Anteil des Dollars an Währungsreserven fällt unter 57 %
Erstmals seit 1995 ist der Anteil des US-Dollars an den globalen Devisenreserven unter 57 % gefallen – auf 56,32 % im zweiten Quartal 2025, wie aktuelle IWF-COFER-Daten zeigen. Dies markiert den achten Rückgang in Folge und einen drastischen Fall vom Höchststand von 72 % im Jahr 2001. Die strukturellen Treiber – von der Waffeisierung von Finanzsanktionen bis zum Aufstieg Chinas – beschleunigen sich und werfen die Frage auf: Entsteht ein echtes multipolares Reservesystem?
Die BRICS-Entdollarisierungsstrategie hat sich seit der Erweiterung auf 11 Mitglieder im Jahr 2024 beschleunigt. Der innerblock-Lokalwährungshandel überstieg 2026 67 %. Zentralbanken kauften 2025 Rekordmengen Gold: 1.237 Tonnen, angeführt von Polen, China und Indien. Alternative Zahlungssysteme wie Chinas CIPS expandieren rasant.
Strukturelle Treiber der Entdollarisierung
Finanzsanktionen als Katalysator
Das Einfrieren von rund 300 Milliarden Dollar russischer Zentralbankreserven durch westliche Staaten im Jahr 2022 veränderte die Kalkulation der Reserveverwalter grundlegend. IWF-Daten zeigen, dass 92 % des Rückgangs des Dollaranteils im Q2 2025 auf Wechselkursbewegungen zurückzuführen waren, doch die psychologische Wirkung der Sanktionen ist tiefgreifend. Eine Umfrage des World Gold Council 2025 ergab, dass 43 % der Zentralbanken ihre Goldreserven aufstocken wollen – eine direkte Reaktion auf geopolitische Risiken.
Aufstieg von CIPS und alternativen Zahlungssystemen
Chinas Cross-Border Interbank Payment System (CIPS) hat sich zur greifbarsten Alternative zu SWIFT entwickelt. Ende 2025 hatte CIPS 193 direkte und 1.573 indirekte Teilnehmer in 124 Ländern und wickelte 180,2 Billionen Yuan (26,4 Billionen Dollar) ab. Überarbeitete Geschäftsregeln ab Februar 2026 unterstützen Multiwährungstransaktionen und senken die Eintrittsbarrieren für ausländische Banken. Die BRICS-Pay-Initiative integriert nationale Zahlungssysteme wie Pix (Brasilien), SPFS (Russland), UPI (Indien) und CIPS in ein interoperables Netzwerk, um die Abhängigkeit von Dollar-Clearing zu verringern.
Gold: Das neue Reserve-Asset der Wahl
Die Goldkäufe der Zentralbanken überstiegen 2025 mit 1.237 Tonnen das vierte Jahr in Folge die Marke von 1.100 Tonnen. Die Nationalbank Polens war mit 102 Tonnen der größte Käufer. Die chinesische Zentralbank meldet seit über zehn Monaten Goldkäufe. Der Goldpreis stieg Ende 2025 auf 3.820 Dollar pro Unze, was sowohl die physische Nachfrage als auch die Rolle als sanktionsresistentes Reserve-Asset widerspiegelt.
Entsteht ein multipolares Reservesystem?
Trotz dieser Trends behält der Dollar erhebliche strukturelle Vorteile. Er wickelt noch 88 % der globalen Devisentransaktionen ab und macht rund 20 % der Euro-Raum-Reserven aus. Der Euro hält stabil 20,25 % der globalen Reserven, während der chinesische Renminbi bei nur 1,95 % stagniert – weit unter seinem Höchststand von 2,8 %. Der BRICS-Gemeinschaftswährungsvorschlagglobale Wandel der Währungsarchitektur