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KI-Analyse stellt Echtheit zweier Jan van Eyck-Gemälde in Frage

Eine KI-Analyse deutet darauf hin, dass zwei Jan van Eyck zugeschriebene Gemälde in Museen in Philadelphia und Turin möglicherweise Werkstattkopien sind. Dies löst eine Debatte über die Rolle der KI in der Kunstauthentifizierung aus und stellt traditionelle Zuschreibungen in Frage.

KI-Analyse stellt Echtheit zweier Jan van Eyck-Gemälde in Frage
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KI-Analyse stellt Echtheit zweier Jan van Eyck-Gemälde in Frage

Eine bahnbrechende KI-Analyse hat ernsthafte Zweifel an der Authentizität zweier Gemälde gesät, die lange dem flämischen Meister Jan van Eyck zugeschrieben wurden. Das Schweizer Unternehmen Art Recognition hat zwei nahezu identische Versionen von Der heilige Franziskus empfängt die Stigmata analysiert – eines im Philadelphia Museum of Art und das andere in den Musei Reali in Turin – und starke Hinweise gefunden, dass keines von beiden von van Eyck selbst gemalt wurde.

Auffällige Ergebnisse der KI-Analyse

Die KI-Analyse kam zu dem Schluss, dass die Turiner Version mit 86%iger Wahrscheinlichkeit nicht von van Eyck stammt, während die Philadelphia-Version eine noch höhere Wahrscheinlichkeit von 91% für Unechtheit aufweist. 'Das negative Ergebnis deutet darauf hin, dass beide Gemälde aus seiner Werkstatt stammen,' sagt Kunsthistoriker Noah Charney gegenüber The Guardian. 'Das würde bedeuten, dass das Original, das größtenteils von Van Eyck geschaffen wurde, verloren gegangen ist.'

Diese Erkenntnisse sind besonders bedeutsam, da Jan van Eyck (ca. 1390–1441) als eine der wichtigsten Figuren der Nordischen Renaissance gilt, von denen nur etwa 20 Gemälde allgemein als sein Werk anerkannt werden. Die beiden umstrittenen Gemälde, die beide den heiligen Franziskus zeigen, wie er kniet und die Wundmale Christi empfängt, waren jahrzehntelang geschätzte Besitztümer ihrer jeweiligen Museen.

Wie KI-Authentifizierung funktioniert

Art Recognition nutzt fortschrittliche Algorithmen, die auf verifizierten Werken bestimmter Künstler trainiert wurden, um subtile Muster in Pinselstrichen, Farbauftrag und kompositorischen Elementen zu erkennen. 'Der Algorithmus reagiert nur auf das, was sichtbar ist,' erklärt Eric Postma, Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität Tilburg und unbezahlter wissenschaftlicher Berater von Art Recognition. 'Alle visuellen Strukturen, die man in der digitalen Aufnahme des Gemäldes sieht, können vom Algorithmus genutzt werden, um die Hand des Meisters zu erkennen.'

Postma räumt jedoch Einschränkungen ein: 'Man kann sich vorstellen, dass man von einem Teil des Gemäldes denkt: Das ist überhaupt nicht von beispielsweise Van Gogh gemalt. Aber dann stellt sich heraus, dass es einmal von jemand anderem retuschiert wurde. Daher ist es immer gut, das noch einmal zu überprüfen.' Diese Vorsicht ist besonders bei jahrhundertealten Werken relevant, die möglicherweise mehrere Restaurierungen durchlaufen haben.

Wissenschaftliche Debatte und Kritik

Die KI-Ergebnisse haben unter Kunsthistorikern Kontroversen ausgelöst. Während einige Experten einen Wert in der Technologie sehen, stellen andere die Methodik in Frage. Der führende van Eyck-Experte Maximiliaan Martens von der Universität Gent hat grundlegende Bedenken geäußert und darauf hingewiesen, dass van Eycks Pinselstriche selbst unter mikroskopischer Untersuchung kaum sichtbar sind, was die KI-Erkennung problematisch macht. Darüber hinaus ist der Datensatz mit nur etwa 25 verifizierten van Eyck-Gemälden möglicherweise zu klein für ein zuverlässiges KI-Training.

Kritiker weisen auch darauf hin, dass der physische Zustand der Gemälde und Jahrhunderte von Restaurierungsarbeiten die KI-Analyse stören können. 'Die Herausforderung besteht immer darin, das Beste aus beiden Welten zu erhalten,' sagt Postma. 'Worin sind Menschen gut und worin sind Maschinen gut? Diese Maschinen sind sehr gut darin, ganz subtile Muster aus diesen Gemälden zu extrahieren, die für die Authentizität vorhersagend sein können. Aber Menschen sind wiederum besser darin, den weiteren Kontext zu sehen.'

Implikationen für Museen und Kunstwelt

Für das Philadelphia Museum of Art und die Musei Reali in Turin stellt die KI-Analyse sowohl Herausforderungen als auch Chancen dar. Obwohl die Ergebnisse nicht endgültig die Unechtheit beweisen, legen sie nahe, dass weitere Untersuchungen mit traditionellen Methoden wie Pigmentanalyse, Dendrochronologie (Jahrringdatierung) und Provenienzforschung erforderlich sind.

Die Kontroverse unterstreicht die wachsende Rolle der KI in der Kunstauthentifizierung. Unternehmen wie Art Recognition werden zunehmend von Museen, Auktionshäusern und Sammlern konsultiert, obwohl die meisten Experten darin übereinstimmen, dass KI traditionelle Authentifizierungsmethoden ergänzen und nicht ersetzen sollte. Wie Postma anmerkt: 'All diese Dinge zusammen bestimmen letztendlich das Urteil.'

Dieser Fall stellt einen wichtigen Moment an der Schnittstelle von Technologie und Kunstgeschichte dar, bei dem grundlegende Fragen darüber aufgeworfen werden, wie wir kulturelles Erbe im digitalen Zeitalter authentifizieren, während wir Jahrhunderte wissenschaftlicher Tradition respektieren.

Quellen

The Guardian: KI-Analyse stellt van Eyck-Gemälde in Frage

Artnet: Disput über KI-Authentifizierung von van Eyck-Werken

Wikipedia: Der heilige Franziskus empfängt die Stigmata

Art & Object: KI und Kunstauthentifizierung

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