EU-Spitzen beraten über Rekordhandelsdefizit mit China
Die Staats- und Regierungschefs der EU treffen sich heute, um über mögliche schärfere Handelsmaßnahmen gegen China zu beraten, da das Handelsdefizit des Blocks mit Peking auf einen Rekordwert von 1 Milliarde Euro pro Tag gestiegen ist. Das EU-China Handelsdefizit erreichte laut Eurostat im Jahr 2025 360 Milliarden Euro, wobei alle EU-Mitgliedstaaten ein Defizit mit China verzeichneten. Allein im April 2026 betrug die Lücke 31,9 Milliarden Euro, angetrieben durch einen Ansturm chinesischer Elektrofahrzeuge, Solarmodule, Batterien und Chemikalien.
Der EU-Gipfel in Brüssel hat 'globale makroökonomische Ungleichgewichte' auf die Tagesordnung gesetzt – ein diplomatischer Euphemismus, der China nicht direkt nennt. Hinter verschlossenen Türen diskutieren die Staatschefs jedoch, wie weit sie beim Schutz der europäischen Industrie gehen wollen.
Das Ausmaß des chinesischen Subventionsvorteils
Laut einem OECD-Bericht von Anfang 2026 erhalten chinesische Unternehmen drei- bis achtmal mehr staatliche Subventionen als Firmen in OECD-Ländern. Rund 60 % der Expansion chinesischer Firmen auf dem Weltmarkt seit 2005 ist direkt auf Subventionen zurückzuführen. 2024 entfielen 52 % der weltweiten Subventionen in Höhe von 108 Milliarden Dollar auf China, konzentriert auf Solarmodule, Halbleiter, Stahl und Aluminium.
Chinesische Exporte in die EU sind in für die grüne Wende kritischen Sektoren sprunghaft gestiegen. Die EU-Antisubventionsuntersuchung zu chinesischen E-Fahrzeugen 2025 ergab Subventionen von 7,8 % bis 35,3 % des Wertes, woraufhin die EU im Oktober 2024 Ausgleichszölle verhängte. Trotz dieser Zölle stiegen die chinesischen EV-Exporte nach Europa 2025 um 26 %.
Belgien fordert Maßnahmen
Der belgische Premierminister Bart De Wever hat sich als einer der lautstärksten Befürworter einer härteren EU-Linie hervorgetan. In einem Brief an Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnte er vor der 'verheerenden' Wirkung der chinesischen Wirtschaftspolitik. 'Die Frage ist: Sind wir bereit, den Schmerz zu ertragen? Meine Antwort ist ja', schrieb De Wever.
Meinungsverschiedenheiten unter den Mitgliedstaaten
Trotz des wachsenden Konsenses, dass Maßnahmen nötig sind, sind die EU-Staaten tief gespalten. Länder mit engen Handelsbeziehungen zu China – darunter Deutschland, Spanien und Griechenland – zögern, aggressive Schritte zu unterstützen, die Vergeltungsmaßnahmen provozieren könnten. China kontrolliert 90 % der weltweiten Seltene-Erden-Verarbeitung, 80 % des Wolframs und 60 % des Antimons – Materialien, die für Verteidigung, E-Fahrzeuge und erneuerbare Energien unverzichtbar sind.
Chinas Vergeltungsfähigkeiten
China hat gewarnt, dass es Vergeltungsmaßnahmen ergreifen werde. Bereits frühere EU-Zölle auf chinesische E-Fahrzeuge führten zu Anti-Dumping-Untersuchungen gegen europäische Milch-, Schweinefleisch- und Cognac-Industrie. China hat begonnen, ab April 2026 die Exportsubventionen für Solarmodule und Batterien zu kürzen – ein Signal für ernsthafte Handelsbeziehungen.
Welche Maßnahmen stehen zur Debatte?
Die EU kann Anti-Subventions- und Anti-Dumping-Zölle verhängen. Einige Länder wollen die Untersuchungsabteilung der Kommission stärken. Auch gezielte Maßnahmen gegen Produkte mit einem Marktanteil eines einzelnen Landes von über 40 % werden erwogen. Die Kommission prüft zudem, Unternehmen in sensiblen Sektoren zu zwingen, mit mehreren Lieferanten zu arbeiten. Das EU-Gesetz über kritische Rohstoffe zielt darauf ab, die heimische Versorgung zu stärken, doch der Aufbau unabhängiger Lieferketten könnte 20–30 Jahre dauern.
FAQ
Wie hoch ist das EU-Handelsdefizit mit China?
Es erreichte 2025 360 Milliarden Euro, etwa 1 Milliarde Euro pro Tag. Allein im April 2026 betrug die Lücke 31,9 Milliarden Euro. Jeder EU-Mitgliedstaat verzeichnete 2025 ein Defizit.
Warum erwägt die EU Handelsmaßnahmen?
EU-Führer argumentieren, dass chinesische Subventionen einen unfairen Vorteil verschaffen und zu Dumpingpreisen bei EVs, Solarmodulen, Batterien und Chemikalien führen.
Welche Maßnahmen kann die EU ergreifen?
Die EU kann Anti-Subventions- und Anti-Dumping-Zölle verhängen, Untersuchungskapazitäten stärken, Quoten einführen und Lieferantendiversifizierung vorschreiben.
Wie könnte China Vergeltung üben?
China hat bereits mit Anti-Dumping-Untersuchungen gegen europäische Landwirtschaftsprodukte reagiert und könnte Exporte von Seltenen Erden beschränken.
Wie ist die Perspektive für die EU-China-Handelsbeziehungen?
Analysten erwarten inkrementelle Änderungen. Der Gipfel soll politische Leitlinien liefern, konkrete Maßnahmen dürften in den kommenden Monaten folgen.
Quellen
- Guardian: EU-Handelsdefizit mit China erreicht Rekord von 1 Mrd. € pro Tag
- Reuters: EU-Staatschefs streben Einigkeit bei China-Handelsungleichgewicht an
- EUobserver: EU-Spitzen wählen aus Anti-China-Handelsmaßnahmen
- Belga News: De Wever drängt EU zu härterer Haltung
- OECD-Bericht zu chinesischen Industriesubventionen
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