloss, kam es zu Engpässen. Indien startete daraufhin das PLI-Schema für Bulk Drugs mit 6.940 Crore Rupien.
PLI-Schema: Fortschritte
Bis Dezember 2025 wurden 38 von 48 Projekten in Betrieb genommen, mit einer Kapazität von 56.800 Tonnen pro Jahr. Importe im Wert von 2.192 Crore Rupien wurden vermieden und 4.896 Arbeitsplätze geschaffen. Dennoch stieg die API-Importabhängigkeit von 68% (2020) auf 72% (2024). Über 40 APIs haben weiterhin 70-100% Importabhängigkeit von China.
Geopolitische Risiken
Im April 2025 führten Unruhen im Nahen Osten zu Preissteigerungen von 20-30% bei Medizinrohstoffen. China hat Exportbeschränkungen als Mittel eingesetzt, wie bei seltenen Erden. Ähnliche Chinas Exportbeschränkungen für Pharmazeutika könnten Europa hart treffen.
Auswirkungen auf Niederlande und EU
Indien liefert über 50% der niederländischen Arzneimittel, darunter Paracetamol und Penicillin. Das Gesundheitssystem arbeitet mit geringen Puffern. Eine Störung wäre binnen Wochen spürbar. Trump-Zölle von 100% auf Markenmedikamente betrafen Indien nicht, aber die EU ist auf indische Generika angewiesen.
Kann Indien die Abhängigkeit reduzieren?
Hürden sind hohe Kapitalkosten (100-200 Mio. USD pro Anlage), Regulierungsverzögerungen, chinesische Skalenvorteile und Zurückhaltung von KMU. Die Indiens Strategie zur pharmazeutischen Selbstversorgung bleibt langfristig. Der ORF-Bericht stellt fest: „Trotz Spannungen hat sich keine strukturelle Entkopplung ergeben.“
Häufig gestellte Fragen
Wie viel API kommt aus China?
Über 70%, bei bestimmten Antibiotika über 90%.
Warum 'Apotheke der Welt'?
Indien liefert 20% der globalen Generika, 50% der Impfstoffe und exportiert in 200 Länder.
Wie viel Medikamente für Niederlande?
Über 50%, darunter Paracetamol, Ibuprofen, Penicillin.
Was tut Indien dagegen?
PLI-Schema mit 6.940 Crore Rupien; 38 Projekte in Betrieb mit 56.800 t/Jahr Kapazität.
Können chinesische Exportbeschränkungen EU-Patienten treffen?
Ja, binnen Wochen, da über 70% der APIs aus China kommen.
Quellen
- Observer Research Foundation (ORF) — 'Indiens Aufstieg als globale Apotheke maskiert tiefe Abhängigkeit von China' (Dezember 2025)
- Press Information Bureau, Regierung von Indien — Aktualisierung PLI-Schema (März 2026)
- Business Today — 'Heimische API-Produktion, Importe hoch' (Juli 2025)
- Wikipedia — Pharmaindustrie in Indien
- BNR Nieuwsradio — 'Indien als Apotheke der Welt schwer abhängig von chinesischen Rohstoffen' (Juli 2026)
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