Washington Post entlässt ein Drittel der Belegschaft in großer Umstrukturierung

Die Washington Post entlässt ein Drittel ihrer Belegschaft und schafft die Sport- und Buchabteilungen ab. Dies folgt auf finanzielle Verluste und Abonnentenrückgänge nach kontroversen Entscheidungen von Eigentümer Jeff Bezos.

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Historische Zeitung erlebt tiefste Einschnitte in ihrer 149-jährigen Geschichte

Die Washington Post, eine der prestigeträchtigsten Zeitungen Amerikas, hat am 4. Februar 2026 angekündigt, dass etwa ein Drittel ihrer gesamten Belegschaft entlassen wird. Dies stellt die tiefgreifendste Personalreduzierung in der 149-jährigen Geschichte der Zeitung dar. Die Kürzungen betreffen alle Abteilungen, wobei die Sportredaktion und die Buchabteilung vollständig aufgelöst werden und der Flaggschiff-Podcast 'Post Reports' eingestellt wird.

Verheerende Auswirkungen auf alle Abteilungen

Laut Berichten der Los Angeles Times werden mehr als 300 der etwa 800 Journalisten der Zeitung ihren Job verlieren. Chefredakteur Matt Murray beschrieb die Maßnahme als eine 'strategische Neuausrichtung' für die Zeitung, die sich seit 2013 im Besitz von Amazon-Gründer Jeff Bezos befindet. 'Wir hoffen, ein Unternehmen zu schaffen, das wieder wachsen und gedeihen kann,' erklärte Murray in einer Mitteilung an die Belegschaft und räumte den schmerzhaften Charakter der Entscheidung ein.

Die Sportredaktion, deren Berichterstattung über die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand bereits eingeschränkt worden war, wird vollständig abgewickelt. Die Buchabteilung, lange ein Markenzeichen der Kulturberichterstattung der Post, verschwindet ebenfalls. Mehrere Auslandsbüros werden geschlossen und die Lokalredaktion wird erheblich verkleinert.

Finanzdruck und Abonnentenverluste

Die Post kämpft mit zunehmenden finanziellen Problemen, mit Verlusten von insgesamt 177 Millionen Dollar in den Jahren 2022-2023 laut Analyse des Poynter Institute. Die Zeitung hat auch erhebliche Abonnentenverluste nach kontroversen redaktionellen Entscheidungen von Eigentümer Jeff Bezos hinnehmen müssen. Im Oktober 2024 zog Bezos die Unterstützung der Post für die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris zurück, was Berichten zufolge zu mehr als 300.000 Abokündigungen führte.

Darüber hinaus führte Bezos 2025 eine große Reform des Meinungsressorts durch und erklärte, dass nur noch Kolumnen veröffentlicht würden, die 'zwei Säulen unterstützen und verteidigen: persönliche Freiheiten und freie Märkte.' Diese libertäre Kursänderung führte zum Rücktritt des Meinungsredakteurs David Shipley und löste einen Schock in der Redaktion aus.

Gewerkschaftsreaktion und Branchenkommentare

Die Washington-Baltimore News Guild, die die Mitarbeiter der Post vertritt, verurteilte die Kürzungen scharf. 'Ohne die Mitarbeiter der Washington Post gibt es keine Washington Post,' erklärte die Gewerkschaft in einem öffentlichen Appell. Sie bezeichneten die Entlassungen als 'Versagen von Führung und Vision' und warnten, dass die Ausdünnung der Redaktion die Glaubwürdigkeit und Reichweite der Zeitung schädigen würde.

Der ehemalige Chefredakteur Marty Baron, der die Post während der mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Berichterstattung über die Trump-Administration leitete, nannte es 'einen der dunkelsten Tage' in der Geschichte der Zeitung. The Atlantic veröffentlichte eine Kolumne mit dem Titel 'Der Mord an der Washington Post', in der nahegelegt wurde, dass Bezos und Verleger Will Lewis zerstörten, was die Zeitung besonders machte.

Breiterer Kontext der Medienbranche

Die Probleme der Post stehen in scharfem Kontrast zu denen ihres Hauptkonkurrenten, The New York Times, die ihre Belegschaft im letzten Jahrzehnt verdoppelt hat. Murray nannte rückläufigen organischen Suchverkehr durch das Wachstum von KI als einen Faktor für die Reorganisation, was die breiteren Herausforderungen widerspiegelt, denen sich traditionelle Medien im digitalen Zeitalter gegenübersehen.

Die Washington Post, gegründet 1877, hat 76 Pulitzer-Preise gewonnen und gilt als eine Zeitung von nationaler Bedeutung in den Vereinigten Staaten. Ihre investigativen Enthüllungen zum Watergate-Skandal führten 1974 zum Rücktritt von Präsident Richard Nixon und festigten ihren Ruf als Säule der amerikanischen Demokratie. Die aktuellen Kürzungen stellen eine dramatische Wende für eine Institution dar, die lange Zeit synonym mit journalistischer Exzellenz war.

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